„Wir sind in guten Händen“ – AK Niederösterreich betreut Beschäftigte der insolventen Fluglinie Level Europe

Knapp 200 ArbeitnehmerInnen bei zwei Betriebsversammlungen informiert, Juni-Gehalt und Urlaubsgeld noch ausständig.

Die knapp 200 Beschäftigten der insolventen Fluglinie Level Europe bangen um ihre Arbeitsplätze. ExpertInnen der AK Niederösterreich haben sie über die weiteren Schritte im Insolvenzverfahren informiert und bringen für die Beschäftigten die offenen Entgeltforderungen beim Insolvenzentgeltfonds ein. Die Betroffenen zeigen sich froh über die Hilfe der AK.

„Die Situation ist sehr unangenehm. Aber wenigstens sind wir in guten Händen“, sagt Julia Knafl, Flugbegleiterin bei Level Europe seit März 2018. Auch Lotte Hösle-Ferstl ist seit Beginn dabei. Sie ist Personalchefin der Fluglinie: „Dass uns die Expertinnen und Experten der AK beraten und unsere Ansprüche anmelden, hilft in dieser belastenden Situation“. Beide Arbeitnehmerinnen wissen, wovon sie sprechen: Sie waren schon bei Fly Niki beschäftigt. Die Fluglinie schlitterte vor zweieinhalb Jahren in die Insolvenz, Level Europe übernahm damals ein Viertel der Beschäftigten. „Leichter wird es beim zweiten Mal nicht“, sagt Personalchefin Hösle-Ferstl, „eher im Gegenteil. Jetzt weiß man, was es bedeutet, wenn man ein tolles Team verliert und so viel Kompetenz verloren geht“.

Ruhig und gefasst wirken die Beschäftigten von Level Europe, die an zwei Betriebsversammlungen teilnehmen, die Betriebsrat, Masseverwalter und AK Niederösterreich heute im Konferenzzentrum des NH Hotels am Flughafen Schwechat für sie organisieren. Wegen der Corona-Regel darf es keine Veranstaltung für alle gemeinsam geben, die Beschäftigten müssen in zwei Gruppen zu je höchstens 100 Menschen aufgeteilt werden. Für das Team des Insolvenzreferats der AK Niederösterreich war es daher eine zusätzliche Herausforderung, die vorgegebenen Corona-Regeln einzuhalten, insbesondere was Abstand und Masken betraf.

Dazu kommt, dass Level Europe in den Monaten vor der Insolvenzeröffnung Kurzarbeit für die Belegschaft hatte. Zusammen mit den Fristenläufen im Insolvenzverfahren führt das dazu, dass die offenen Gehälter und Sonderzahlungen der Beschäftigten deutlich komplizierter zu berechnen sind als sonst. „Bis vor zwei Tagen wusste niemand, wie das geht“, beschreibt AK-Insolvenzexperte Felix Hochedlinger. „Es wurden ja Details für die Corona-Kurzarbeit laufend geändert und erst seit ein paar Tagen ist die Berechnungsgrundlage für solche Fälle per Verordnung geregelt“. Offen sind für die Belegschaft von Level Europe noch das Juni-Gehalt und die aliquoten Sonderzahlungen, sprich: das anteilige Urlaubs- und Weihnachtsgeld bis zur Insolvenzeröffnung. Diese Forderungen bringt die AK Niederösterreich gesammelt für die Beschäftigten beim Insolvenzentgeltfonds und beim LG Korneuburg ein. „Versprechen können wir es natürlich nicht, aber der Fonds arbeitet normalerweise sehr schnell, vor allem bei Großinsolvenzen. Wir gehen daher davon aus, dass das Geld noch im Juli am Konto sein sollte.“

In den nächsten Tagen entscheidet sich auch, welche Unternehmensteile der Masseverwalter zumindest vorübergehend schließt. Die betroffenen Beschäftigten können dann, wie es offiziell heißt, „ihren berechtigten vorzeitigen Austritt gem. § 25 IO aus dem Unternehmen erklären“. Zu den Details wird die AK Niederösterreich die Beschäftigten nächste Woche in zwei Betriebsversammlungen informieren. Der Betriebsrat kämpft derweil um die Arbeitsplätze. Gemeinsam mit dem Masseverwalter soll es einen Termin im Wirtschaftsministerium geben.

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