13.2.2018
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Probleme am Arbeitsplatz: AK Niederösterreich holt 51 Mio. für Beschäftigte

51 Millionen Euro – so viel hat die AK Niederösterreich im Vorjahr für die niederösterreichischen ArbeitnehmerInnen nach Problemen am Arbeitsplatz oder in sozialrechtlichen Fragen gesichert. "Das ist Geld, das den Beschäftigten zusteht und ihnen aus vielerlei Gründen vorenthalten wurde", sagt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. 155.000 Beschäftigte, mehr als jedeR vierte ArbeitnehmerIn in Niederösterreich, ließen sich von der AK beraten. Besonders viele Anfragen gab es rund um Probleme im Krankenstand. Hier haben AK und ÖGB maßgebliche Verbesserungen für die Beschäftigten durchgesetzt.

Große Bandbreite an Unterstützung für ArbeitnehmerInnen

Die Bandbreite der Fälle, in denen die AK Niederösterreich ihre Mitglieder vertreten hat, spiegelt die Probleme in der Arbeitswelt wieder: nicht ausbezahlte Überstunden, ungerechtfertigte Entlassungen, Bezahlung unterhalb des Kollektivvertrags, nicht ausbezahlte Löhne und Gehälter oder Abfertigungen. Aber auch zum Thema Arbeitslosenversicherung, Pension und Krankheit gibt es viele Anfragen. "Hier kommt laufend Hilfe und Unterstützung von unseren ExpertInnen, die für die Betroffenen im Einsatz stehen", sagt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.

Bilanz Arbeits- und Sozialrecht 2017 © Grafik, AK

Dauerthema Krankenstand: 60 Prozent für Vorgesetzte erreichbar

Das Thema Krankenstand ist in der Beratungspraxis der AK Niederösterreich zuletzt stark gestiegen. Viele Anfragen betreffen etwa das Thema Erreichbarkeit „60 Prozent der Beschäftigten sind für KollegInnen und Arbeitgeber erreichbar, wenn sie krank sind“, sagt Wieser.
Auch die Zahl der Krankenstandstage sei in den vergangenen Jahren gesunken. Sie liegen jährlich bei 12,5 Tagen pro Jahr und Dienstnehmer, wie aus dem Fehlzeitenreport hervorgeht. Das sind um 5 Tage weniger als noch 1980. 50 Prozent der älteren Dienstnehmer (über 50 Jahre) sind nie krank. Das zeigt also generell, wie leistungsfähig, motiviert und engagiert die Beschäftigten sind. "Wenn also jemand krank ist, gilt es für die ArbeitnehmerInnen, sich in Ruhe auszukurieren und wieder gesund zu werden", so Wieser.

Verbesserungen bei einvernehmlichen Lösungen erreicht

Immer wieder sind die ArbeitnehmerInnen im Krankenstand mit mehr oder weniger freiwilligen Beendigungen der Arbeitsverhältnisse konfrontiert. Wird einE BeschäftigteR krank, kommt von Unternehmen das Thema einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses ins Spiel. "So wollen sich manche Arbeitgeber Lohn und Gehalt für die MitarbeiterInnen während des Krankenstandes sparen", schildert AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. "Die Kosten werden stattdessen auf die Allgemeinheit, also die Krankenkassen, abgewälzt", so Wieser.
Damit die Beschäftigten auch unterzeichnen, sei die einvernehmliche Auflösung häufig mit der unverbindlichen Zusage verbunden, die Betroffenen nach dem Krankenstand wiedereinzustellen. Tatsächlich aber auch Rechte aus dieser Zusage einzufordern, ist jedoch äußerst schwierig.

Erfolge für ArbeitnehmerInnen

AK und ÖGB haben daher stets gefordert, dass auch bei einvernehmlichen Lösungen im Krankenstand eine Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber zu leisten ist. Dieser Druck hat gewirkt, mit 1. Juli werden rechtliche Änderungen wirksam. "Wird ein Arbeitsverhältnis im Zusammenhang mit einem Krankenstand aufgelöst, muss der Arbeitgeber volle Entgeltfortzahlung leisten", sagt Wieser. Diese Entgeltfortzahlung beträgt ab 1. Juli im Krankenstand bereits ab einem Dienstjahr bis zu acht Wochen – und zwar für ArbeiterInnen wie für Angestellte. Bisher galt die Entgeltfortzahlung im Krankenstand von 8 Wochen erst nach 5 Arbeitsjahren.
Zusätzlich bekommen Angestellte eine eigene Absicherung nach einem Arbeitsunfall, wie das bislang schon bei ArbeiterInnen der Fall war.

