02.03.2017
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Banken: Jeder Handgriff kostet extra!

Die Spesen auf dem Girokonto sind hoch und zum Teil ziemlich gestiegen, die Überziehungszinsen sind exorbitant, die Habenzinsen bei nahezu null Prozent. Bei den Spesen im Zahlungsverkehr, für Sparprodukte, Kredite und Wertpapiere wurde ebenfalls an der Preisschraube gedreht, teilweise sehr kräftig. Das zeigen AK Analysen und der AK Bankenmonitor. „Bankgeschäfte kosten an allen Ecken und Enden“, konstatiert AK Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic. „Einerseits werden Bankfilialen großflächig geschlossen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen unter Druck, werden abgebaut und Kundinnen und Kunden geradezu in die Selbstbedienung gedrängt. Auf der anderen Seite sind viele Preise in der Kontoführung nicht inkludiert, für jeden Handgriff wird extra kassiert. Die Spesen für Konto und Zahlungsverkehr steigen und steigen. Zinsen für ein Plus auf dem Konto gibt’s kaum, aber dafür schlagen die Zinsen beim Überziehen kräftig zu Buche. Da noch Bankomatgebühren einzuführen, das wäre inakzeptabel. Das wäre lediglich eine neue weitere Kostenkeule und überhaupt nicht gerechtfertigt“, so Zgubic. Die AK verlangt: Keine Extra-Bankomatspesen, faire Preispolitik bei Konten, Zinsen und Dienstleistungen im Zahlungsverkehr und eine Deckelung der teuren Minuszinsen bei Kontoüberziehung.

Spesenfalle Girokonto

Ein neues Girokonto kostet derzeit zwischen null und 238,80 Euro. Das zeigt ein aktueller AK Preismonitor bei 19 Banken in Wien für NormalnutzerInnen (280 Buchungen pro Jahr).  

Während ein Gehaltskonto (ohne Kontoüberziehung) im Vorjahr im Schnitt 108,46 Euro pro Jahr kostete, waren es im Jänner 2015 im Schnitt 88,08 Euro. „Das entspricht einer Erhöhung der jährlichen Kontokosten um rund ein Viertel“, rechnet AK Konsumentenschützer Christian Prantner vor.  

„Viele Preise sind in der Kontoführung nicht inkludiert, sondern werden extra verrechnet“, so Prantner. So häuften sich etwa jüngst die Beschwerden in der AK Konsumentenberatung für die Nichtdurchführung von Überweisungen wegen angeblich fehlerhafter – nicht leserlicher – Unterschriften. Es wurden Spesen von 6,90 Euro verrechnet. Aber auch wenn ein Dauer- oder Lastschriftenauftrag mangels Kontodeckung nicht durchgeführt werden kann, sind die Spesen saftig – bis zu 11,35 Euro.

Girokonto: „Minuszinsen“ im Hoch, Habenzinsen im Dauertief

Die Überziehungszinsen auf dem Girokonto sind extrem teuer. „Trotz niedriger Geld- und Kapitalmarktzinsen sind die Zinsen für die Kontoüberziehung auf einem hohen Niveau festgeklebt“, erklärt Zgubic. Wer ein „Plus“, auf seinem Konto hat, bekommt – wenn überhaupt – nur Mini-Zinsen. „Beim Absenken der Habenzinsen sind die Banken immer schnell, bei den Überziehungszinsen hingegen hinken sie mehr als hinten nach“, stellt Zgubic fest.

So entwickelten sich die „Plus-“ und „Minuszinsen“ im Vergleich zum Leitzins

So entwickelten sich die „Plus-“ und „Minuszinsen“ im Vergleich zum Leitzins © AK, Wien

AK Bankenmonitor: Spesenkarussell dreht sich munter weiter

Die AK hat die Preise und Entgelte von 53 Dienstleistungen im Zahlungsverkehr für Sparprodukte, Kredite und Wertpapiere bei zwölf Banken in Wien im November-Jahresvergleich (2015/2016) getestet: Acht von zwölf untersuchten Banken in Wien haben an der Preisschraube gedreht. Die Preise sind bei drei bis 15 Gebühren (durchschnittlich zehn) in die Höhe gegangen. Teilweise gab es üppige Verteuerungen.  

Konkret zeigt der AK Bankenmonitor: Nur ein Drittel der zwölf Banken hat im Vergleichszeitraum keine Preiserhöhungen durchgeführt: ING DiBa, Santander Consumer Bank, Volksbank Wien und WSK Bank. Drei Banken haben zumindest eine Gebühr abgeschafft (Volksbank Wien, Raiffeisen, BAWAG P.S.K.). Die Hypo NÖ hat einen Spesensatz von zehn auf 7,50 Euro gesenkt.  

Acht Banken haben ihre Preise für die unterschiedlichsten Dienstleistungen in die Höhe geschraubt, teilweise exorbitant: BAWAG P.S.K., bankdirekt.at, easybank, Erste Bank, Bank Austria, HYPO NÖ, Generali Bank, Raiffeisenlandesbank Wien-NÖ. Neben einigen Neueinführungen betrugen die Top 15 Spesenerhöhungen zwischen 20 und 184 Prozent. 

