8.8.2017

Vier Monate Praktikum in der Gastronomie: Mit 200 Euro „abgespeist“

Nicht über den Tisch ziehen lassen wollte sich eine St. Pöltner Schülerin. Mehr als vier Monate der im Lehrplan vorgeschriebenen Pflichtpraktika absolvierte sie in einem Gastronomiebetrieb und wurde mit insgesamt nur 200 Euro abgespeist. „Durch unser Einschreiten wurden der jungen Frau vor Gericht fast 3.400 Euro zugesprochen“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.

Eine solide Ausbildung, einen guten Job, faire Bezahlung – das wünschte sich eine junge St. Pöltnerin, als sie sich zum Besuch einer berufsbildenden höheren Schule entschloss. Im Lehrplan vorgesehen waren auch Pflichtpraktika, die die Schülerin zum Teil in einem Gastronomiebetrieb absolvierte. Der Lohn für über vier Monate Arbeit war allerdings mehr als bescheiden – einmalig 200 Euro erhielt sie dafür.  Höchste Zeit für den Weg zur AK Niederösterreich.

„Für die Bezahlung von Pflichtpraktika in der Gastronomie gelten die Bestimmungen des Kollektivvertrages“, sagt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. Für die Schülerin bedeutet das: Ihr steht Lohn in Höhe der Lehrlingsentschädigung zu. Die Experten der AK Niederösterreich rechneten nach und es zeigte sich: Der Anspruch belief sich auf fast 3.400 Euro. Der Arbeitgeber aber reagierte auf die Forderung völlig uneinsichtig – nämlich gar nicht. Erst der Weg vor Gericht brachte der jungen Frau ihr fleißig erarbeitetes Geld.

Unterscheidung zwischen Pflichtpraktikum und Ferialjob

Grundsätzlich wird zwischen dem Pflichtpraktikum, das im Lehrplan vieler Schulen vorgeschrieben ist, und dem Ferialjob unterschieden. Während der Ferialjob in erster Linie dazu dient, Geld zu verdienen, ist der Zweck des Praktikums, für die Ausbildung relevante berufliche Erfahrung zu sammeln. „Bei Unklarheiten helfen unsere Expertinnen und Experten gerne und informieren umfassend“, sagt Wieser.