Allein- und Getrennterziehende fühlen sich massiv belastet
Sie erleben Zeitdruck, finanzielle Sorgen und Diskriminierung im Job und Alltag - zeigt eine Umfrage der AK Niederösterreich.
Knapp 14 % aller Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind in Niederösterreich sind Ein-Eltern-Familien. Eine umfassende Umfrage der AK Niederösterreich beleuchtet nun die Lebensrealitäten von Allein- und Getrennterziehenden.
Die Ergebnisse zeigen ein alarmierendes Bild: Viele Betroffene besitzen keinerlei Unterstützungsnetzwerk, auf das sie sich verlassen können. Sie erleben im Alltag massiven Zeitdruck, finanzielle Sorgen und Diskriminierung im Job.
Die AK Niederösterreich fordert daher ein umfassendes Maßnahmenpaket und mehr Partnerschaftlichkeit.
Die Frage „Wie allein fühlen sich Alleinerziehende?“ lässt sich anhand der Daten klar beantworten: Die Mehrheit wird nicht in ausreichendem Ausmaß unterstützt.
Umso wichtiger ist für Allein- und Getrennterziehende ein gutes, flexibles und leistbares Angebot an Kinderbildung und -betreuung. Die Realität in Niederösterreich sorgt jedoch für große Unzufriedenheit. Laut AK-Erhebung kostet eine vollzeittaugliche Nachmittagsbetreuung im Kindergarten inklusive Mittagessen in Niederösterreich im Schnitt 217 Euro pro Monat.
Das Problem: Ein Großteil des mühsam erarbeiteten Einkommenszugewinns durch eine Aufstockung der Arbeitszeit wird direkt von den Betreuungskosten geschluckt.
Eine betroffene Mutter schildert das Problem in den offenen Antworten drastisch: „Ich wohne ländlich und bei uns geht die Nachmittagsbetreuung nur bis 15 Uhr unter der Woche und freitags nur bis 13 Uhr. Ich darf dafür ca. 250 € im Monat bezahlen und das ohne Mittagessen. Ich verstehe nicht, warum man in NÖ alleinerziehende Mütter und Väter nicht viel mehr unterstützt?!“
Allein- und Getrennterziehende weisen eine sehr hohe Erwerbsbeteiligung auf: Mehr als 8 von 10 der Befragten sind unselbstständig beschäftigt, die Mehrheit davon in hoher Teilzeit oder Vollzeit. Getrennterziehende arbeiten dabei im Schnitt noch häufiger und in einem höheren Stundenausmaß.
Neben dem eigenen Erwerbseinkommen sind vor allem die Familienbeihilfe und der Kindesunterhalt wesentliche Bestandteile des Haushaltseinkommens. Der Geldunterhalt bzw. Unterhaltsvorschuss beträgt im Schnitt 306 Euro pro Monat und Kind. Auffällig ist, dass die Befragten mehr als doppelt so häufig wie der Durchschnitt aller Familien eine erhöhte Familienbeihilfe für Kinder mit erheblicher Beeinträchtigung beziehen. 15 % erhalten zudem finanzielle Zuschüsse von Familie oder Freunden (im Schnitt 306 Euro pro Monat).
Der Alltag ist von Diskriminierungserfahrungen geprägt. Viele Befragte berichten von Benachteiligungen aufgrund ihres Familienstatus, sei es direkt beim Bewerbungsgespräch, beim beruflichen Aufstieg oder durch abfällige Kommentare von Kolleg:innen und Vorgesetzten.
Die Hürden enden nicht am Arbeitsplatz: Auch bei der Wohnungssuche erleben Ein-Eltern-Mütter und -Väter massive Nachteile. Hinzu kommen abwertende Kommentare von Behörden oder aus dem persönlichen Umfeld. Alleinerziehende und Befragte mit niedrigerer formaler Bildung berichten häufiger von subjektiv erlebten Benachteiligungen als Getrennterziehende und Menschen mit höherer formaler Bildung.
Die Mehrheit der Befragten fühlt sich in mindestens einem abgefragten Bereich (darunter Zeitdruck, Überforderung, Geldsorgen oder soziale Isolation) häufig bis sehr häufig belastet. Der Zeitdruck ist dabei der größte Belastungsfaktor: 90 Prozent leiden darunter (70 % sehr häufig, 20 % häufig).
Die Daten zeigen aber auch Entlastungseffekte: Ein Unterstützungsnetzwerk aus Familie, Freund:innen oder Partner:innen reduziert die Last spürbar. So sind Getrennterziehende nachweislich weniger belastet als Alleinerziehende. Auch ein eigenes Erwerbseinkommen hilft: Es verringert vor allem finanzielle Ängste und Isolation, führt im Alltag jedoch zu noch häufigerem Zeitdruck.
Jene rund 5 % der Befragten, die sich die Erziehungs- und Sorgearbeit zu gleichen Teilen aufteilen („Getrennterziehende“), sind deutlich weniger belastet. Sie sind häufiger und in höherem Stundenausmaß erwerbstätig, erleben seltener Benachteiligungen und sind zufriedener mit der Kooperation der Eltern. Eine faire Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit macht ein späteres gemeinsames Getrennterziehen auf Augenhöhe messbar wahrscheinlicher.
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