29.10.2020

Medieninformation „Reha now!“

Gemeinsames Vorgehen von AMS, PVA und BBRZ verhindert Invalidität und bringt Fachkräfte zurück in die Wirtschaft. Mit der Initiative „Reha now!“ bewerben AMS, PVA, BBRZ, AK und WK in Niederösterreich die berufliche Rehabilitation.

Berufliche Rehabilitation in Partnerschaft und laufender Innovation

Berufliche Rehabilitation ist eine gesetzliche Aufgabe des Arbeitsmarktservice und der Pensionsversicherungsanstalt. Menschen, die ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können, finden mit der beruflichen Rehabilitation wieder zurück in die Arbeitswelt.

v.l.n.r: Roman Pöschl (Geschäftsführer BBRZ), Sven Hergovich (Geschäftsführer AMS NÖ),  Brigitte Preier (Stellvertretende Chefärztin PVA), Markus Wieser (Präsident AK Niederösterreich), Wolfgang Ecker (Präsident WK Niederösterreich) starteten "Reha now!". © Wolfgang Prinz,
v.l.n.r: Roman Pöschl (Geschäftsführer BBRZ), Sven Hergovich (Geschäftsführer AMS NÖ), Brigitte Preier (Stellvertretende Chefärztin PVA), Markus Wieser (Präsident AK Niederösterreich), Wolfgang Ecker (Präsident WK Niederösterreich) starteten "Reha now!". © Wolfgang Prinz,

Die Veranstaltung „Reha now!“ zeigt, wie dieser Weg zurück in die Arbeit verläuft. Am Anfang steht die Orientierung in erweiterte, neue Beschäftigungsfelder oder Beschäftigungsfelder im Umfeld der bisherigen beruflichen Tätigkeit. Wo es notwendig ist, können die KundInnen auf zusätzliche gesundheitliche Stabilisierungselemente zurückgreifen. Dabei sind Intensität und Dauer von den individuellen Bedürfnissen abhängig. Im Anschluss bietet die berufliche Rehabilitation Unterstützung bei der Jobsuche im erarbeiteten neuen oder erweiterten Berufsspektrum. Brauchen Menschen für ihren beruflichen Neustart Schulungen oder Berufsausbildungen, können sie diese im Anschluss an die berufliche Orientierung in Anspruch nehmen. Da die Ausbildungen möglichst arbeitsplatznah in Betrieben erfolgen, ergibt sich daraus oft gleich im Anschluss der künftige Arbeitsplatz im Ausbildungsbetrieb.

Rückkehr in den Arbeitsprozess bedeutet Teilhabe

"Wenn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach einer Reha wieder in den Arbeitsprozess zurückkehren können, bedeutet das für sie natürlich Einkommen und Teilhabe am Arbeitsmarkt. Die Beschäftigten können ihre Qualifikationen wieder bestmöglich einbringen.

Ganz entscheidend bei der Rehabilitation ist die hohe Qualität in der Versorgung. Diese gilt es zu sichern und auszubauen, um den Herausforderungen der kommenden Jahre begegnen zu können", so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. 

Das AMS NÖ ist einer der Motoren für die laufende Weiterentwicklung dieser wichtigen Angebote. Sie sind individueller, kundInnengerechter und wirksamer geworden. Das AMS forciert arbeitsplatznahe Ausbildungen, die die Menschen rasch zurück in die Arbeitswelt bringen. Das Fachwissen und die berufliche Vorerfahrung der Menschen sollen dabei in die neue berufliche Tätigkeit einfließen können.

„Durch die Corona-Krise steigt die Gefahr, dass die Gruppe der besonders vulnerablen Jobsuchenden immer größer wird. Wir müssen abgestimmte Lösungen für viele individuelle Probleme finden, damit arbeitslose Personen mit gesundheitlichen Problemen, die in ihrem bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten können, wieder berufstätig sein können. Viele dieser Jobsuchenden waren bisher erfolgreich im Berufsleben, sind in einem hohen Ausmaß gut qualifiziert und bringen viel Berufserfahrung mit. Gelingt es, mit ihnen neue Berufswege zu erarbeiten, in denen ihre gesundheitlichen Einschränkungen kaum relevant sind und in die sie ihre Erfahrungen und Kenntnisse weiterhin einbringen können, reduziert das Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig sind wir damit in der Lage, der niederösterreichischen Wirtschaft jene Fachkräfte zu vermitteln, die sie dringend braucht“, erklärt AMS NÖ Landesgeschäftsführer Sven Hergovich.

