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Gerechtes Einkommen - Warum verdienen Frauen weniger?

Bei der Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. Frauen haben bei der Erwerbstätigkeit aufgeholt. Sie haben Männer in puncto Bildung sogar überholt. Trotzdem sind die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Niederösterreich nach wie vor sehr hoch. An welchen Faktoren das liegt, erklären drei AK-ExpertInnen.


Wie viel verdienen die Niederösterreicherinnen und wie schaut das Einkommen bei Männern aus?

AK-Experte Matthias Koderhold: Frauen verdienen jährlich brutto 40.241 Euro, Männer 51.796 Euro. Das bedeutet, dass das durchschnittliche jährliche Bruttogehalt von Frauen, die in Niederösterreich leben und ganzjährig vollzeitbeschäftigt sind, um 22,3 Prozent unter den Männereinkommen liegt. Die größten Einkommensunterschiede verzeichnet der Bezirk Mödling (-31,6 Prozent). Aber hier wohnen sowohl jene Männer, als auch Frauen mit den höchsten Einkommen in Niederösterreich. Die Männer verdienen im Bezirksvergleich mit Abstand am besten.

Den geringsten Einkommensunterschied weist der Bezirk Waidhofen/Thaya mit -16,6 Prozent auf. Hier ist Einkommensniveau bei beiden Geschlechter allerdings deutlich geringer. 


Einkommensunterschiede in den Bezirken © APA, AK

Die Zahlen beziehen sich auf ganzjährig Vollzeit-Beschäftigte mit Wohnort in Niederösterreich.

Welche Gründe gibt es für den Einkommensunterschied?

Koderhold: Im Allgemeinen lässt sich die Differenz u.a. durch die Be­rufswahl und Branchenstruktur sowie schlechtere Karrierechance, etwa durch Karenzzeiten, erklären. Es gibt jedoch auch Einkommensunterschiede, die nicht durch die genannten Gründe erklärbar sind und auf unterschied­liche Entlohnung aufgrund des Geschlechts zurück­zuführen sind. Werden Merkmale, wie Beruf, Branchenzugehörigkeit, berufliche Funktion, Schulbildung, Berufserfahrung und Familien­stand, berücksichtigt, verbleibt ein Lohnunterschied von etwa 10,7 Prozent, der nicht durch beobachtbare Merkmale erklärt werden kann.  


Wie schaut es mit der Teilzeitarbeit aus?

Koderhold: Die Entwicklung hin zu Teilzeitarbeit trifft in erster Linie Frauen. 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten in Niederösterreich sind Frauen. Nicht genug Kinderbetreuungs-Einrichtungen und nicht passende Öffnungszeiten spielen bei dieser  Entscheidung sicher eine entscheidende Rolle. Jede fünfte Teilzeitbeschäftigte wünscht sich tatsächliche keine Vollzeitstelle.  

Beruftätigkeit der Mütter von Kindern in Betreuung © AK Niederösterreich, C. Rauch-Gessl, AK Niederösterreich

Warum arbeiten Frauen Teilzeit?

AK-Frauenexpertin Maria Krumholz: Oft liegt es an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In den letzten 10 Jahren stieg die Zahl der berufstätigen Mütter. Jedoch mit der Tendenz zu vermehrter Teilzeitarbeit. Auch wenn der Ausbau des Kinderbetreuungsangebots in Niederösterreich voranschreitet und die Anzahl der Kinderkrippen wächst, ist noch viel Luft nach oben. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt in vielen niederösterreichischen Bezirken immer noch oft ein Wunschgedanke.

Anteil der Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen, die mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar sind. © -, AK Niederösterreich

Krumholz: Im Bundesländervergleich liegt Niederösterreich beim Betreuungsangebot für 0- bis 2-Jährige auf den hinteren Rängen. Nur für knapp ein Viertel aller Kinder zwischen 0 und 2 Jahren gibt es geeignete Betreuungsplätze, nur jede fünfte Einrichtung hat auch nach 17 Uhr noch geöffnet, jede vierte vor 7 Uhr Früh.


Neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist Pendeln ein großes Thema in Niederösterreich. Mehr als die Hälfte aller in Niederösterreich wohnenden Beschäftigten pendeln aus dem Bezirk zur Arbeit.  

