15.6.2018
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Nachhilfestudie: Ein Viertel aller SchülerInnen geht zur Nachhilfe

Für ein Viertel der SchülerInnen in Niederösterreich war das vergangene Schuljahr nicht ohne Nachhilfe bewältigbar. Das ist deutlich mehr als vor einem Jahr, zeigt eine Studie von IFES. Ein weiteres Ergebnis: Für mehr als die Hälfte der betroffenen Eltern sind die Nachhilfekosten ein großes finanzielles Problem. „Wir brauchen daher eine Entlastung für SchülerInnen und Eltern“, fordert AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. „Dringend notwendig sind mehr schulische Förderangebote in Form von Nachmittagsbetreuung oder Ganztagsschulen.“

Knapp 45.000 niederösterreichische SchülerInnen haben im vergangenen Schuljahr Nachhilfe gebraucht. Das sind um 10.000 mehr als im Jahr davor, so die IFES-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer. Besonders viel externe Hilfe brauchten SchülerInnen in Mathematik, Fremdsprachen und Deutsch. Nicht nur der Bedarf ist stark gestiegen. Auch die Kosten sind es: Bei der bezahlten Nachhilfe, auf die etwa zwei Drittel aller Nachhilfestunden entfallen, geben Eltern im Schnitt 590 Euro im Jahr aus. Das sind um 50 Euro mehr als im Jahr davor. Insgesamt gaben die niederösterreichischen Eltern 16,5 Millionen Euro für die Nachhilfe ihrer Kinder aus. 58 Prozent der betroffenen Eltern erleben das als starke finanzielle Belastung, auch das sind deutlich mehr als im Vorjahr. Besonders alarmierend: Mehr als 5.000 niederösterreichische Schulkinder konnten im vergangenen Jahr keine Nachhilfe in Anspruch nehmen, weil es sich die Eltern nicht leisten konnten.

„Aufgrund dieser Zahlen müssen wir sagen: Nachhilfe ist keine Ausnahme mehr, sondern Teil des Schulsystems“, kritisiert AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. Es kann nicht sein, dass der Schulerfolg von der Geldbörse der Eltern abhängt. Viele können bei Hausaufgaben oder beim Lernen nicht helfen und haben aus beruflichen Gründen auch wenig Zeit. „Ein Drittel der Eltern erlebt es laut Studie als Stress, wenn schulische Aufgaben in die Familie getragen werden“, sagt Wieser. „Besonders betroffen sind hier die Mütter.“

Wieser sieht politischen Handlungsbedarf

Für den AK-Präsidenten zeigt die Nachhilfestudie Handlungsbedarf auf: „Wir brauchen mehr schulische Nachmittagsbetreuung und Ganztagsschulen.“ Nachhilfestudien der vergangenen Jahre zeigen, dass ganztägige Angebote den Bedarf an bezahlter Nachhilfe sinken lassen. Förderkurse, Nachmittagsbetreuung und echte Ganztagsschulen wirken. „Was wir ebenfalls brauchen, ist eine Schulfinanzierung nach sozialen Kriterien“, fordert Wieser. „Mit einem Chancen-Index würden die Schulen mit besonders vielen Kindern aus sozial schwachen Familien zusätzliches Geld bekommen, damit diese SchülerInnen durch pädagogische Förderangebote, kleinere Lerngruppen und zusätzliche Lehrkräfte besser gefördert werden können und schulischer Erfolg nicht zunehmend vom Einkommen der Eltern abhängig wird.“

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