Eltern-Karenz

Die Elternkarenz beginnt nach Ende der Mutterschutzfrist (in der Regel Acht-Wochen-Frist nach der Geburt).

Video: Elternkarenz

Als Mutter oder Vater haben Sie den Anspruch darauf, Zeit mit Ihrem Kind zu verbringen. Arbeitgeber können die Karenz nicht verweigern. Wann die Elternkarenz beginnt und wie lange sie dauert, das erfahren Sie in diesem Video.


Die Karenz kann max. zweimal zwischen den Eltern geteilt werden. Ein Karenz­teil muss mindestens 2 Monate dauern. Die Karenzdauer muss dem Arbeit­geb­er schriftlich bekannt gegeben werden. Bitte beachten Sie die Meldefristen für die Elternkarenz!

Die arbeitsrechtlich durch Kündigungs- und Entlassungsschutz abgesicherte Karenz dauert maximal bis zum Tag vor dem 2. Geburtstag des Kindes. Wollen Sie darüber hinaus in Karenz gehen, ist eine schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber unbedingt erforderlich.

Während der Elternkarenz erhalten Sie keinen Lohn bzw. Gehalt. Sie erhalten in dieser Zeit jedoch Kinderbetreuungsgeld.

Zum Kinderbetreuungsgeld

Sie können zwischen dem ein­komm­ens­ab­hängig­en Kinderbetreuungsgeld und dem  Kinderbetreuungsgeldkonto wählen.

Einkommensabhängig Kinderbetreuungsgeld

  • Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld steht Ihnen bis zum 1. Geburtstag des Kindes zu.
  • Beziehen beide Elternteile Kinderbetreuungsgeld, so verlängert sich die Bezugsdauer um 61 Tage (Modell „12 plus 2).
  • Unabhängig davon kann die gesetzliche Karenz bis zum 2. Geburtstag des Kindes in Anspruch genommen werden.

Kinderbetreuungsgeldkonto 

  • Beim Kinderbetreuungsgeldkonto können Eltern selbst bestimmen, wie lange sie das Kinderbetreuungsgeld innerhalb eines Zeitrahmens beziehen möchten.
  • Die Gesamthöhe des Kinderbetreuungsgeldes ist für alle Eltern gleich und beträgt 12.366,20 Euro.
  • Nehmen beide Elternteile das Kinderbetreuungsgeld-Konto in Anspruch, liegt die Summe bei 15.449,28 Euro, wobei ein Betrag von 3.083,08 Euro unübertragbar dem zweiten Elternteil zusteht.
  • Eltern können somit die Bezugsdauer des Kinderbetreuungsgeldes an ihre Bedürfnisse oder an die arbeitsrechtliche Karenzdauer anpassen

Mögliche Bezugsdauer

  • Ein Elternteil kann das Kinderbetreuungsgeld bis zum 365. Tag ab der Ge­burt beziehen bzw. bis zum 851. Tag ab der Geburt (ca. 12 bzw. 28 Monate) verlängern.

  • Beide Elternteile können das KBG bis zum 456. Tag ab der Geburt beziehen bzw. bis zum 1063. Tag ab der Geburt (ca. 15 bzw. 35 Monate) verlängern.

Höhe
Das Kinderbetreuungsgeld beträgt je nach gewünschter Bezugsdauer zwisch­en 33,88 Euro bei der kürzesten und 14,53 bei der längsten Bezugsdauer.

Tipp

Mit dem Kontomodell können Sie die Bezugsdauer an die arbeits­recht­liche Karenzdauer anpassen. Wird die Karenz bis zum voll­end­et­en 2. Lebensjahr in Anspruch genommen, wären dies 730 Tage ab dem Tag der Geburt.

Welches Modell passt am besten zu meinen Bedürfnissen? Jetzt vergleichen mit dem Rechner des Familienministeriums.

Welche Möglichkeiten gibt es, um das Kind zu be­­treu­en?

