23.3.2018

Pensionist (81) über verlustreiche Lebensversicherung verärgert

Mit einem besonders verlustreichen Finanzgeschäft ist Erich M. aus dem Bezirk Gänserndorf konfrontiert. Der rüstige Pensionist hat vor zehn Jahren eine fondsgebundene Lebensversicherung mit Kapitalgarantie im Falle des Ablebens abgeschlossen und 4.000 Euro eingezahlt. Nun wollte der 81-Jährige das Geld entnehmen. "Von der ursprünglichen Summe sind gerade noch 551,59 Euro übrig, also weniger als 15 Prozent", so Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, an die sich der 81-Jährige gewandt hatte. Argument der Versicherung: hohe Risikokosten, weil der Veranlager bei Vertragsabschluss bereits über 70 Jahre alt war. Die AK Niederösterreich hilft dem Pensionisten, um eine bestmögliche Lösung zu finden.

Die Vorgeschichte ist durchaus nicht alltäglich: Herr M. hatte seine bestehende Begräbniskostenversicherung zurückgekauft hat, weil er sich entschied, seinen Körper nach dem Ableben der Medizin zur Verfügung zu stellen. Dieses Geld, 4000 Euro, wollte er sicher investieren. Der Versicherungsberater empfahl ihm daraufhin eine Veranlagung, eine fondsgebundene Lebensversicherung. Herr M. schloss den Vertrag ab, zahlte 4000 Euro ein und wollte das Geld nun - zehn Jahre später - entnehmen. Doch als das Angebot von der Versicherung kam, traf ihn ein Schock. Der Wert belief sich auf 551,59 Euro. Ein wenig Verlust habe er zwar erwartet, aber diese Summe sprengte jedwede Vorstellung, so M.

Achtung, Kostenbelastung

Das Problem: Je kürzer die Laufzeit einer fondsgebundenen Lebensversicherung, desto mehr drücken Spesen und Steuer die Rendite. Es ist daher besonders fragwürdig, einem 71-Jährigen so ein Produkt zu verkaufen, wo davon auszugehen ist, dass die Versicherungslaufzeit wohl keine 40 Jahre betragen wird. Auch die "Performance" der Fonds dürfte unter den Erwartungen geblieben sein. Fazit der AK-Experten: ein falsches Produkt und eine falsche Ausgestaltung.
Anderen soll solch ein Ärger erspart bleiben. "Es ist wichtig, die Menschen auf die geltende Gesetzeslage und Transparenz hinzuweisen. Verpflichtend sind die Angaben von Modellrechnungswerten mit 0-prozentiger Wertentwicklung in den Vertragsunterlagen, um die Kosten für die Konsumenten transparent werden zu lassen", sagt AK-Experte Manfred Neubauer. Das war eine langjährige Forderung der AK und ist eine zentrale Information für den Kunden, der dann einen Überblick hat, wie viel Geld in den Sparanteil fließt und wie viel das Produkt kostet.

Beispiel

Prämie: 100 Euro
Steuer: 4 Euro
Risiko: 10 Euro 
Vermittlungs- und Verwaltungskosten: 15 Euro
Das ergibt einen Sparanteil von 71 Euro (und auch 71 Prozent).

Die Kosten betragen 29 Euro (29 Prozent).

Das schafft Transparenz und gibt dem Kunden eine wichtige Entscheidungsgrundlage.

Im Fall von Erich M. wird von der AK Niederösterreich aktuell mit der Versicherung verhandelt, um zu einer Lösung zu kommen. Die AK Niederösterreich geht von Nachbesserungen aus, die sich zugunsten von Herrn M. auswirken. "Rückblickend hätte ich die 4.000 Euro vor zehn Jahren nehmen und auf den Kopf hauen sollen", so der 81-jährige Pensionist.

Kontakt

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