Gibt es beim Pendeln Unterschiede zwischen Frauen und Männer?

AK-Verkehrsexperte Thomas Kronister: Der Anteil der Frauen, die in derselben Gemeinde wohnen und arbeiten, ist mit 26,9 Prozent höher, als bei den Männern (18,3 Prozent). Bei den Männern pendeln mehr außerhalb des Bezirkes bzw. in ein anderes Bundesland (außer Wien).  

Welche Verkehrsmittel verwenden Frauen und wofür?

Kronister: Dafür können wir nur österreichweite Daten heranziehen und die zeigen deutlich: Frauen sind öfter zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs und sie legen mehr und komplexere Wege zurück. Dh. sie haben Bring- und Holwege oder Erledigungen und Einkäufe zu machen. Männer lenken öfter einen PKW selbst, Frauen hingegen fahren öfters mit.

Pendlerinnen in Niederösterreich © AK Niederösterreich, AK Niederösterreich

Kronister: Interessant ist auch, dass sich in jungen Jahren das Mobilitätmuster von Frauen und Männern nur sehr gering unterscheidet. Mit Kindern ändert es sich: Männer haben mehr Arbeitswege und Frauen hingegen mehr Hol- und Bringdienste. Sind die Kinder über 10 Jahre alt, steigt bei den Frauen der Anteil an Arbeitswegen wieder an. Sie kehren zurück in die Arbeit.


Die Höhe des Einkommens hängt auch mit dem Arbeitsort zusammen. Jedes Jahr schaut sich die AK mit der Einkommensanalyse an, wie viel die Beschäftigten in Niederösterreich verdienen.

Wie sieht der Einkommensunterschied am „Arbeitsplatz Niederösterreich“ aus?

AK-Experte Matthias Koderhold: In Niederösterreich liegt der Unterschied zwischen den Medianeinkommen* der Männer (2.391 Euro) und Frauen (1.611 Euro) bei 780 Euro. Das Einkommen der Frauen ist somit um ein Drittel (32,6 Prozent) geringer als jenes der Männer. Auf die Höhe der Medianeinkommen wirkt sich wesentlich die unterschiedliche Teilzeitquote bei Frauen (NÖ: 48,5 Prozent, Ö: 48,1 Prozent) und Männern (NÖ: 8,4 Prozent, Ö: 10,7 Prozent) aus.

Dennoch kann der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied nicht ausschließlich auf die unterschiedlichen Arbeitszeiten reduziert werden, wie bereits weiter oben bei den Einkommensunterschieden erklärt wurde.

[* Medianeinkommen: die Hälfte aller ArbeitnehmerInnen verdient höchstens diesen Betrag, die andere Hälfte zumindest diesen Betrag. Beim Durchschnittseinkommen wird die Summe aller Einkommen dividiert durch die Anzahl der EinkommensbezieherInnen.] 

Medianeinkommen Frauen und Männer in NÖ © AK Niederösterreich, AK Niederösterreich

Quelle: Hauptverbandsdaten (Arbeitsort), 2016

In welchen Branchen arbeiten die niederösterreichischen Frauen und gibt es da Einkommensunterschiede?

Topbranchen FrauenBeschäftigteMedianeinkommen (mtl., 14 mal)
Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 47.954 1.468 Euro
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung25.3832.350 Euro
Gastronomie19.0811.196 Euro
Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)14.8741.871 Euro
Sozialwesen (ohne Heime)14.3481.587 Euro
Topbranchen MännerBeschäftigte

Medianeinkommen (mtl., 14 mal)

Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstige Ausbaugewerbe32.5032.307 Euro
Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)29.5392.500 Euro
Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)19.3721.984 Euro
Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen17.1791.976 Euro
Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften16.5572.127 Euro

 

Koderhold: Männer verdienen sowohl im Großhandel, als auch im Einzelhandel mehr als die Frauen. Das ist zum Gutteil auf die Arbeitszeit zurückzuführen. Österreichweit liegt der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen im Großhandel bei 40 Prozent und im Einzelhandel 62 Prozent. Bei Männer ist der Anteil 10 Prozent im Großhandel und 20 Prozent im Einzelhandel.

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