22.8.2017
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Arbeitsrecht Halbjahresbilanz 2017 - Bezirk Wr. Neustadt

Auch in finanziell besser gestellten Haushalten spart man gerne. Zwei Familien aus dem Bezirk Wiener Neustadt taten das freilich auf dem Rücken ihrer Mitarbeiterinnen. In dem Fall von Arbeitnehmerinnen, die ohnehin schon für geringen Lohn arbeiten. Die AK Niederösterreich vertritt aktuell zwei Au-pairs vor dem Arbeitsgericht, denen ihre Arbeitgeber in Summe 18.000 Euro schulden. „Eine Kolumbianerin hat als Au-pair in nur acht Monaten mehr als 900 Mehr- und Überstunden machen müssen. Sie hat also doppelt so viel gearbeitet wie die gesetzliche Arbeitszeit von 18 bzw. 19 Stunden für Au-pairs“, schildert Gerald Pahr von der AK-Bezirksstelle Wiener Neustadt. Bezahlt wurde keine einzige. „Bezahlt wurde sie überhaupt nach Gutdünken, man hat von ihr sogar verlangt, dass sie das Flugticket von Kolumbien nach Österreich abarbeitet.“ Für sie hat die AK Niederösterreich 7.500 Euro eingeklagt.
Einem zweiten Au-pair schuldet ein anderer Arbeitgeber sogar knapp 11.000 Euro. Sie hat eineinhalb Jahre lang die Kinder eines Unternehmerpaares betreut. „Jedes Mal, wenn die Familie auf Urlaub gefahren ist, hat man das der jungen Frau vom Lohn abgezogen“, schildert Pahr. Außerdem zahlte die Familie nur 400 statt der vereinbarten 600 Euro im Monat, Urlaubs- und Weihnachtsgeld gab es ohnehin nie. Als ob das nicht reichen würde, wurde die junge Frau auch noch ungerechtfertigt entlassen. Die Familie hat behauptet, dass sie unentschuldigt ihrem Arbeitsplatz ferngeblieben sei“, erklärt Pahr die originelle Begründung. „Der Arbeitsplatz ist der Haushalt der Familie. Als sie entlassen wurde, war die junge Frau auch dort. Nur war sie leider krank.“

Halbjahresbilanz 2017 – Bezirk Wr. Neustadt

Arbeits- und sozialrechtliche Beratungstätigkeit

Beratungen1.230
Interventionen beim Arbeitgeber122
Kostenloser Rechtsschutz94
Außergerichtlich eingebracht57.936 Euro
Gerichtlich eingebracht   
479.365 Euro
Insolvenzvertretung658.519 Euro
Gesamt1.195.820 Euro

Im ersten Halbjahr 2017 forderte die AK Wiener Neustadt für 122 ArbeitnehmerInnen ausstehende Löhne und Gehälter ein. „Leider haben es einige Arbeitgeber auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen“, sagt Gerald Pahr von der Bezirksstelle. In 94 Fällen klagte die AK zugunsten der ArbeitnehmerInnen vor dem Arbeitsgericht. Außerdem vertrat die AK im Bezirk 141 Beschäftigte aus 23 insolventen Betrieben. Insgesamt bekamen die Betroffenen durch die Unterstützung der AK 1,2 Millionen Euro an ausstehenden Löhnen und Gehältern nachbezahlt, um die sie ohne AK wahrscheinlich umgefallen wären.

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