  • Karenz
  • Karenzteilung zwischen Vater und Mutter
  • Überlappende Inanspruchnahme in der Dauer eines Monats anlässlich des Wechsels der Betreuung von einem Elternteil zum anderen
  • Aufgeschobene Karenz
  • Verhinderungskarenz
  • Elternteilzeit (Teilzeitarbeit)

Dauer der Karenz

Die Karenz beginnt frühestens im Anschluss an das Beschäftigungsverbot der Mutter nach der Geburt des Kindes (Schutzfrist) oder - bei Teilung der Karenz - im Anschluss an die Karenz der Mutter bzw. des Vaters. Sie endet nach der an­ge­meld­et­en (= vereinbarten) Dauer, spätestens mit dem vollendeten 24. Lebens­monat des Kindes.

Anspruch auf Karenz haben folgende Personengruppen

  • DienstnehmerInnen
  • HeimarbeiterInnen
  • Beamte und Vertragsbedienstete des Bundes und des Landes                   

Die Mutter bzw. der Vater muss dabei mit dem Kind im gemeinsamen Haus­halt leben.

Kein Anspruch auf Karenz

Für freie DienstnehmerInnen besteht kein Anspruch auf Karenz.

Kündigungs- und Entlassungsschutz

Während der Karenz bis zum Tag vor dem 1. Geburtstag des Kindes gelten die gleichen Kündigungsvorschriften wie während der Schutzfrist.

Nach dem 1. Geburtstag des Kindes kann Ihr Dienstgeber das Arbeits­ver­hält­nis nur dann kündigen, wenn zusätzlich zu den bestehenden Kündigungs- und Entlassungsschutzbestimmungen die Weiterbeschäftigung aus wirtschaftlichen und persönlichen Gründen nicht zumutbar ist. Für eine solche Kündigung be­nötigt der Dienstgeber die Zustimmung des Arbeits- und Sozialgerichts.

Gesetzliche Anrechnung der Karenz­zeiten für alle An­sprüche

Für Geburten ab 1. August 2019 werden Zeiten der Elternkarenz für Ansprüche, die sich nach der Dienstzeit beim selben Arbeitgeber richten voll berücksichtigt. Diese Vollanrechnung gilt zudem für jedes Kind. Zeiten aus früheren Dienstverhältnissen werden in dem Ausmaß berücksichtigt, die der Kollektivvertrag, oder eine etwaige Betriebs- oder Ein­zel­ver­ein­bar­ung vorsieht.

Was gilt für Geburten bis 31.7.2019?

Während der Karenz bleibt Ihr Dienstverhältnis grundsätzlich aufrecht. Arbeits­recht­lich zählt die Zeit jedoch nicht als Dienstzeit, sondern ist als so­ge­nannte neutrale Zeit zu werten. 

Für die Bemessung der Kündigungsfrist, für die Dauer der Entgeltfortzahlung im Krankenstand und für das Urlaubsausmaß werden höchstens 10 Monate der ersten Karenz im Arbeitsverhältnis angerechnet. Für weitere dienst­zeit­ab­häng­ige Ansprüche wie z.B. Gehaltsvorrückung oder Abfertigung werden Karenz­zeiten nicht mitgerechnet. Für andere von der Dienstzeit abhängige Ansprüche, wie z.B. Gehaltsvorrückungen im Gehaltssystem, wurden Zeiten einer Eltern­karenz nur dann berücksichtigt, wenn der Kollektivvertrag eine ent­sprechende Anrechnung vorsah.  

Achtung!

Wenn der Kollektivvertrag, eine etwaige Betriebs- oder Ein­zel­ver­ein­bar­ung eine günstigere Regelung vorsieht, so gilt diese.

Abfertigung Neu

Bei Dienstverhältnissen, die frühestens mit 1. Jänner 2003 begründet werden, oder bei bereits bestehenden Dienstverhältnissen, die in das neue Ab­fertig­ungs­system übernommen wurden, werden die Karenzzeiten berücksichtigt.

