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Bildungskarenz

Die Bildungskarenz ist ein Angebot für ArbeitnehmerInnen, sich zum Zweck einer Aus- oder  Weiterbildung für einen bestimmten Zeitraum von der Arbeit freistellen zu lassen, ohne dass das Dienstverhältnis aufgelöst werden muss.

Wer darf in Bildungskarenz gehen?

ArbeitnehmerInnen, auf deren Dienstverhältnis das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG) anwendbar ist, können eine Bildungskarenz vereinbaren, sofern das aktuelle Arbeitsverhältnis ununterbrochen seit mindestens sechs Monaten besteht.

Weitere Voraussetzungen:

Voraussetzung ist das Einverständnis des Arbeitgebers sowie die Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen auf Arbeitslosengeld. Die Bildungskarenz muss zwischen dem/der Beschäftigten und dem/der DienstgeberIn unter Rücksichtnahme auf ArbeitnehmerInnen- und Betriebsinteressen vereinbart werden. In Betrieben mit Betriebsrat ist dieser auf Verlangen des/der Arbeitnehmers/in zu den Verhandlungen über die Karenzierung beizuziehen. Die Inanspruchnahme einer Bildungskarenz ist auch für Saisonbeschäftigte möglich. In diesem Fall muss das aktuelle Arbeitsverhältnis seit mindestens drei Monaten bestehen und eine zumindest sechsmonatige Gesamtbeschäftigungsdauer zum aktuellen Dienstgeber (innerhalb der letzten vier Jahre vor Antritt der Bildungskarenz) nachgewiesen werden. Informationen, welche Berufe als Saisonberufe gelten, erhalten Sie beim AMS.

Achtung!

Öffentlich Bedienstete und neue Selbstständige sind von der in diesem Artikel beschriebenen Möglichkeit der Bildungskarenz grundsätzlich ausgenommen. Für öffentlich Bedienstete können aber gleichartige bundes- oder landesgesetzliche Bestimmungen bestehen, welche eventuell ähnliche Bildungsfreistellungen ermöglichen. Erkundigen Sie sich daher unbedingt bei Ihrer Personalvertretung oder in Ihrer Personalabteilung, ob eine Bildungskarenz möglich ist. 

Welche Weiterbildung muss ich vorweisen?

Den Besuch von Weiterbildungsmaßnahmen im Ausmaß von zumindest 20 Wochenstunden bzw. einer vergleichbaren zeitlichen Belastung. Für Personen mit Betreuungspflichten für Kinder unter 7 Jahren reduziert sich das wöchentliche Mindestausmaß der Weiterbildungsmaßnahme, sofern keine längere Betreuungsmöglichkeit besteht, auf 16 Wochenstunden. Umfasst die Weiterbildungsmaßnahme nur eine geringere Wochenstundenanzahl, so kann eine vergleichbare zeitliche Gesamtbelastung auch durch zusätzliche Lern- und Übungszeiten nachgewiesen werden. Bei manchen Bildungsmaßnahmen, wie z.B. beim Nachholen bestimmter formaler Bildungsabschlüsse oder eines Studiums, ist kein Stundennachweis erforderlich. Bei einem Studium ist jedoch ein Erfolgsnachweis zu erbringen (siehe unten). Holen Sie diesbezüglich eine Beratung beim AMS oder der AK Niederösterreich-Bildungsberatung unter 05 7171 27000 ein.

Wie lange kann man in Bildungskarenz gehen?

Die Bildungskarenz kann innerhalb einer sogenannten Rahmenfrist von vier Jahren für einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten bis längstens einem Jahr vereinbart werden.

ArbeitnehmerInnen können diese 12 Monate Bildungskarenz auf einmal oder in Teilen vereinbaren, wobei die Dauer eines Teiles mindestens 2 Monate betragen muss. Die oben genannte vierjährige Rahmenfrist beginnt mit dem Antritt der Bildungskarenz bzw. des ersten Teiles der Bildungskarenz zu laufen. Wenn also z.B. ein/e ArbeitnehmerIn innerhalb der Rahmenfrist 4 mal 3 Monate in Bildungskarenz war, kann er/sie erst 4 Jahre nach Beginn des ersten Teiles wiederum um Bildungskarenz ansuchen.

Wird das Dienstverhältnis während der Bildungskarenz vom Arbeitgeber durch eine Kündigung gelöst, besteht der Anspruch auf Weiterbildungsgeld für die Dauer der aktuell laufenden Bildungskarenz weiter. Eine Kündigung, die wegen einer beabsichtigten oder tatsächlichen Inanspruchnahme einer Bildungskarenz ausgesprochen wird (Motivkündigung), kann beim zuständigen Arbeits- und Sozialgericht angefochten werden. 

Achtung!

Das Weiterbildungsgeld kann nach einer einvernehmlichen Lösung des Dienstverhältnisses oder nach Beendigung durch den/die DienstnehmerIn nicht mehr weiter bezogen werden.

Wieviel Geld erhält man?

