Geld auf der Waage © Andrey Popov, stock.adobe.com
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22.12.2021

Wie viel verdient man in Niederösterreich? 

Einkommensanalyse 2020

2.314 Euro betrug das Bruttomedianeinkommen* der unselbstständigen Beschäftigten in Niederösterreich. Im Vergleich zu 2019 ist das ein Plus von 80 Euro bzw. 3,6 Prozent.  Abzüglich der Inflation (1,4 Prozent) verringerte sich der Zuwachs des Bruttomedianeinkommens auf real 48 Euro (+ 2,1 Prozent).

Werden Sozialversicherung, Lohnsteuer und Inflation berücksichtigt, erhöhte sich das Nettomedianeinkommen real um durchschnittlich 46 Euro pro Monat (+ 2,9 Prozent). 

*)Medianeinkommen = mittlere Einkommen = Einkommen, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt.

Ländervergleich

Im Bundesländervergleich lag das niederösterreichische Medianeinkommen mit 2.314 Euro an achter Stelle, da Niederösterreich von Tirol (2.339 Euro) überholt wurde.

Das Bundesland mit dem höchsten Einkommensniveau ist weiterhin Vorarlberg (2.568 Euro), jenes mit dem geringsten Medianeinkommen das Burgenland (2.053 Euro). 

Regions- und Bezirksvergleich

Das Mostviertel war die Region mit dem höchsten Einkommensniveau, es lag um 6,3 Prozent über dem niederösterreichischen Medianeinkommen.

Das zweithöchste Einkommensniveau wies das Industrieviertel auf, gefolgt vom Zentralraum. Schlusslicht hinter dem Waldviertel war das Weinviertel, dessen Einkommensniveau 10,5 Prozent unter dem niederösterreichweiten lag.

An der Spitze des Bezirksrankings hielt sich auch 2020 Amstetten mit einem Medianeinkommen von 2.600 Euro. Die nächsthöchsten Medianeinkommen wiesen die Bezirke Scheibbs (2.444 Euro) und Gmünd (2.443 Euro) auf, gefolgt von der Statutarstadt St. Pölten mit 2.438 Euro.

Der Bezirk mit dem niedrigsten Medianeinkommen war abermals Krems (Land), dessen Einkommensniveau bei 1.823 Euro lag. 

Frauen verdienten rund ein Drittel weniger

1.800 Euro beträgt das Medianeinkommen der Frauen im Jahr 2020. Das sind um 838 Euro weniger als das Medianeinkommen der Männer (2.638 Euro).

Im Bundesländervergleich war in beiden Fällen nur das Medianeinkommen im Burgenland geringer. Die Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern betrug damit wie im Vorjahr 31,8 Prozent.

Österreichweit verringerte sich die Einkommensdifferenz im Jahresvergleich um 0,5 Prozentpunkte. Sie war mit einem um 29,3 Prozent geringeren Medianeinkommen der Frauen weniger stark ausgeprägt als in Niederösterreich. 

Hohe Teilzeitquote

Ein Grund für den großen Einkommensunterschied ist u.a. die hohe Teilzeitquote bei Frauen (NÖ: 45,5 Prozent, Ö: 48,2 Prozent). Die Teilzeitquote bei Männern liegt in NÖ bei 8,1 Prozent (Ö: 10 Prozent).

Dennoch kann der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied nicht auf die unterschiedlichen Arbeitszeiten reduziert werden. Bildung, Berufswahl, Branchenstruktur sowie unterschiedliche Karrierechancen, Unterbrechungen der Erwerbskarriere aufgrund von Kinderbetreuung etc. haben Auswirkungen auf das Einkommen der Frauen.

Frauen/Männerbranchen

In typischen Frauenbranchen (Handel, Beherbergungs- und Gaststättenwesen oder Gesundheits- und Sozialwesen) war das Lohnniveau deutlich geringer und der Anteil der Teilzeitbeschäftigten weit höher als in typischen Männerbranchen (Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren oder Baugewerbe/Bau).

Abseits davon bestehen jedoch auch Einkommensunterschiede, die nicht durch oben genannte Gründe erklärbar sind und auf unterschiedliche Entlohnung aufgrund des Geschlechts zurückzuführen sind!

Zur Analyse

"Die Auswirkungen der Corona-Krise und steigende Energiepreise belasten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Es muss daher entgegengesteuert werden."

Markus Wieser

AK Niederösterreich-Präsident und ÖGBNÖ-Vorsitzender

Forderungen der Arbeiterkammer

  • Verbesserte Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Eine wichtige Voraussetzung zur Schließung der Einkommensschere zwischen Frauen und Männern ist eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für beide Geschlechter. Durch verstärkte Investitionen in die soziale Infrastruktur kann diese Ursache unfreiwilliger Teilzeitarbeit eingedämmt werden. Konkret gefordert werden der flächendeckende Ausbau von Ganztagsschulen sowie die Bereitstellung von leistbaren (zeitlich flexiblen) und qualitativ hochwertigen Kinderbildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder ab dem 2. Lebensjahr

  • Reallohnsteigerungen: Die Zunahme der Bruttolöhne und -gehälter sollte sich an Produktivitätszuwachs und Inflation orientieren, um den Anteil der Arbeitnehmer:innen am gesellschaftlichen Wohlstand zu sichern. Deutliche Reallohnsteigerungen sind v.a. im Niedriglohnbereich notwendig.

  • Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne: Vor allem in den unteren Einkommensgruppen sind reale Einkommenssteigerungen besonders von Nöten – sowohl um den Lebensstandard der Arbeitnehmer:innen zu heben.
    Alle kollektivvertraglichen Mindestlöhne müssen auf 1.700 Euro angehoben werden, um dem Phänomen Working Poor entgegenzuwirken!
     
  • Veränderung der Arbeitswelt: Verkürzung der Arbeitszeit mit Lohn- und Personalausgleich, um den nicht abgegoltenen Produktivitätszuwachs der letzten Jahre auszugleichen und Arbeitsplätze zu schaffen bzw. die vorhandene Arbeit sowie die Einkommen gleicher zu verteilen! Verteuerung und Abbau von chronischen Überstunden.

  • Aufwertung frauendominierter Berufe: Frauendominierte Berufe sind im Durchschnitt deutlich schlechter bezahlt als männerdominierte. Eine monetäre Aufwertung klassischer Niedriglohnbereiche etwa im Handel, im Beherbergungs- und Gaststättenwesen, in der Erziehung oder im Gesundheits- und Sozialwesen sind dringend nötig! Ein weiterer Ansatzpunkt zur Schließung der Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ist die Auswahl des Berufs und eine stärkere geschlechtliche Durchmischung der Branchen.

  • Einkommenstransparenz in den Unternehmen sowie verstärkt Weiterbildungsangebote, Beförderungen und Führungspositionen auch für in Teilzeit beschäftigte Männer und Frauen: Diese Maßnahmen helfen, die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern als auch zwischen niedrigeren und höheren Einkommen zu schließen.

Kontakt

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AK-Platz 1
3100 St. Pölten

Telefon: +43 5 7171
mailbox@aknoe.at

"Die Auswirkungen der Corona-Krise und steigende Energiepreise belasten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Es muss daher entgegengesteuert werden."

Markus Wieser

AK Niederösterreich-Präsident und ÖGBNÖ-Vorsitzender