Top 15 Spesenkaiser

BankSpesenartalter Preis in Euroneuer Preis in EuroVerteuerung um
BAWAG P.S.K.Neuanlage Lastschriftauftrag am Schalter03,9Neueinführung
BAWAG P.S.K.SB-Kontoauszug00,39Neueinführung
BAWAG P.S.K.Überweisung am Schalter1,022,9184,31%
BAWAG P.S.K.Bareinzahlung am Schalter (eigenes Konto)1,022,9184,31%
BAWAG P.S.K.Bankomatauszahlung (Buchungsgebühr)0,150,39160,00%
BAWAG P.S.K.Änderung/Schließung Dauerauftrag am Schalter2,393,963,18%
BAWAG P.S.K.Bearbeitungsentgelt Verlassenschaft19,63053,06%
BAWAG P.S.K.Barauszahlung am Schalter2,042,942,16%
BAWAG P.S.K.Kontoführungsgebühr Privat- oder Wohnbaukredit9,913,940,40%
easybankGebühr für 1. Mahnung304033,33%
Bank AustriaBareinzahlung am Schalter (fremdes Konto, selbe Bank)4,7627,66%
Erste BankSchätzkosten Wohnimmobilie (Mindestgebühr)28035025,00%
Bank AustriaBareinzahlung am Schalter (fremdes Konto, andere Bank)5,26,525,00%
BAWAG P.S.K.Jahresgebühr Bankomatkarte (wenn nicht bereits in der Kontoführung enthalten)24,063024,69%
easybankGebühr für 2. und 3. Mahnung506020,00%

Vor allem die Teuerungen im Zahlungsverkehr sind auffallend. Drei markante Beispiele: Während eine Abhebung am Bankomat oder Foyerautomat in rund der Hälfte der Fälle keine Extrakosten verursacht, verlangen alle Kreditinstitute bei einer Barbehebung am Schalter eine Gebühr – bis zu 2,90 Euro (BAWAG P.S.K.) pro Transaktion.  

Bei einer händisch beauftragten Überweisung reicht die Bandbreite der Gebühren von null (easybank) bis zu drei Euro (ING DiBa). Im Durchschnitt fallen immerhin 1,10 Euro an.  

„Immer mehr Banken kassieren Gebühren, wenn sich Kundinnen und Kunden ihren Kontoauszug beim Auszugsdrucker selbst ausdrucken“, sagt Prantner. „Das ist ein großes Ärgernis.“ Zwei Banken (BAWAG P.S.K. und Volksbank Wien) verrechnen je nach Kontomodell für dieses „Service“ bereits ein gesondertes Entgelt. Beim Klassikkonto der Volksbank Wien sind zwei Auszüge pro Monat inkludiert – danach werden 19 Cent pro Ausdruck verlangt. Die BAWAG P.S.K. verrechnet bei allen neu angebotenen Kontoprodukten (von KontoBox Small bis KontoBox XLarge) eine Gebühr ab dem zweiten Auszug pro Monat – das kann mit 39 Cent pro Stück schnell ins Geld gehen. Als Alternative wird den KundInnen die rein elektronische Variante empfohlen (PDF-Auszug), die sie sich über ihren Internetbanking-Zugang herunterladen können; Spesen fallen dafür (noch) bei keiner Bank an.

Warum eine Bankomatgebühr ungerechtfertigt ist

1. Beträchtliche Mehrkosten: Die Einführung einer flächendeckenden Bankomatgebühr von etwa zwei Euro pro Behebung würde die Kosten für Österreichs BankkundInnen erheblich verteuern:   

Für jede/n einzelne/n BankkundIn: Bei einem/r NormalnutzerIn mit momentan jährlichen Kontokosten von durchschnittlich 108 Euro würden sich durch eine Extra-Bankomatgebühr von angenommen zwei Euro (50 Abhebungen im Jahr) die jährlichen Kontokosten verdoppeln – von 108 Euro auf 208 Euro. „Klar ist, dass sozial schwache Personen und auch Pensionistinnen und Pensionsten, die Bargeld bevorzugen, besonders zur Kasse gebeten werden“, erklärt Zgubic.

Für alle BankkundInnen: Eine flächendeckende Bankomatgebühr macht nicht nur für jeden Einzelnen, sondern in Summe viel aus. Laut unseren Berechnungen – auf der Basis von rund 150 Millionen Behebungen pro Jahr an Bankomaten (laut OeNB) – würde eine Extragebühr von zwei Euro pro Behebung Mehrkosten von jährlich 300 Millionen Euro für Österreichs Kontoinhaberinnen und Kontoinhaber ausmachen.