Während der Bildungskarenz erhalten ArbeitnehmerInnen vom Arbeitsmarktservice Weiterbildungsgeld in der Höhe des fiktiven Arbeitslosengeldes, jedenfalls aber in der Mindesthöhe des Kinderbetreuungsgeldes von dzt. 14,53 Euro täglich. Darüber hinaus dürfen karenzierte ArbeitnehmerInnen bis zur Höhe der Geringfügigkeitsgrenze von 415,72 Euro monatlich (Stand 2016) dazuverdienen.

TIPP

Auf der Internetseite http://ams.brz.gv.at/ams/alrech ist es möglich, die Höhe des Arbeitslosengeldes auszurechnen.

Muss ich einen Leistungsnachweis erbringen?

Studierende an Universitäten und Fachhochschulen müssen jeweils nach Semesterende einen Leistungsnachweis im Ausmaß von 4 Semesterwochenstunden bzw. 8 ECTS oder einen anderen geeigneten Erfolgsnachweis (Diplomprüfung, Fortschritt bei Diplomarbeit, Rigorosum,..) erbringen.

Kann ich nach einer Elternkarenz eine Bildungskarenz in Anspruch nehmen?

Für Personen in Elternkarenz wurde eine Übergangsregelung geschaffen: Sollte das Kind noch vor dem 1. Jänner 2017 geboren werden, ist ein direkter Wechsel von der Elternkarenz in eine Bildungskarenz oder -teilzeit möglich.

Wo kann man den Antrag stellen?

Der Antrag ist bei der jeweils zuständigen regionalen Geschäftsstelle des AMS zu stellen. Auf der Internetseite des AMS finden Sie auch Detailinformationen, Antragsformulare, Infoblätter und Bescheinigungen. 

Ansprüche und Auswirkungen

  • ArbeitnehmerInnen in Bildungskarenz sind unfall-, kranken- und pensionsversichert.
  • Durch die Inanspruchnahme der Bildungskarenz entsteht kein Kündigungsschutz.
  • Für die Zeit der Bildungskarenz besteht kein Anspruch auf Urlaub und auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. In dem Arbeitsjahr, in dem die Bildungskarenz absolviert wird, werden Urlaubs- und Weihnachtsgeld aliquot ausgezahlt.
  • Für Ansprüche, die sich nach der Dauer des Dienstverhältnisses richten (z.B. Kündigungsfrist, Urlaubsausmaß, Dauer der Entgeltfortzahlung, Abfertigung), bleibt die Zeit der Bildungskarenz außer Betracht.
  • Für die Dauer der Bildungskarenz werden Abfertigungsbeiträge („Abfertigung Neu“) in Höhe von 1,53 % des Weiterbildungsgeldes an die betriebliche Vorsorgekasse einbezahlt und aus Mitteln der Arbeitsmarktpolitik finanziert. Dem Arbeitgeber entstehen keine Kosten.

Was ist sonst noch wichtig?

  • Durch die Inanspruchnahme einer Bildungskarenz werden die Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung nicht verbraucht.
  • Fällt in die Zeit der Bildungskarenz eine Elternkarenz, ein Präsenz- oder Zivildienst, so endet die Bildungskarenz.

Alternative: Freistellung gegen Entfall des Arbeitsentgelts

  • Anstelle der Bildungskarenz haben ArbeitnehmerInnen auch die Möglichkeit, mit ihrem Dienstgeber eine Freistellung gegen Entfall des Arbeitsentgeltes zu vereinbaren. Diese muss mindestens sechs und darf höchstens zwölf Monate dauern.
  • Während dieser Zeit erhalten Karenzierte vom Arbeitsmarktservice Weiterbildungsgeld in der Höhe des fiktiven Arbeitslosengeldes, wenn das Unternehmen eine Ersatzarbeitskraft einstellt, die vorher Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezogen hat. Die Ersatzarbeitskraft muss mehr als geringfügig beschäftigt werden. Während der Freistellung dürfen Freigestellte keiner selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit über der Geringfügigkeitsgrenze nachgehen.
  • Der große Vorteil dieser Variante besteht darin, dass ArbeitnehmerInnen die Zeit der Freistellung völlig frei gestalten können.

Bildungskarenz, Bildungsteilzeit 

Ein Wechsel zwischen Bildungskarenz und Bildungsteilzeit ist grundsätzlich möglich. Aufgrund zahlreicher Sonderregelungen empfiehlt es sich jedoch, eine Beratung bei der AK Niederösterreich-Bildungsberatung oder eine Beratung seitens des AMS in Anspruch zu nehmen.


Förderungen für SchülerInnen

Für SchülerInnen kann es von verschiedenen Förderstellen Stipendien und Beihilfen geben.

Förderungen für GuKP-SchülerInnen

GuKP-SchülerInnen erhalten ein "Taschengeld". Doch dieses reicht oft nicht aus.

Förderungen für berufliche Bildung

Welche Förderungen gibt es für die berufliche Weiterbildung?

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