Förderungen für Ausbildungen im Gesundheitsbereich

SchülerInnen, die einen Beruf im Gesundheits- und Krankenpflegebereich erlernen wollen, erhalten mitunter ein sogenanntes monatliches "Taschengeld" während ihres Schulbesuches, doch auch dieses reicht oft nicht aus. Vor allem erwachsene Auszubildende, die sich erst im zweiten Bildungsweg für einen Gesundheitsberuf entscheiden, müssen oft finanzielle Engpässe während der Aus- oder Fortbildung in Kauf nehmen.

Für Aus- und Weiterbildungen im Gesundheits- und Krankenpflegebereich werden aber von verschiedenen Stellen Förderungen angeboten. 

Arbeitsplatznahe Qualifizierung AQUA (AMS)

Wer wird gefördert?

  • Unternehmen mit Fachkräftemangel.
  • Erwachsene Arbeitsuchende, die beim AMS Niederösterreich als arbeitslos vorgemerkt sind und eine am Arbeitsmarkt nachgefragte, zertifizierte Aus- oder Weiterbildung absolvieren möchten.

Voraussetzungen

  • Die theoretische Qualifizierung wird bei einem externen Schulungsträger absolviert (z.B. Kurs bei einer Bildungseinrichtung).
  • Sie muss überbetrieblich verwertbar sein und vom AMS befürwortet werden. 
  • Die praktische Ausbildung findet im Unternehmen statt.
  • Die AQUA muss mindestens 13 Wochen dauern und 16 Wochenstunden umfassen.
  • Bei AQUA mit dem Ziel „Lehrabschlussprüfung“ ist die Dauer mit maximal der Hälfte der regulären Lehrzeit begrenzt. Anrechenbare Vorkenntnisse sind zu berücksichtigen.
  • Bei AQUA ohne Lehrabschlussprüfung darf die praktische Ausbildung höchstens doppelt so lange wie die theoretische dauern.
  • Es bedarf einer schriftlichen Vereinbarung und eines Bildungsplans.
  • Das AMS erwartet, dass der Ausbildungsbetrieb die TeilnehmerInnen nach AQUA in ein Dienstverhältnis übernimmt.

Wie hoch ist die Förderung?

  • Das Unternehmen finanziert die Qualifizierungskosten.
  • Das Arbeitsmarktservice NÖ kümmert sich um die Existenzsicherung der TeilnehmerInnen.

Kontakt

Ihre regionale AMS Geschäftsstelle

Fachkräftestipendium (AMS)

Ziel des Fachkräftestipendiums ist, Mangelberufe in unterschiedlichen Branchen zu fördern. ArbeitnehmerInnen und Arbeitslose werden vom AMS für maximal drei Jahre mindestens in Höhe der Ausgleichszulage finanziert.

Wer darf das Fachkräftestipendium beantragen?

Einen Antrag auf das Fachkräftestipendium können ArbeitnehmerInnen, deren Dienstverhältnis wegen der geplanten Ausbildung karenziert wird (ausgenommen sind Lehrlinge und öffentlich-rechtliche Bedienstete, die nicht arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt sind), Beschäftigungslose und selbständig Erwerbstätige, deren Gewerbe ruht, unter folgenden Voraussetzungen stellen:

  • Es müssen 208 Wochen (= 4 Jahre) arbeitslosenversicherungspflichtige unselbständige oder pensionsversicherungspflichtige selbständige Erwerbstätigkeit innerhalb der letzten 15 Jahre nachgewiesen werden. Darunter fallen auch Lehrzeiten und unter Umständen auch Zeiten wie Kinderbetreuungsgeldbezug und Präsenz- oder Zivildienst.
  • Die höchste abgeschlossene Ausbildung muss unter dem Fachhochschulniveau liegen.
  • Ein Nachweis der Erfüllung der Aufnahmevoraussetzungen für die jeweilige Ausbildung ist zu erbringen. Unabhängig davon, darf das AMS auch eine gesonderte "Eignungsprüfung" veranlassen
  • Der Hauptwohnsitz muss in Österreich liegen.

Für welche Ausbildungen gilt das Fachkräftestipendium?

