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Steueroasen - im Steuersumpf

Wussten Sie, dass ...
  • auf den Virgin Islands auf einen Einwohner 34 Unternehmen kommen?
  • das unversteuerte Finanzvermögen weltweit 26.230 Milliarden Euro beträgt?
  • dieses unversteuerte Finanzvermögen einem Steuerausfall von 230 Milliarden Euro entspricht?
  • Banken und Finanzdienstleister eine wesentliche Rolle bei der Errichtung von Finanzkonstruktionen in Steueroasen spielen?
  • 70 Prozent des Welthandels innerhalb von Unternehmensgruppen getätigt werden?

Was eine Steueroase ist

Für eine Steueroase gibt es keine allgemein gültige Begriffsdefinition. Von der OECD wurden 1998 sehr weit gefasste Merkmale, die eine Steueroase kennzeichnen ausgearbeitet:
Keine oder nur geringe Besteuerung von Kapitaleinkünfte
Keine oder ungenügende Offenlegungs- und Aufsichtspflichte
Eigene steuerliche Regelungen für sogenannte Briefkastenfirmen ohne einen notwendigen Nachweis einer tatsächlichen unternehmerischen Tätigkeit

Fehlender Informationsaustausch mit Finanzverwaltungen anderer Staaten

Das Fehlen konkreter Kriterien zur Definition von Steueroasen ist problematisch. Die Steuerumgehung wird aber vor allem durch die gesetzlichen Regelungen und andere Rahmenbedingungen zur Steuergestaltung unterstützt und ermöglicht. Umfassende Transparenz erfordert nicht nur Offenlegungsverpflichtung von Bilanzen und Firmenbüchern, sondern auch von Konten und Vermögen.

Wo diese Steueroasen sind

Bereits mehr als 70 Staaten gelten nach Angaben von tax justice als Steueroase. Neben den britischen Überseedependancen (zB Bermuda, Kaimaninseln) zählen auch europäische Länder allen voran Luxemburg und die Schweiz, die ihre Stellung in den vergangenen Jahrzehnten sogar ausgebaut haben, wie auch die USA zu den Steueroasen.

Damit diese Steueroasen funktionieren bedarf es aber auch der Finanzplätze wie London, Frankfurt, New York oder Zürich an denen die Geschäfte abgewickelt werden können. Das Errichten von Finanzkonstruktionen und das abschließende Verschieben der Gelder wird sowohl von den großen Banken wie auch von den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften organisiert und unterstützt. Von jenen 50 Banken die an der Schaffung von solchen Finanzkonstruktionen zum größten Teil beteiligt sind, vereinen die ersten 10 dieser Banken mehr als die Hälfte des transferierten Volumens.

Ein weiteres Indiz für eine Steueroase ist die Relation der Einwohnerzahl zur Anzahl der Unternehmen – in diesem Fall vor allem Briefkastenfirmen - in einem Land. Auf den Virgin Islands kommen zum Beispiel auf 1 Einwohner 34 Unternehmen. Zum Vergleich: in Österreich kommen auf 100 Einwohner 4 Unternehmen. Auf den Cayman Islands sind 732 börsennotierte Unternehmen registriert, in Österreich gibt es hingegen „nur“ 120 börsennotierte Unternehmen.

Wieviele Finanzmittel dort geparkt sind

Wegen der Geheimhaltung und der innerstaatlichen Regelungen sind Angaben zum Volumen der geparkten Finanzmittel ungenau und schwierig. Bei den zur Verfügung stehenden Quellen handelt es sich meist um indirekte Quellen die darüber hinaus auch nicht vollständig sind.

Aktuellen Schätzungen zur Folge wird weltweit von einem unversteuerten Finanzvermögen von 26.230 Milliarden Euro (26,230 Billionen Euro) ausgegangen (Henry 2012). Dieser Schätzung liegt eine Analyse zu Grunde, die Geldflüsse von großen Banken in die Steueroasen hinein und wieder heraus untersucht hat. In diesen Geldflüssen sind nicht nur unversteuerte Gelder die auf illegalem Wege außer Landes gebracht wurden enthalten, sondern auch Gelder die in den Herkunftsländern bereits versteuert wurden. Es ist anzunehmen, dass ein großer Teil dieser Geldflüsse aus Schwarzgeldgeschäften, kriminellen Handlungen wie Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und auch aggressiver Steuerplanung von Großunternehmen stammt.

Stellt man die Daten aus dem Jahr 2005 den Daten aus dem Jahr 2010 gegenüber, bedeutet das einen Anstieg von fast 10 Prozent. Unterstellt man diesem geschätzten Finanzvermögen eine Rendite von nur 3 Prozent und einem Steuersatz von 30 Prozent, würde das einem Steuerausfall von 230 Mrd. Euro gleichkommen. Zum Vergleich: die gesamten Steuereinnahmen des Bundes betrugen im Jahr 2012 für Österreich 73 Mrd. Euro.

Wer Steueroasen in Anspruch nimmt

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass ein Großteil der multinationalen Unternehmen, vor allem jene in der Bankenbranche, in einer Steueroase angesiedelt sind, um Steuern zu sparen. Neben den Unternehmen bedienen sich auch vermögende Privatpersonen dieser lukrativen Steuerkonstruktionen, in dem sie ihren Wohnsitz formal in eine Steueroase verlagern.

Wie es funktioniert

Im Unternehmensbereich wird die Gewinnverlagerung von einem Hochsteuerland in ein Niedrigsteuerland vor allem über die Manipulation von Transferpreisen ermöglicht. Die Konzerntochter in einem Niedrigsteuerland verrechnet für ihre erbrachten Dienstleistungen oder gelieferte Güter an das Unternehmen im Hochsteuerland überhöhte Preise. Der Gewinn wird somit buchhalterisch in das Niedrigsteuerland verlagert, der Verlust bleibt im Hochsteuerland zurück. Darüber hinaus werden Ausgaben in bestimmte Länder verschoben, die für diese Ausgaben zum Beispiel Subventionen in Form von Steuerermäßigungen leisten. Ebenso zu den Steuerumgehungsgeschäften zählt die Vergabe von Krediten mit völlig überhöhten Zinsensätzen. Expertenschätzungen (OECD) zufolge sind die Steuerausfälle dadurch enorm. Demnach werden bis zu 70 Prozent des Welthandels innerhalb von Unternehmensgruppen getätigt.

Offshore Leaks aktuell

Nach den Panama Papers ist nun ein neues unvorstellbar umfangreiches Datenpakt im Zusammenhang mit Steueroasen publik geworden. Diese kürzlich vom Internationalen Konsortium investigativer Journalisten untersuchten und nun veröffentlichten Paradise-Papers umfassen eine Datenmenge von 1,4 Terabyte beziehungsweise rund 13,4 Millionen Dokumente. Sie stammen von zwei Offshore-Dienstleistern mit Sitz in Bermuda und Singapur. Inhalt sind die Firmenbücher von 19 Steueroasen wie unter anderen Bermuda, Cayman Island, Aruba und Bahamas, sowie E-Mails, Bankauszüge, Kreditverträge und andere Dokumente.

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