Private Pensionsversicherung: Zahlt sie sich aus?

Private Rentenversicherungen zahlen sich aufgrund der hohen Kosten und der derzeit niedrigen Zinsen bei der Veranlagung kaum aus. Sie sind ein Verlustgeschäft, außer man wird sehr alt und bezieht somit eine ent­sprechend lange Rente.

Eine AK Studie bei sieben Versicherern zeigt: Renditen und Garantien sind im Keller. Das garantierte Kapital am Ende der Prämienzahlungsdauer ist fast durch­­wegs geringer als die Summe der einbezahlten Prämien.

Am Ende bleibt weniger übrig als einbezahlt

Die Renditen (Effektivverzinsung) und die Garantiezinssätze sind auf einem historischen Tiefstand. Die effektive Garantieverzinsung, also die Zinsen ab­züg­lich der Kosten, sind bei allen Anbietern zum Ende der Ansparphase ne­ga­tiv. Der Grund: Das garantierte Kapital am Ende der Prämienzahlung ist ge­ring­er als die Summe der einbezahlten Prämien.

7 Versicherer getestet

Die AK hat die Rentenversicherungstarife von sieben Versicherern auf den Prüf­stand genommen, und zwar von Allianz, Ergo Versicherung, Generali, Raiff­eisen Versicherung, s-Versicherung, Uniqa, Wiener Städtische. Es wurden zwei Testmodelle angenommen – eine Frau (geboren 1986) und ein Mann (geboren 1981) zahlen bis zum Lebensalter 60 bzw. 65 Jahre insgesamt 30 Jahre lang eine Prämie von 100 Euro im Monat (bzw. 36.000 Euro für die gesamte An­spar­dauer) ein. Die Versicherer kalkulieren derzeit in den angebotenen Tarifen mit einer unverbindlichen Gesamtverzinsung zwischen 2,5 und 3,25 Prozent für die Testmodelle. Was für KundInnen tatsächlich übrig bleibt, sagt die effektive Gesamtverzinsung nach Abzug der anfallenden Kosten aus. Die effektive Ge­samt­ver­zins­ung inklusive Gewinnbeteiligung beträgt laut AK Erhebung zwi­schen 1,24 und 2,60 Prozent – durchschnittlich 1,87 Prozent. Das mag zwar nicht so schlecht klingen, ist aber unverbindlich und vertraglich nicht zu­ge­sich­ert.

Immer weniger bieten Garantiezinssatz an

Die vertraglich garantierten Leistungen (Garantiekapital, garantierte Rente) er­rechnen sich aus dem Rechnungszinssatz (derzeit maximal ein Prozent). Nach­teilig für die KundInnen ist, dass immer mehr Anbieter dazu übergehen, Tarife mit null Prozent Rechnungszins (Garantiezinssatz) anzubieten. Das hat zur Folge, dass das garantierte Kapital am Ende der Prämienzahlung unter der Prämiensumme liegt – der effektive Garantiezinssatz ist somit negativ.

Nur wer lange lebt, bekommt mehr zurück als einbezahlt

Wählt man nach 30 Jahren Prämienzahlung die Rentenoption, dann rechnet der Versicherer eine lebenslange garantierte Rente sowie eine Rente inklusive Gewinnbeteiligung vor. Das Fazit aus den vorgerechneten lebenslangen Renten: Der Versicherungsnehmer muss sehr alt werden, damit die Summe der erhaltenen Renten die Summe der einbezahlten Prämie übersteigt.

Beispiel

Laut AK Studie würde die Frau eine garantierte lebenslange Rente von im Schnitt (Median) rund 95 Euro pro Monat bekommen – sie müsste aber 91,5 Jahre alt werden, damit sie ihre Prä­mien­ein­zahl­ung­en überhaupt einmal herinnen hat. Wenn sie die unverbindlich vorgerechnete Rente inklusive Gewinnbeteiligung bekommt, würde sie im Schnitt rund 152 Euro im Monat bekommen – sie müsste 79,7 Jahre alt werden, damit sich einmal die bezahlte Prämiensumme amortisiert hat.

Hohe Spesen, niedrige Erträge

Wenn die Erträge auf dem Geld- und Kapitalmarkt niedrig sind, ist die Kost­en­be­last­ung nicht zu vernachlässigen. Laut Erhebung gehen von 100 Euro an monatlicher Prämienzahlung nur zwischen 83,78 und 90,04 Euro in die Ver­an­lag­ung – mit diesem sehr unterschiedlichem Sparanteil der Prämie können die Versicherungen zinswirksam arbeiten. Das bedeutet, dass je 100 Euro Prämie zwischen 9,96 und 16,22 Euro für Kosten, Steuer und eine allfällige Risiko­prämie anfallen. Aufgrund der niedrigen Erträge auf dem Markt wachsen die Erträge der Rentenversicherungen nicht in den Himmel. Von drei Ver­sich­er­ung­en konnte kein Sparanteil eruiert werden.

Positiv ist allerdings: Es gibt immer mehr Tarife, die eine Verteilung der Ab­schluss­kost­en auf die gesamte Laufzeit vorsehen. Dieser Kosteneffekt steigert die Rendite.

Rentenoption muss passen

Bei der Rentenversicherung kann aus einer Vielzahl von verschiedenen Ren­ten­optionen ausgewählt werden. Ob lebenslange Rente, Rentenzahlung mit Witwenübergang, verkürzte Rentenzahlungsdauer - alle Varianten haben Vor- und Nachteile. Die Auswahl der optimalen Rentenoption hängt von der per­sön­lich­en Einschätzung und der Lebenslage ab und bedarf einer guten Be­rat­ung vor Abschluss, aber auch während der Laufzeit.

AK Tipps zur (privaten) Pensionsvorsorge

Nichts überstürzen!

Ein Neuabschluss einer privaten Altersvorsorge sollte äußerst gut überlegt sein, weil Kündigungen von lang laufenden Verträgen kostspielig sind.

Wie hoch wird meine staatliche Pension sein?

Der AK Pensionsrechner hilft Ihnen, Ihre Pensionshöhe abzuschätzen. 

Welche Alternativen gibt es?

Beschäftigten Sie sich auch mit möglichen Alternativen zur Lebens­ver­sich­er­ung als Vorsorge. Das ist – neben anderen privaten Vorsorgeprodukten – der Nachkauf von Versicherungszeiten und die freiwillige Höherversicherung. Sie können dazu führen, dass die staatlichen Pensionszahlungen ansteigen. 

Tarife vergleichen

Um Tarife vergleichen zu können, müssen die Vorgaben in den Angeboten identisch sein. Die Transparenz und der Angebotsvergleich werden durch neue Informationsvorschriften erleichtert. Gesetzlich geregelt ist nun...

  • die verpflichtende Angabe eines effektiven Garantiezinssatzes: Er sagt aus, wie viel vom Garantiezins nach Abzug der Kosten übrigbleibt. Dieser Wert war bei den eingeholten Angeboten fast durchwegs negativ, weil eben die vertraglich garantierte Ablaufleistung geringer war als die Summe der einbezahlten Prämien. 

  • die effektive Gesamtverzinsung nach Abzug der Kosten: Sie basiert auf den unverbindlichen Gewinnannahmen der Versicherungen.

  • ... die Angabe, wie sich die Prämie zusammensetzt: Wie hoch ist der Spar­anteil der Prämie? Welcher Anteil der Prämie wird wirklich zinswirksam ver­an­lagt? Wie viel machen die Anteile der Steuer, Kosten und Risikoabdeckung aus?

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