Erfolg trotz Corona-Krise

Viele arbeitslose Personen haben gesundheitliche Einschränkungen. Die Anzahl dieser Personen steigt laufend. Seit Jahren stemmt sich das AMS NÖ gemeinsam mit der Pensionsversicherungsanstalt dagegen. Die freiwillige berufliche Rehabilitation hat in den letzten Jahren viele Menschen wieder in Berufe zurückgebracht. 2019 haben fast 1000 Personen eine berufliche Rehabilitation absolviert, fast 700 Qualifizierungen. Über 500 Personen konnten innerhalb von drei Monaten nach der Beruflichen Rehabilitation eine neue Arbeit finden. Das AMS hat dafür 4,2 Mio Euro eingebracht.

Im heurigen Jahr 2020 haben trotz der Corona-Krise bisher 735 Personen an einer beruflichen Rehabilitation teilgenommen. Fast 40 Prozent davon haben auch schon eine Arbeit gefunden. Sven Hergovich: „Krisen am Arbeitsmarkt wirken sich gerade in diesem Bereich rasch auf die Integrationschancen aus. Daher sind partnerschaftliche Zusammenarbeit und das permanente Arbeiten an zeitgemäßen Lösungen Voraussetzungen, damit unsere Angebote ankommen: bei den Betroffenen, damit sie wieder im Erwerbsleben stehen, und bei den Betrieben, damit sie ihren Fachkräftebedarf decken können.“

Menschen im Erwerbsleben halten

„Unsere Versicherten haben Anspruch auf Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation, wenn sie ihren Beruf wegen physischer oder psychischer Einschränkungen nicht mehr ausüben können. Es ist nicht nur gesetzlicher Auftrag, sondern ein besonderes Anliegen der PVA, die Menschen im Erwerbsleben zu halten bzw. sie wieder einzugliedern. Die medizinische Rehabilitation, die wir in höchstem Qualitätsstandard anbieten, ist in vielen Fällen als alleinige Maßnahme nicht ausreichend“, betont die stellvertretende Chefärztin der Pensionsversicherungsanstalt Brigitte Preier.

Versicherte, bei denen Arbeitsunfähigkeit droht oder bereits eingetreten ist, haben die Möglichkeit, einen Antrag auf berufliche Rehabilitation bei der PVA einzubringen. Nach Prüfung der Qualifikationen und der beruflichen Laufbahn sowie nach medizinischer Beurteilung der gesundheitlichen Einschränkungen und der physischen und psychischen Eignung der AntragstellerInnen können Angebote ermöglicht werden, die von Stabilisierung über Berufsorientierung bis zur Umschulung oder Ausbildung für einen neuen Beruf reichen. 

Neben diesem freiwilligen Zugang gilt auch jeder Antrag auf Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension vorrangig als Antrag auf Leistungen der Rehabilitation. Wird als Ergebnis der ärztlichen Begutachtung festgestellt, dass das medizinische Restleistungskalkül zwar für den erlernten und ausgeübten Beruf nicht mehr ausreicht, jedoch für andere Tätigkeiten genügt, wird ebenfalls eine berufliche Rehabilitation angestrebt. Für diese besteht eine Mitwirkungspflicht vonseiten der AntragstellerInnen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die freiwillige berufliche Rehabilitation sehr viel erfolgsversprechender ist. 

„In Zusammenarbeit mit AMS und BBRZ unterstützen wir unsere Versicherten dabei, in Beschäftigung zu bleiben. Das ermöglicht ihnen, weiterhin am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und zudem einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten zu können“, so die stellvertretende Chefärztin Brigitte Preier zum Engagement der PVA im Zusammenhang mit der beruflichen Rehabilitation.

Zusätzlich zur beruflichen Rehabilitation hat die PVA die Möglichkeit, auch jene Menschen zu unterstützen, die noch in einem aufrechten Dienstverhältnis stehen. Durch Arbeitsplatzadaptierungen oder Aufschulungen kann in vielen Fällen der angestammte Arbeitsplatz erhalten werden.  

