1.8.2018

Kein Recht auf "hitzefrei"

Die aktuelle Hitzewelle lässt die Zahl der Anfragen von ArbeitnehmerInnen bei der AK Niederösterreich in die Höhe schnellen. Die häufigste Frage derzeit: Ab welchen Temperaturen muss der Chef Beschäftigten frei geben? Die Antwort: Nie. Nur in der Baubranche gibt es eine unverbindliche Sonderregelung.

Rund 50.000 Menschen arbeiten in Niederösterreich im Bau- und Baunebengewerbe – die Mehrzahl davon im Freien. Temperaturen um die 35 Grad im Schatten sind für sie wie auch für viele andere ArbeitnehmerInnen eine große körperliche Belastung. Wie die Hitzestrapazen für die Beschäftigten so gering wie möglich gehalten werden, hat der Gesetzgeber im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz und in der Arbeitsstättenverordnung festgeschrieben. „Hitzefrei gibt es aber nicht“, informiert Christian Haberle, Gesundheitsexperte der AK Niederösterreich, „nur bei Bauarbeitern gibt es eine Sonderregelung: Wenn die Temperatur im Schatten länger als drei Stunden höher ist als 35 Grad, können Arbeitgeber die Arbeiter nach der Schlechtwetterregelung den Rest des Tages nach Hause schicken. Die Betroffenen bekommen dann den Großteil des Verdienstentgangs ersetzt.“ Viele Unternehmen nutzen diese Möglichkeit bereits.

Wasser bereitstellen, Arbeitsplatz kühlen, wenn möglich

„Den Arbeitsplatz verlassen, wenn es zu heiß ist, darf man aber nicht. Damit könnte man einen Entlassungsgrund liefern“, sagt Haberle. Auch ein Recht auf eine Klimaanlage am Arbeitsplatz gibt es nicht. Ist jedoch eine installiert, muss der Arbeitgeber sie bei Hitze auch aufdrehen und die Räume kühlen. Dasselbe gilt für Lüftungen. Besonders bei Arbeiten im Freien ist wichtig: Der Dienstgeber muss Trinkwasser bereitstellen.

Bei unzumutbaren Belastungen ist das Arbeitsinspektorat der richtige Ansprechpartner. „Oft gibt es technische Lösungen, an die ein Arbeitgeber mitunter gar nicht denkt. Das können Jalousien sein oder ein reflektierender Anstrich auf einem Dach“, sagt der Experte.