6.3.2013

Menschenrecht auf barrierefreies Arbeiten umsetzen

Gastreferat von Menschenrechtsexpertin Marianne Schulze beim NÖ ArbeitnehmerInnen-Parlament

Die Menschenrechtsexpertin Marianne Schulze setzte sich in ihrem Gastvortrag kritisch mit den Beschäftigungsverhältnissen und Barrieren von Menschen mit Behinderung auseinander. Sie appellierte, mit Offenheit auf Menschen mit Behinderung zuzugehen und sie bei ihrer individuellen Entwicklung dort zu unterstützen, wo sie Unterstützung brauchen. Die Situation von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt sei jedenfalls noch nicht zufriedenstellend.

Bildung zentraler Schlüssel zum Recht auf Arbeit

Menschen mit Behinderung müssen besondere Hürden überwinden. Diese beginnen schon in der Schulzeit. „Sie werden oft in Sonderschulen ausgebildet und somit vom mainstream separiert. Dann haben sie nur bis zur neunten Schulstufe die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Für eine Schulbildung darüber hinaus bedarf es einer individuellen Sondergenehmigung“, so die Expertin.

Fünf Dimensionen der Barrierefreiheit

Die Gastreferentin ging bei ihrem Vortrag auf fünf Dimensionen ein, die zur Barrierefreiheit für behinderte Menschen führen. Die soziale Barrierefreiheit könne umgesetzt werden, wenn Vorurteile gegenüber behinderten Menschen endlich abgebaut würden. Die kommunikative Barrierefreiheit werde erreicht, wenn Menschen mit Behinderung Zugang zu Kommunikationsmitteln bekommen, die sie individuell benötigen. Die intellektuelle Barrierefreiheit mache erforderlich, dass Gesetzestexte und so formuliert werden, dass alle Menschen sie verstehen und wissen, was ihre Rechte sind. Die physische Barrierefreiheit sieht vor, Barrieren durch Rampen, Aufzüge und andere Einrichtungen flächendeckend abzuschaffen. Besonders betonte die Gastreferentin die ökonomische Barrierefreiheit. Menschen mit Behinderung würden durch die frühe Trennung in der Schule und später im Berufsleben auch strukturell marginalisiert. Vielfach können sie nicht selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen und sind finanziell völlig abhängig von ihrer Familie. Derzeit würden zwischen 19.000 und 20.000 Menschen in „Beschäftigungstherapie“ sein. Darüber hinaus sei die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderung doppelt so hoch wie jene der Menschen ohne Behinderung. Daher sei es besonders wichtig, die Weichen für inklusives Arbeiten zu stellen. „Inklusives Arbeiten bedeutet, dass es keine separaten Beschäftigungsformen mehr gibt, sondern behinderte Menschen in der gesellschaftlichen Mitte aufgenommen werden“, sagt Schulze.

Recht auf persönliche Assistenz

Das Recht zur Bereitstellung einer persönlichen Assistenz für Menschen mit Behinderung wäre ein wichtiger Schritt zur Barrierefreiheit. „Wir müssen schauen, welchen Unterstützungsbedarf die Menschen haben und wir brauchen dringend Übergangsphasen, um von Beschäftigungstherapien und Werkstätten hin zum inklusiven, barrierefreien Arbeiten zu kommen“, betont die Expertin.