Berufliche Rehabilitation im BBRZ im Wandel

Das Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum BBRZ, das sich schon seit 1975 dem Ziel widmet, Menschen bei der Erlangung oder Wiederherstellung ihrer Arbeitsfähigkeit zu begleiten, sieht die Arbeitswelt momentan in einem dramatischen Umbruch. Die technologischen Entwicklungen, hier vor allem die Digitalisierung, und die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse stellen das Arbeits- und Sozialrecht und zugleich auch die Stake Holder von beruflicher Rehabilitation, wie AMS, PVA und AUVA, vor neue Herausforderungen. 

Berufsbilder verändern sich grundlegend, lösen sich teilweise auf oder werden durch andere ersetzt. „War eine berufliche Qualifizierung noch vor einiger Zeit eine vermeintliche Garantie für einen Arbeitsplatz, so ist sie nun bestenfalls eine notwendige Voraussetzung dafür. Aufgrund der Digitalisierung werden ausgerechnet jene Berufsgruppen massiv unter Druck geraten, die klassische Zielberufe der Rehabilitation darstellen, wie etwa Bürokaufleute oder Versicherungskaufleute“, erläutert Roman Pöschl, Geschäftsführer des BBRZ.

Unterstützung orientiert sich an individuellen Ressourcen

Mit dem Entwicklungsprojekt Reha NEXT analysierte das BBRZ gemeinsam mit allen AkteurInnen, die in das System der beruflichen Rehabilitation eingebunden sind, die zukünftigen Entwicklungen und Zielgruppen der Rehabilitation und stellte die Frage, wie die Rehabilitation auf den Wandel in der Arbeitswelt reagieren kann. Das BBRZ ist davon überzeugt, dass sich die Unterstützung der Betroffenen bei der beruflichen Neuausrichtung noch deutlicher als je zuvor an ihren Ressourcen orientieren sollte und dementsprechend auch in verstärktem Maße individualisiert gestaltet werden muss. 

Infolgedessen zählen zu den inhaltlichen Schwerpunkten der Rehabilitation im BBRZ künftig verstärkt psycho-emotionale Kompetenzen und Eigenverantwortung, wie die Stärkung des Ichs und der wahrgenommenen Selbstwirksamkeit, aber auch soziale Kompetenzen, wie die Stärkung eines gesunden Egoismus bei gleichzeitiger Teamfähigkeit und Kundenorientierung.

Ein weiterer Aspekt sind kognitive Kompetenzen, also weg von reiner Wissensvermittlung hin zum Training von Problemlösefähigkeit und vernetztem Denken.

Roman Pöschl, Geschäftsführer des BBRZ, fasst den Paradigmen-Wechsel in den Angeboten des BBRZ wie folgt zusammen: „Nach einer eingebürgerten Auffassung bedeutet die Rehabilitation die Wiederherstellung eines Gesundheitszustands, in dem wir vor der Erkrankung waren. Die Rehabilitation muss aber bedeuten, dass wir Menschen deutlich über den Punkt hinauswachsen lassen müssen, wo sie vorher waren. Der Rehabilitationsprozess kann nur dann gelingen, wenn wir das Selbst, das uns begegnet, zum Dreh- und Angelpunkt der Intervention machen.“

Fachkräfte im Betrieb halten

Die Wirtschaft unterstützt Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation. „Bei jeder Initiative, die unseren Unternehmen hilft, Fachkräfte mit beruflichen Erfahrungen im Unternehmen zu halten, ziehen wir mit. So können wir Wissen im Betrieb halten, selbst wenn Mitarbeiter ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Sind sie nach speziellen Ausbildungen oder Umschulungen in einem neuen Arbeitsfeld tätig, können sie ihre bisherigen Berufserfahrungen einbringen - eine Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Unternehmer“, hält Wirtschaftskammer NÖ-Präsident Wolfgang Ecker fest. 

Schließlich ist der Fachkräftemangel eine der großen Zukunftsherausforderungen für Betriebe und die ganze Gesellschaft. Denn obwohl in ganz Niederösterreich rund 4.400 Betriebe derzeit 17.000 junge Menschen in mehr als 200 Lehrberufen ausbilden, werden in den nächsten zehn Jahren etwa 117.000 Fachkräfte in Niederösterreich fehlen. „Gemeinsame Initiativen, die den Fachkräftemangel bekämpfen, wie die berufliche Rehabilitation unter dem Schlagwort ,Reha now!‘, sind daher genauso das Gebot der Stunde wie auch die vermehrte Umsetzung von Ausbildungsverbünden mit mehreren Unternehmen“, formuliert Ecker eine zentrale Forderung der Wirtschaftskammer Niederösterreich. 

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