Arbeitgeber spielte Kellnerin übel mit

Zu welchen Mitteln manche Arbeitgeber greifen, zeigt der Fall einer Kellnerin aus dem Bezirk Amstetten. Ihr Chef versuchte, sie im Krankenstand zu einer einvernehmlichen Auflösung zu drängen. Sie stimmte dem nicht zu – und erhielt ein Schreiben von der Gebietskrankenkasse, dass sie nur mehr geringfügig beschäftigt sei. "Der Arbeitgeber hatte ohne ihr Wissen und Zustimmung einfach ihre Arbeitszeit reduziert", schildert Thomas Kaindl, Leiter der Abteilung für regionale Aufgaben in der AK Niederösterreich. "Für sie hieß das, dass sie mitten im Krankenstand auch noch die Krankenversicherung verlor." Besonders heikel daran: "Der Betroffenen stand auch noch eine Operation bevor, die sie ohne Versicherung aus der eigenen Tasche hätte bezahlen müssen."
Die AK Niederösterreich intervenierte zugunsten der Kellnerin. "Der Arbeitgeber meldete sie nachträglich wieder mit der normalen Arbeitszeit an und zahlte ihr 1.300 Euro nach", schildert Kaindl. Die Betroffene war somit auch wieder voll krankenversichert und konnte die notwendigen medizinischen Behandlungen abschließen.

Nach erfolgreicher Krebsbehandlung gekündigt

Für landesweites Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr das Schicksal eines Lagerarbeiters, der gerade seine Krebserkrankung besiegt hatte. Sein Arbeitgeber wollte ihn kündigen, mit der lapidaren Begründung: "Zu viele Krankenstandstage". "Unsere ExpertInnen haben diese Kündigung wegen Sozialwidrigkeit beim Arbeits- und Sozialgericht angefochten", schildert Kaindl. "Bei der ersten Gerichtsverhandlung hat der Arbeitgeber die Kündigung glücklicherweise zurückgenommen."

Tabus und Unsicherheiten

Generell ist das Thema Krankenstand mit Tabus und Unsicherheiten behaftet, sagt Doris Rauscher-Kalod, Leiterin der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht der AK Niederösterreich. "Anfragen zum Thema Krankenstand sind bei uns immer unter den Top Ten-Themen. Bei uns fragen im Schnitt um die 150 ArbeitnehmerInnen im Monat allein deswegen nach, weil sie sich über ihre Verpflichtungen im Krankenstand informieren wollen. Also, muss ich im Krankenstand telefonisch erreichbar sein für meinen Chef? Muss ich laufend darüber informieren, wie lange der Krankstand andauert?", sagt die Expertin. Und fasst die wichtigsten Verpflichtungen zusammen: "Erkrankte MitarbeiterInnen müssen unverzüglich den Krankenstand beim Arbeitgeber bekannt geben. Dauernd erreichbar sein muss man nicht. Kranke ArbeitnehmerInnen haben alles zu tun, um wieder gesund zu werden. Der Arbeitgeber darf darauf bestehen, dass eine ärztliche Bestätigung vorgelegt wird. In manchen Firmen ist es üblich, dass die ersten Tage "geglaubt" werden, aber Gesetz ist das nicht. Daher unbedingt am ersten Tag der Krankheit zum Arzt gehen." Sieht man davon ab, verliert man den Anspruch auf Entgeltfortzahlung, sagt Rauscher-Kalod. "Entgegen hartnäckigen Gerüchten darf man im Krankenstand gekündigt werden, auch bei Arbeitsunfällen. Allerdings muss der Arbeitgeber dann bis zum Ende des Krankenstands Entgeltfortzahlung leisten."

51 Mio. für die Beschäftigten

Tausende ArbeitnehmerInnen wandten sich im Vorjahr an die AK Niederösterreich, nachdem ihnen der Arbeitgeber zum Beispiel geleistete Überstunden nicht bezahlt hatte. In Extremfällen zahlten Arbeitgeber noch nicht mal den Grundlohn aus. 4.700 brauchten Unterstützung, nachdem ihre Firma in Insolvenz gegangen war. "Ohne unseren Rechtsschutz hätten viele Betroffene dieses Geld leider nicht bekommen", sagt Kaindl.

AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser, Doris Rauscher Kalod, Leiterin der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht AK Niederösterreich, Thomas Kaindl, Leiter Regionale Aufgaben AK Niederösterreich © Alexandra Kromus, AK Niederösterreich


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