Es können nur Personen gefördert werden, die eine Ausbildung laut Mangelberuf-Liste absolvieren, wenn die Ausbildung im jeweiligen Förderzeitraum beginnt.

Höhe

  • Personen, die ihr Dienstverhältnis während des Fachkräftestipendiumbezuges karenzieren: 30,60 Euro täglich (Stand 2020)
  • Personen, die ihr Dienstverhältnis direkt vor Beginn des Fachkräftestipendiumbezuges selbst gekündigt oder durch eigenes Verschulden verloren haben: In den ersten 4 Wochen erhalten diese den Mindestsatz von 30,60 Euro (Stand 2020), danach erhalten sie die Leistung in der Höhe des fiktiven Arbeitslosengeldes, jedenfalls aber mind. 30,60 Euro (Stand 2020).
  • Personen, die ihr Dienstverhältnis einvernehmlich gelöst haben, die gekündigt wurden oder bereits Arbeitslosengeld oder dergleichen bezogen haben: Das Fachkräftestipendium entspricht dem Wert des fiktiven Arbeitslosengeldbezuges, mindestens aber 30,60 Euro täglich (Stand 2020)

Geringfügige Beschäftigung:

Eine geringfügige Beschäftigung ist neben dem Bezug des Fachkräftestipendiums möglich. Im folgenden Fall ist jedoch Vorsicht geboten: Sollten Sie mit Beginn des Fachkräftestipendienbezuges eine geringfügige Beschäftigung bei dem selben Dienstgeber/der selben Dienstgeberin eingehen, bei dem/der Sie gekündigt wurden oder selbst gekündigt haben, dann erhalten Sie maximal den Tagsatz von 30,60 (Stand 2020) Euro auch wenn der Tagsatz Ihres fiktiven Arbeitslosengeldes höher läge. Wenn aber zwischen der vorhergehenden und der geringfügigen Beschäftigung ein Zeitraum von mindestens einem Monat liegt, können Sie auch den höheren Tagsatz beziehen. Sollte der Tagsatz Ihres fiktiven Arbeitslosengeldes ohnedies geringer sein, als der Mindesttagsatz beim Fachkräftestipendium, dann ist diesbezüglich nichts zu befürchten.

Info

Die Liste der Mangelberufe mit den förderbaren Ausbildungen - unter anderem im Bereich Gesundheit und Pflege - finden Sie als Download auf der Website des AMS (pdf).

Mehr Details sowie Links und Downloads zum Thema erhalten Sie im Artikel über das Fachkräftestipendium.

Bildungskarenz und Bildungsteilzeit (AMS)   

Für eine Ausbildung im Gesundheits- und Krankenpflegebereich kann eine Bildungskarenz oder Bildungsteilzeit in Anspruch genommen werden. Das AMS unterstützt ArbeitnehmerInnen bei der Unterbrechung beziehungsweise Reduzierung der Arbeitsstunden zum Zweck der Fortbildung.

Voraussetzung

Voraussetzung für beide Varianten ist eine mindestens sechsmonatige Beschäftigung im Betrieb, die der Karenz beziehungsweise der Teilzeit vorangeht. Für Saisonarbeitskräfte gelten Sonderregelungen. Die Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosengeld sind zu erfüllen. Zudem muss der Betrieb mit einer Karenzierung oder Stundenreduzierung einverstanden sein.

Bildungskarenz

  • Während der Bildungskarenz erhalten ArbeitnehmerInnen vom AMS Weiterbildungsgeld in der Höhe des fiktiven Arbeitslosengeldes. Darüber hinaus dürfen karenzierte ArbeitnehmerInnen bis zur Höhe der Geringfügigkeitsgrenze von 460,66 Euro monatlich (Stand 2020) dazuverdienen.
  • Die Karenz muss mindestens zwei Monate bis zu einem Jahr in Anspruch genommen werden.
  • Es müssen mindestens 20 Wochenstunden oder eine vergleichbare zeitliche Belastung investiert werden.

Info

Genaue Details zu den Kriterien für den Erhalt der Förderung können Sie im Artikel Bildungskarenz nachlesen.

