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1. Oktober 2026

AK NÖ-Umfrage: Wie allein fühlen sich Alleinerziehende?

Knapp 14 % aller Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind in Niederösterreich sind Ein-Eltern-Familien. Eine umfassende Umfrage der AK Niederösterreich beleuchtet nun die Lebensrealitäten von Allein- und Getrennterziehenden.

Die Ergebnisse zeigen ein alarmierendes Bild: Viele Betroffene besitzen keinerlei Unterstützungsnetzwerk, auf das sie sich verlassen können. Sie erleben im Alltag massiven Zeitdruck, finanzielle Sorgen und Diskriminierung im Job.

Die AK Niederösterreich fordert daher ein umfassendes Maßnahmenpaket und mehr Partnerschaftlichkeit.

Analyse: Wie allein fühlen sich Alleinerziehende?

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Die Umfrage auf einen Blick

  • Große Datenbasis: 2.732 vollständige Fragebögen wurden ausgewertet (Großteil aus Niederösterreich).
  • Fehlendes Netz: Rund 60 % können sich auf keinerlei Unterstützungsnetzwerk verlassen.
  • Kinderbetreuung als Hürde: Hohe Kosten schlucken den finanziellen Vorteil einer Arbeitszeitaufstockung.
  • Hohe Erwerbsbeteiligung: Mehr als 8 von 10 Befragten sind erwerbstätig. Ein Viertel würde gerne mehr Stunden arbeiten, scheitert aber an den Rahmenbedingungen.
  • Potential von Partnerschaftlichkeit: Die rund 5 % der Getrennterziehenden, die sich die Sorgearbeit fair teilen, sind deutlich weniger belastet, arbeiten in höherem Stundenausmaß und erfahren seltener Benachteiligung.
  • Hohe Belastung: 90 % der Befragten fühlen sich häufig oder sehr häufig belastet.

Wer wurde befragt?

  • Alleinerziehende (94,6 % der Befragten): Mütter und Väter, die die Erziehungsverantwortung (größtenteils) für ihr minderjähriges Kind oder ihre minderjährigen Kinder allein tragen.
  • Getrennterziehende (5,4 % der Befragten): Mütter und Väter, die sich die Erziehung und Betreuung ihrer minderjährigen Kinder zu annähernd gleichen Teilen (mind. 40:60) mit dem getrenntlebenden Elternteil teilen (z. B. im Rahmen eines Wechselmodells/ Doppelresidenz).

Rund 60 Prozent haben kein Unterstützungsnetzwerk

Die Frage „Wie allein fühlen sich Alleinerziehende?“ lässt sich anhand der Daten klar beantworten: Die Mehrheit wird nicht in ausreichendem Ausmaß unterstützt.

  • 60 % haben keinerlei Unterstützungsnetzwerk, auf das sie dauerhaft bauen können.
  • 18,2 % erhalten Hilfe durch Familie oder Freunde.
  • 14,1 % bekommen Unterstützung vom zweiten Elternteil (jedoch nicht im gleichwertigen Ausmaß).
  • 5,4 % erleben eine Unterstützung im gleichwertigen Ausmaß durch den zweiten Elternteil (= Getrennterziehende).
  • 2,4 % werden durch eine neue Partnerperson unterstützt.
Alleinerziehende: Befragte nach vorhandenem Unterstützungsnetzwerk einfügen
Tortengrafik zur Situation von Alleinerziehende: Prozent-Angabe der Befragten nach vorhandenem Unterstützungsnetzwerk einfügen © AK Niederösterreich,


Hohe Kinderbetreuungskosten sorgen für Unzufriedenheit

Umso wichtiger ist für Allein- und Getrennterziehende ein gutes, flexibles und leistbares Angebot an Kinderbildung und -betreuung. Die Realität in Niederösterreich sorgt jedoch für große Unzufriedenheit. Laut AK-Erhebung kostet eine vollzeittaugliche Nachmittagsbetreuung im Kindergarten inklusive Mittagessen in Niederösterreich im Schnitt 217 Euro pro Monat.

Das Problem: Ein Großteil des mühsam erarbeiteten Einkommenszugewinns durch eine Aufstockung der Arbeitszeit wird direkt von den Betreuungskosten geschluckt.

