21.4.2017

Dienstfreistellungen sind keine Minusstunden

Vom Arbeitgeber angeordnete Dienstfreistellungen sind keine Minusstunden, die den Beschäftigten willkürlich finanziell in Abzug gebracht werden können. Dies wurde der Arbeiterkammer Niederösterreich einmal mehr gerichtlich bestätigt. Betroffen war eine junge Floristin, die von ihrer Chefin immer wieder bei zu wenig Arbeit nachhause geschickt wurde. Nachdem sie gekündigt wurde, wollte man ihr die fehlenden Stunden auch noch vom Lohn abziehen. "Der Frau wurden 1.160 Euro zu Unrecht vorenthalten. Durch den kostenlosen Rechtsschutz konnten wir die Ansprüche für die Frau rasch sichern und sie bekam ihr Geld", so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.

Über 18 Monate hinweg wurde die junge Floristin aus dem Süden Niederösterreichs immer wieder wegen mangelnder Arbeit von ihrer Chefin nach Hause geschickt. Rund um stark frequentierte Tage wie Valentinstag, Muttertag oder Allerheiligen mussten diese vermeintlichen Minusstunden teilweise wieder eingearbeitet werden. Als der Frau gekündigt wurde, wurden ihr in der Endabrechnung 135 Minusstunden sowie acht Urlaubstage abgezogen, die jedoch nicht konsumiert worden waren.  Begründung des Dienstgebers: Die erwähnten Dienstfreistellungen. 

„Im Gesetz ist jedoch klar geregelt, dass vom Arbeitgeber angeordnete Dienstfreistellungen bezahlt werden müssen und nicht als Minusstunden oder verbrauchte Urlaubstage abgezogen werden dürfen“, sagt Arbeitsrecht-Berater Christian Fuchs. Nachdem die ehemalige Arbeitgeberin einen entsprechenden Hinweis ignoriert hatte, gewährte die AK Niederösterreich der gekündigten Floristin den kostenlosen Rechtsschutz. Nach gerichtlicher Aufforderung wurden die eingeklagten 1.160 Euro rasch überwiesen.