Arbeiten damals und heute

Doris Rauscher-Kalod, AK-Juristin, 55 Jahre 

Als ich 1991 begonnen habe, war ich eine von drei Referentinnen in der Kammer, sonst gab es nur Männer im Arbeitsrecht. Es war damals nicht so bekannt, dass man sich bei der AK beraten lassen kann. 1992 wurde der kostenlose Rechtsschutz eingeführt. Da stieg die Zahl der Anrufe über Nacht von 0 auf 100. Das war eine echte Herausforderung. Ich habe schon viele Verfahren begleitet, gstandene LKW-Fahrer genauso beraten wie um ihren Lohn geprellte Handelsangestellte. Ich war auch von Schicksalen persönlich betroffen.   

Inzwischen hat sich viel geändert in der Arbeitswelt: Branchen, Probleme, Berufe. Und ich habe seit Langem eine Führungsfunktion und bilde juristischen Nachwuchs aus. Aber eines ändert sich nicht: Ich weiß, ich stehe auf der richtigen Seite.

Doris Rauscher-Kalod bei der Beratung, damals © Ing. Karl Pichler, charlypress@utanet.at
Doris Rauscher-Kalod © Ing. Karl Pichler, charlypress@utanet.at


Herwig Rezek, AK-Konsumentenschützer, 59 Jahre

Ich bin vor 40 Jahren quasi als Mädchen für alles in den Konsumentenschutz eingestiegen, heute leite ich die Abteilung. 1979 wurde das Konsumentenschutzgesetz verabschiedet. Das lieferte uns erst die Handhabe, um helfen zu können. Damals sind wir mit dem Beratungsbus durch die Lande getourt, ich erinnere mich an strenge Winter im Waldviertel, da ist der Bus eingefroren. Ich habe mich mit defekten Waschmaschinen befasst, mit Abo-Verträgen und Kfz-Schäden. Lang ist’s her.

Unsere größten Erfolge waren das Verbot der Pyramidenspiele in den 90ern, die Kontrolle der Kreditverträge in den 2000ern und das Aus für Werbefahrten 2016. Jetzt müssen wir uns mehr um die Fallen der digitalen Welt kümmern. Und die Qualität der 24-Stunden-Pflege wird ein großes Thema werden, ebenso die Pflegeversicherungen.

Herwig Rezek - links damals, rechts heute © Harri Mannsberger (re.), AK Niederösterreich
Herwig Rezek (links im Jahr 1982) © Harri Mannsberger (re.), AK Niederösterreich


Verena Silgener, AK-Konsumentenschützerin, 37 Jahre

Ich bin ganz frisch dabei, seit 01. August 2018. Von meinem ersten Fall, bei dem es um eine überhöhte Rechnung für eine Gebäudereinigung ging, weil jemand die Hausmauer aus Rache mit Katzendreck beschmiert hatte, bis hin zu kostenpflichtigen Sex-Abos, die ein 13-Jähriger beim Surfen abgeschlossen hat, ist die Bandbreit riesig. Ich sehe, wie schnell man einen Vertrag im Netz abschließt, und dann draufzahlt. Davor will ich die Leute bewahren.

Und auch davor, ihr Geld in riskante Veranlagungen zu investieren, weil sie keine Zinsen von der Bank kriegen. Denn wenn die Firma, in die sie investieren, Pleite macht, ist das Geld weg. Die versprochene Rendite hält dann nicht. Ich kläre auf und helfe, wo ich helfen kann. Und das ist schön.

Verena Silgener - heute © Mario Scheichel, AK Niederösterreich
Verena Silgener © Mario Scheichel, AK Niederösterreich


Stefanie Schmelzinger, AK-Juristin, 26 Jahre

Ich bin seit dem 01. März 2018 in der Arbeitsrechts- und Sozialberatung. Wir beraten persönlich, per E-Mail und am Telefon. Wenn es um Überstunden geht, um Dienstverträge oder um die Anfechtung einer Kündigung, muss es schnell gehen. Da sind die Verfallfristen kurz. Unlängst kam eine Frau, die auf einer Tankstelle arbeitet. Ihr Vater war verstorben, sie ist trotzdem zur Arbeit gegangen, hat nur gebeten, für das Begräbnis freizubekommen. Schon wurde sie gekündigt, und zwar fristwidrig. Deshalb hat sie Anspruch auf eine Kündigungsentschädigung.

Am wichtigsten ist, dass ich mich in arbeitsrechtliche Probleme einfühle und Sachverhalte so rüberbringe, dass die Mitglieder sagen, sie würden sich endlich auskennen. Das gibt mir ungeheuer viel. 

Stefanie Schmelzinger - heute © Mario Scheichel, AK Niederösterreich
Stefanie Schmelzinger © Mario Scheichel, AK Niederösterreich

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