Bildungsteilzeit

  • Während der Bildungsteilzeit erhalten ArbeitnehmerInnen vom AMS einen Fixsatz von 0,83 Euro (Stand 2020) für jede reduzierte Stunde der Wochenarbeitszeit, täglich.
  • Die Bildungsteilzeit muss mindestens vier Monate bis zu zwei Jahre in Anspruch genommen werden.
  • Es müssen mindestens 10 Wochenstunden oder eine vergleichbare zeitliche Belastung in Aus- und Weiterbildung investiert werden.
  • Der/die DienstnehmerIn muss die Arbeitszeit um mindestens 25 Prozent aber maximal um 50 Prozent reduzieren (10 Stunden müssen jedoch immer verbleiben und die Entlohnung muss über der Geringfügigkeitsgrenze liegen).

Info

Mehr zum Thema erfahren Sie im Artikel Bildungsteilzeit.

Schul- und Studienbeihilfe

Einige Gesundheitsberufe werden an öffentlichen oder mit Öffentlichkeitsrecht ausgestatteten Schulen, Universitäten oder Fachhochschulen gelehrt. SchülerInnen und Studierende mit sozialer Förderungswürdigkeit können finanziell unterstützt werden.

Info

Nähere Informationen zu den Modalitäten sowie Links und Downloads finden Sie in den Artikeln:

  • Förderungen für SchülerInnen
  • Förderungen für Studierende
  • Studienbeihilfe

Kursförderungen

Unter Umständen kann eine finanzielle Unterstützung für entstehende Kurskosten zur Verfügung stehen.
Die AK Niederösterreich bietet beispielsweise den "Bildungsbonus spezial" mit den Schwerpunkten Heimhilfe und Pflegeassistenz/ -fachassistenz an. 

Bildungsbonus-spezial

Mit dem "Bildungsbonus-spezial" der AK Niederösterreich wird jeweils für eine definierte Zeitspanne der Besuch klar festgelegter Bildungsmaßnahmen unterstützt. Die Inhalte richten sich nach bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Erfordernissen und gelten jeweils für eine Förderperiode.

Im Rahmen der dritten Förderperiode (1.9.2018 bis 31.8.2021) werden im Gesundheitsbereich die Schwerpunkte Heimhilfe und Pflegeassistenz/
-fachassistenz gefördert:

  • Voraussetzung für den Erhalt der Förderung ist die AK-Mitgliedschaft.
  • Der Antrag ist bis sechs Monate nach Kursabschluss (es gilt das Prüfungsdatum beziehungsweise das Kursende) zu stellen.
  • Die Kurskosten wurden selbst (privat) getragen.
  • Für alle Schwerpunkte wird ein Nachweis über die Einzahlung sowie über den erfolgreichen Kurs- beziehungsweise Schulbesuch und/oder das Abschlusszeugnis benötigt.

Schwerpunkt: Gesundheit – Heimhilfe:

  • Förderinhalt: Ausbildung zur Heimhilfe
  • Förderhöhe: 50 Prozent der Kurskosten bis 500 Euro

 

Schwerpunkt: Gesundheit – Pflegeassistenz/ -fachassistenz

  • Förderinhalt: Ausbildung zur Pflegeassistenz/ -fachassistenz
  • Förderhöhe: 50 Prozent der Kurskosten bis 600 Euro

 


INFO

Die Details zur Kurskostenförderung und der Antragstellung für den "Bildungsbonus-spezial" finden Sie auch im Artikel AK Bildungsförderungen.

NÖ Bildungsförderung

Kurskosten werden auch vom Land Niederösterreich gefördert, zum Beispiel mit der "NÖ Bildungsförderung" und dem Sonderprogramm "NÖ Weiterbildungsscheck". Die Richtlinien und Antragsformulare erhalten Sie auf der Website noe.gv.at.

Beratung

Die ExpertInnen der AK-Bildungsberatung stehen gerne für individuelle Beratung zur Verfügung. Sie sind telefonisch (05 7171/29000) oder per E-Mail  (bildungsberatung@aknoe.at) für Sie erreichbar!