Eine betroffene Mutter schildert das Problem in den offenen Antworten drastisch: „Ich wohne ländlich und bei uns geht die Nachmittagsbetreuung nur bis 15 Uhr unter der Woche und freitags nur bis 13 Uhr. Ich darf dafür ca. 250 € im Monat bezahlen und das ohne Mittagessen. Ich verstehe nicht, warum man in NÖ alleinerziehende Mütter und Väter nicht viel mehr unterstützt?!“

Hohe Erwerbsbeteiligung: 8 von 10 Befragten stehen im Berufsleben

Allein- und Getrennterziehende weisen eine sehr hohe Erwerbsbeteiligung auf: Mehr als 8 von 10 der Befragten sind unselbstständig beschäftigt, die Mehrheit davon in hoher Teilzeit oder Vollzeit. Getrennterziehende arbeiten dabei im Schnitt noch häufiger und in einem höheren Stundenausmaß.

  • Wunsch nach Aufstockung: Rund ein Viertel der Beschäftigten würde die Arbeitszeit gerne erhöhen, scheitert aber an den Rahmenbedingungen.
  • Die wichtigsten Hebel für mehr Stunden: Ein deutlich besserer Verdienst, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Optionen sowie kostengünstige Kinderbetreuung.

Neben dem eigenen Erwerbseinkommen sind vor allem die Familienbeihilfe und der Kindesunterhalt wesentliche Bestandteile des Haushaltseinkommens. Der Geldunterhalt bzw. Unterhaltsvorschuss beträgt im Schnitt 306 Euro pro Monat und Kind. Auffällig ist, dass die Befragten mehr als doppelt so häufig wie der Durchschnitt aller Familien eine erhöhte Familienbeihilfe für Kinder mit erheblicher Beeinträchtigung beziehen. 15 % erhalten zudem finanzielle Zuschüsse von Familie oder Freunden (im Schnitt 306 Euro pro Monat).

Umfrage Alleinerziehende: Angegebene Bestandteile des Haushaltseinkommens
Tabelle mit Balkendiagramm: Alleinerziehende - Angabe Bestandsteile des Haushaltseinkommen © AK Niederösterreich,


Systemische Benachteiligung aufgrund des Familienstatus

Der Alltag ist von Diskriminierungserfahrungen geprägt. Viele Befragte berichten von Benachteiligungen aufgrund ihres Familienstatus, sei es direkt beim Bewerbungsgespräch, beim beruflichen Aufstieg oder durch abfällige Kommentare von Kolleg:innen und Vorgesetzten.

Die Hürden enden nicht am Arbeitsplatz: Auch bei der Wohnungssuche erleben Ein-Eltern-Mütter und -Väter massive Nachteile. Hinzu kommen abwertende Kommentare von Behörden oder aus dem persönlichen Umfeld. Alleinerziehende und Befragte mit niedrigerer formaler Bildung berichten häufiger von subjektiv erlebten Benachteiligungen als Getrennterziehende und Menschen mit höherer formaler Bildung.

Alleinerziehende: Erlebte Nachteile
Balkendiagram zu: Alleinerziehende: Erlebte Nachteile mit dem Status als Allein- bzw. Getrennterziehender © AK Niederösterreich,


Enorme Belastung und finanzielle Ängste

Die Mehrheit der Befragten fühlt sich in mindestens einem abgefragten Bereich (darunter Zeitdruck, Überforderung, Geldsorgen oder soziale Isolation) häufig bis sehr häufig belastet. Der Zeitdruck ist dabei der größte Belastungsfaktor: 90 Prozent leiden darunter (70 % sehr häufig, 20 % häufig).

Die Daten zeigen aber auch Entlastungseffekte: Ein Unterstützungsnetzwerk aus Familie, Freund:innen oder Partner:innen reduziert die Last spürbar. So sind Getrennterziehende nachweislich weniger belastet als Alleinerziehende. Auch ein eigenes Erwerbseinkommen hilft: Es verringert vor allem finanzielle Ängste und Isolation, führt im Alltag jedoch zu noch häufigerem Zeitdruck.

Allererziehende: Belastungsdimensionen nach angegebener Häufigkeit
Balkendiagram in Prozentzahlen: Allererziehende: Belastungsdimensionen nach angegebener Häufigkeit © AK Niederösterreich,


Potenzial von Partnerschaftlichkeit

Jene rund 5 % der Befragten, die sich die Erziehungs- und Sorgearbeit zu gleichen Teilen aufteilen („Getrennterziehende“), sind deutlich weniger belastet. Sie sind häufiger und in höherem Stundenausmaß erwerbstätig, erleben seltener Benachteiligungen und sind zufriedener mit der Kooperation der Eltern. Eine faire Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit macht ein späteres gemeinsames Getrennterziehen auf Augenhöhe messbar wahrscheinlicher.


Kontakt

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AK-Platz 1
3100 St. Pölten

Telefon: +43 5 7171
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