Kranken- und Pensionsversicherung

Während des Bezuges von Kinderbetreuungsgeld besteht ein Krank­en­ver­sich­er­ungs­schutz. Als Beitragsmonate in der Pensionsversicherung gelten höch­stens 48 Kalendermonate je Kind, gezählt ab dem Monat der Geburt, wenn Wochen- und Kinderbetreuungsgeld bezogen wird.

Kindererziehungszeiten

Unter Kindererziehungszeiten versteht man Beitragszeiten in der Pensions­ver­sich­er­ung, die einer/m Versicherten im Ausmaß von höchsten 48 Kalender­monat­en, gezählt ab der Geburt des Kindes, angerechnet werden, wenn sie/er das Kind tatsächlich und überwiegend erzogen hat.

Anspruch auf Sonderzahlungen

Sonderzahlungen (Urlaubszuschuss, Weihnachtsremuneration) erhalten Sie nur anteilig - das heißt in dem Ausmaß, das dem Teil des Kalenderjahres ent­spricht, in den keine Wochengeldbezugs- und Karenzzeiten fallen.

Vorzeitiges Ende der Karenz

Wenn das Kinder nicht mehr mit dem in Karenz befindlichen Elternteil im gleic­hen Haushalt lebt, ist das dem Dienstgeber sofort zu melden. Sollte Sie der Dienst­geb­er daraufhin nicht beschäftigten, bleibt die ursprüngliche Karenz­ver­ein­bar­ung aufrecht. Nur wenn Ihr Dienstgeber es verlangt, müssen Sie Ihren Dienst wieder antreten.

Folgende Umstände sind dabei anzugeben:

  • gemeinsamer Haushalt mit dem Kind und
  • dass die Mutter nicht gleichzeitig Karenz in Anspruch nimmt (außer Vater und Mutter nehmen 1 Monat gemeinsam Karenz)

Bildungschancen in der Karenz

Wie geht’s weiter nach der Karenz? Müssen oder wollen Sie nach der Karenz­zeit Ihren Beruf wechseln? Wir haben ein paar Tipps für Sie zusammen gestellt.

  • Ich möchte in meiner Firma bleiben:
    Dann sollten Sie unbedingt mit Ihrem Chef und Ihren KollegInnen auch währ­end der Karenz Kontakt halten. Nur so bleiben Sie über aktuelle Ent­wick­lung­en auf dem Laufenden und können sich darauf einstellen. Wollen Sie sich während der Karenz beruflich weiterbilden, fragen Sie, ob die Firma Ihnen eine Ausbildung zahlt oder etwas dazu beisteuert.
                                   
  • Ich möchte den Beruf wechseln:
    Wenn Sie Ihren Job wechseln wollen oder müssen, dann überlegen Sie, welche Fertigkeiten Ihre Berufszufriedenheit steigern würden, was Ihnen Freude macht und was Sie besonders gut können. So können Sie leichter ein neues Berufsziel für sich bestimmen und schauen, welche zusätzliche Aus­bild­ung Sie dafür brauchen. Prüfen Sie, wie realistisch eine Umschulung ist und wie Sie sie finanzieren können.

Wird durch Karenz Ihr Urlaub verkürzt?

Fallen in das jeweilige Dienstjahr Zeiten einer Karenz, so haben Sie nur ali­quot­en Urlaubsanspruch - das heißt, nur in dem Ausmaß, das dem um die Dauer der Karenz verkürzten Dienstjahr entspricht. Zu dieser gesetzlichen Ur­laubs­ali­quot­ier­ung des bei Karenzantritt bestehenden Urlaubes aus dem laufenden Ur­laubsjahr kommt es jedoch nur dann, wenn Sie den Urlaub nicht schon vor Antritt der Karenz verbraucht haben.

Hätten Sie's gewusst? 

Auch während der Zeiten des Beschäftigungsverbotes („Mutterschutz“) entsteht ein Urlaubsanspruch, welchen Sie im Anschluss an das Beschäftigungsverbot oder nach der Karenz konsumieren können.