26.8.2021

Grundlos Kaution einbehalten ist nicht erlaubt

Derzeit wird beim Auszug von Mieter*innen vermehrt die Kaution ganz oder teilweise einbehalten – es geht dabei häufig um mehrere Tausend Euro. Als Begründung ist die Rede von Renovierungsarbeiten, bevor wieder jemand einziehen könne. Das ist auch einer Familie aus dem Bezirk Krems passiert. Sie wartet seit Monaten auf die Rückzahlung ihrer 2.500 Euro. Grundlos die Kaution einzubehalten ist aber nicht erlaubt. „Es gibt klare rechtliche Regelungen, wofür Kaution verwendet werden darf und wofür nicht“, sagt AK Niederösterreich-Wohnrechtsexpertin Monika Stork. Berücksichtigt man bereits beim Einzug ein paar Tipps, kann man Problemen beim Auszug vorbeugen.

Die Kaution – meist in Höhe von zwei bis drei Bruttomonatsmieten - dient Vermieter*innen zur Absicherung für Mietausfälle und Beschädigungen am Eigentum. Bleiben Mietzahlungen beim Auszug offen, dürfen die Rückstände von der Kaution abgezogen werden. Auch wenn es zu Schäden an der Wohnung kommt – ein Sprung im Waschbecken, eine demolierte Tür -, ist das Sache der Mieter*innen und kann aus der Kaution abgedeckt werden. Dafür gelten aber bestimmte Vorgaben. Ist das kaputte Waschbecken bereits in die Jahre gekommen, muss nicht der Neupreis ersetzt werden, sondern der Zeitwert.

Kaution ist unverzüglich zu überweisen

„Immer wieder aber kommt es derzeit vor, dass Vermieter*innen grundlos die Kaution einbehalten – wegen Bohrlöchern in der Wand oder Kratzern im Parkett“, sagt AK Niederösterreich-Wohnrechtsberaterin Monika Stork. Eine aktuelle Anfrage stammt von einer Familie aus Krems, die seit Monaten auf die Rückzahlung der Kaution wartet. Die Wohnung, so schreiben sie, sei bereits beim Einzug in keinem guten Zustand gewesen. Man habe aber dringend eine Bleibe gebraucht. Kleinere Reparaturen erledigte der Familienvater selbst und malte neu aus. Beim Auszug kritisierte der Vermieter den Zustand der Wohnung und behielt die Kaution einfach ein.

Normale Abnützung von Miete gedeckt

Dabei handelt es sich in den meisten Fällen aber um normale Abnützung. Dafür bezahlt man bereits die Miete. Auch muss die Wohnung beim Auszug nicht neu ausgemalt werden. „Anders ist es, wenn man sie weiß ausgemalt übernommen hat und selbst danach mit starken Farben, z.B. rot oder blau, ausgemalt hat. Das wird als übermäßige Abnützung verstanden“, so die Expertin. In so einem Fall kann der Vermieter das Ausmalen mit weißer Farbe verlangen oder Kaution einbehalten. Handelt es sich jedoch um übliche Gebrauchsspuren, darf der Vermieter sich nach der Übergabe noch ein paar Tage Zeit nehmen, um die Wohnung eingehend zu besichtigten. Nach fünf bis sieben Tagen sollte die Kaution überwiesen sein.

Beratung & Hilfe

„Bei Unklarheiten und Problemen mit dem Zurückbekommen der Kaution helfen die AK-Wohnrechtsberater*innen kompetent“, sagt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.

Nähere Informationen finden Sie unter noe.arbeiterkammer.at/kaution, außerdem einen Musterbrief, mit dem Sie die Kaution zurückfordern können.

AK-Wohnrechtsberatung: Telefon: 05 7171-23 333, Mail: mietrecht@aknoe.at.

Tipps, um Probleme zu vermeiden

  • Machen Sie bereits beim Einzug Fotos vom Zustand der Wohnung: So können Sie beim Auszug beweisen, dass die Flecken am Teppich oder der tiefe Kratzer in der Badewanne schon beim Einzug vorhanden waren.
  • Dokumentieren Sie auch den Zustand bei der Rückstellung mit Fotos bzw. Zeugen. 
  • Erstellen Sie mit dem Vermieter ein gemeinsames Protokoll bei der Wohnungsübergabe – sowohl beim Ein- als auch beim Auszug. So werden eventuelle Schäden gemeinsam festgehalten und dokumentiert. 

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