AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser
© Georges Schneider
19.10.2026

AKNÖ-Wieser: Startschuss für neue Initiative: Gesundheit stärken – von Anfang an, ein Leben lang

Gesundheitsförderung und Prävention entlang des Lebenslaufes verstärkt im Fokus.

„Gesundheit stärken – von Anfang an, ein Leben lang". - Unter diesem Credo werden Arbeiterkammer Niederösterreich und der ÖGB Niederösterreich das Thema Gesundheitsförderung und Prävention entlang des Lebenslaufes – von der Familie über Kindergarten und Schule bis in den Betrieb – mit einer neuen Initiative zum Schwerpunkt machen.

„Das Motto wurde bewusst gewählt, denn es beschreibt genau das, worum es der Arbeiterkammer Niederösterreich und dem ÖGB Niederösterreich in dieser Initiative geht. Das Dialogforum heute bildet den Startschuss zu einer neuen und besonderen Initiative der Arbeiterkammer Niederösterreich“, so AK Niederösterreich Präsident und ÖGB Niederösterreich Vorsitzender Markus Wieser am Montag in St. Pölten.

„Ein Kind, das heute geboren wird, wird, wenn alles seinen normalen Verlauf nimmt, neunzig Jahre alt. Es wird einen Kindergarten besuchen, eine Schule, eine Lehre oder ein Studium, und danach jahrzehntelang arbeiten und anschließend in den wohlverdienten Ruhestand treten. Deshalb brauchen wir eine lückenlose, altersbegleitende Gesundheitsvorsorge – von der Schwangerschaft bis ins junge Erwachsenenalter", so Wieser. „Familie, Kindergarten, Schule und Betrieb: Jede einzelne dieser vier Stationen beeinflusst die Gesundheit. Und an jeder einzelnen Station könnten wir als Gesellschaft die Gesundheit unterstützen und fördern, wenn wir es nur konsequent täten. Denn Gesundheitsversorgung ist nicht als Reparaturbetrieb zu denken, sondern als etwas, das von der Schwangerschaft über die Jugend, das Erwerbsleben bis hin zur Pension durchgehend begleitet, gefördert und geschützt werden muss. Die Expertise liegt längst auf dem Tisch. Wir müssen sie nicht neu erfinden, wir müssen sie umsetzen", so Wieser.

„Es fehlt an Koordination. Kinder- und Jugendgesundheit, aber auch Arbeitsmedizin, sind Querschnittsmaterien. Wir brauchen ein echtes Zusammenwirken von Ministerien, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern statt Parallelstrukturen und Zuständigkeits-Wirrwarr. Und es fehlen Daten. Was nicht gemessen wird, kann auch nicht gesteuert werden – das gilt für Stoffwechselerkankungen unserer Kinder genauso wie für die psychischen Belastungen in der Arbeitswelt. Es fehlt auch an verbindlicher, dauerhafter Prävention statt befristeter Projekte. Gesundheitsförderung darf kein Lippenbekenntnis sein. Und vielleicht das Wichtigste: Es fehlt an Multiprofessionalität. Ärztinnen und Ärzte allein können die Aufgabe nicht stemmen – wir brauchen Psychologinnen, Sozialarbeiter, Pflegekräfte, Ergotherapeutinnen, School-Nurses, Arbeits- und Organisationspsychologen, die gemeinsam dort arbeiten, wo Menschen tatsächlich sind: im Kindergarten, in der Schule und im Betrieb. Deshalb, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist klar: Die Arbeiterkammer Niederösterreich und der ÖGB Niederösterreich wird das Thema Gesundheitsförderung und Prävention entlang des Lebenslaufes – von der Familie über Kindergarten und Schule bis in den Betrieb – in Form einer Initiative umsetzen. Wir laden alle ein – Sozialversicherung, Länder und Gemeinden, Ärztekammer, Wissenschaft und Sozialpartner –, diesen Weg mit uns gemeinsam zu gehen. Denn keine Institution kann die Familie, den Kindergarten, die Schule und den Betrieb alleine zu Orten der Gesundheit machen. Aber gemeinsam können wir es schon", so Wieser abschließend.

Expert:innen informierten in Impulsreferaten und bei Podiumsdiskussion

Nach einer Grußbotschaft der Sozial- und Gesundheitsministerin Korinna Schumann gab beim Dialogforum „Gesundheit von Anfang an – ein Leben lang“   der AK Niederösterreich die Netzwerkmanagerin Frühe Hilfe NÖ-Süd-Ost, Mag.a Agnes Berger-Stelzl ein Impulsreferat.

Gesundheit entsteht nicht erst im Erwachsenenalter, sondern wird von Anfang an geprägt. Schwangerschaft, frühe Kindheit, die Beziehung zwischen Eltern und Kind sowie die sozialen und familiären Lebensbedingungen haben wesentlichen Einfluss auf de weitere Entwicklung und die Gesundheitschancen eines Menschen“, so Berger-Stelzl.

Die Frühe Hilfe setzt genau hier an. Sie unterstützen werdende Eltern und Familien mit Kindern bis zum dritten Geburtstag des jüngsten Kindes in unterschiedlichen Belastungen. Das Angebot ist kostenlos, vertraulich und freiwillig, so Berger-Stelzl.

„Psychische Gesundheit von jungen Arbeitnehmer:innen stärken“. Unter diesem Titel lief das Impulsreferat von Joelle Wallérus MSc, Psychologin an der Kinder- und Jugendpsychologie, MedUni, Wien.

Psychische Belastungen, insbesondere Depressionen und Angststörungen, stellen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine wichtige Herausforderung dar. Das Projekt JUST HELP schult Vertrauenspersonen und engagierte Lehrlinge in Ausbildungsbetrieben, damit sie psychische Probleme frühzeitig erkennen, Betroffene ansprechen und passende Unterstützungsangebote vermitteln können. Erste Ergebnisse zeigen ein verbessertes Wissen über psychische Gesundheit, weniger stigmatisierende Einstellungen und mehr Handlungssicherheit, so Berger-Stelzl.

Dr.in Eva Höltl, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Leiterin des Gesundheitszentrums der Erste Bank, beschäftigte sich in ihrem Beitrag beim Dialogforum „Gesundheit von Anfang an – ein Leben lang“ mit neuen Wegen in der Arbeitsmedizin und der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Im Mittelpunkt steht der Setting-Ansatz. Gesundheit soll nicht ausschließlich durch Informationen und Empfehlungen an einzelne Personen gefördert werden. Vielmehr sollen auch die Arbeitsbedingungen, die Unternehmenskultur und das soziale Umfeld so gestaltet werden, dass sie die Gesundheit der Beschäftigten unterstützen, so Höltl.

Das Dialogforum wurde mit einem Diskussionsforum mit Expert:innen fortgesetzt. Angela Fischer, Vizepräsidentin der AK Niederösterreich, Mag.a Karin Hofer, MBA, Leiterin des Fachbereichs Gesundheitsförderung, Prävention und Public Health in der ÖGK, sowie Dr.in Eva Höltl, Mag. Christian Kickinger, Geschäftsführer des Arbeits- und Sozialmedizinischen Zentrums Mödling GmbH und Dr. Christoph Remtisch, MSC, Arbeitsmediziner und Betriebsarzt, Leiter des Referats Arbeits- und Umweltmedizin in der Ärztekammer Niederösterreich besprachen die Frage „wie können wir die Gesundheit von Arbeitnehmer:innen nachhaltig stärken?“ 

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