Modellrechnung © AK, Wien


2. Schon jetzt wird Kasse gemacht: Die KundInnen zahlen schon seit vielen Jahren für diverse Transaktionen wie Bankomatabhebung ohnehin bereits Kontoführungs- oder Postengebühren. Sie zahlen auch eine jährliche Gebühr für eine Bankomatkarte. Der Preis dafür – entweder in der Kontoführungsgebühr inkludiert oder gesondert zu bezahlen – beträgt laut aktuellem AK Bankenmonitor 12,65 bis 30 Euro. Im Schnitt kostet eine Bankomatkarte 20,85 Euro. 

3. Schalterabhebung noch teurer: Der AK Bankenmonitor zeigt: Eine Barbehebung am Schalter – also das Abheben vom eigenen Konto – kostet zwischen 0,30 und 2,90 Euro (durchschnittlich 1,52 Euro). Das bedeutet: Die Barbehebung am Schalter kostet das rund 15-Fache einer (durchschnittlich) teuren Bankomatbehebung. Die Barbehebung am Schalter ist bei weitem keine preiswerte Alternative. 

4. Mit Zinsen verdienen: Zur Kalkulation eines Kontos gehören nicht nur Spesen und Gebühren, die Banken verdienen auch kräftig an den Zinsen. Die Zinsen fürs Überziehen sind hoch, die Zinsen für Guthaben bei nahezu null. Am Kontominus verdienen die Banken viel: Bei 5,2 Millionen Gehalts- und Pensionskonten ist davon auszugehen, dass 35 Prozent ihr Konto entweder einmal, immer wieder oder ständig überziehen (laut BMASK). Bei einem Minus von durchschnittlich zwischen 1.000 und 2.000 Euro pro Jahr betragen die Zinsen für die Kontoüberziehung zwischen 182 und 360 Millionen Euro pro Jahr, laut AK Berechnungen.

Faire Preise – Nein zu Bankomatgebühren

„Wir wissen, dass auch die Bankangestellten einem großen Druck ausgesetzt sind und immer mehr Filialen geschlossen werden“, sagt AK Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic. „Das ist eine unerfreuliche Entwicklung. Indessen werden die Kundinnen und Kunden weg vom Schalter hin zu den Automaten im Foyer gelenkt. Sie sollen sich einerseits vieles selber erledigen, andererseits wird alles teurer.“  

1. Klares Nein zu Bankomatgebühren: Der Zugang zum eigenen Geld, die Abhebung vom eigenen Konto am Bankomat darf nichts extra kosten. Die AK ist strikt gegen Bankomatgebühren, auch wenn sich die Bundeswettbewerbsbehörde jüngst gegen ein Verbot dieser Gebühren ausgesprochen hat. Sollte eine Regulierung – wie von Sozialminister Alois Stöger vorgeschlagen – allerdings nicht greifen, müsste es zu einem gesetzlichen Verbot von Bankomatgebühren kommen. Der Bankomatbetreiber „Euronet“ verlangt für Behebungen an seinen österreichischen Bankomaten eine direkte Gebühr von 1,95 Euro pro Abhebung. KonsumentInnen zahlen doppelt: Die Bankomatbehebung ist nämlich auch bei der Hausbank nicht “gratis“. Je nach Kontoprodukt bezahlen die KundInnen entweder eine Posten- bzw. Zeilengebühr (Konten mit Einzelpreisverrechnung) oder die Bankomatbehebung ist pauschal über die Kontoführungsgebühr (Konten mit Pauschalpreisverrechnung) abgegolten.  

2. Faire Preispolitik bei Dienstleistungen im Zahlungsverkehr: KonsumentInnen müssen ohnehin schon immer mehr Bankgeschäfte selbst durchführen. Daher müssten etliche Entgelte, vor allem für Dienstleistungen in Selbstbedienung, preisgünstiger werden. Stattdessen drehen die meisten Banken die Gebührenschraube „nach oben.“ Das benachteiligt finanzschwache BankkundInnen und jene, die Schaltergeschäfte bevorzugen. Die AK wird jedenfalls weiter ein Auge auf die Bankpreise haben, den KonsumentInnen Tipps geben und bei ungebührlichen Erhöhungen oder unfairen Klauseln in Verträgen oder Geschäftsbedingungen rechtliche Schritte prüfen, etwa Abmahnungen oder Musterprozesse.

3. Deckelung der „Minuszinsen“: Es braucht eine verbraucherfreundliche Regelung bei den Zinsen für die Kontoüberziehung. Alle AK Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen: Die Zinsen für die Kontoüberziehung sind im Schnitt wenig gefallen – trotz zum Teil negativer Zinssätze des für viele Finanzverträge maßgeblichen Euribor-Satzes. Für die Banken sind die Zinsen der Kontoüberziehung ein gutes Geschäft, für die BankkundInnen ist es ein teures Geschäft. Die AK verlangt eine Regulierung der Zinsen – denkbar ist, die Zinsspannen (also die Aufschläge auf den Refinanzierungszins) zu deckeln. 

5 Tipps für KonsumentInnen

TIPPs
  • Gesamtkosten im Auge behalten: Prüfen Sie Ihr eigenes Konto-Nutzerverhalten. Wenn Sie einen Wechsel zu einer neuen Bank überlegen, vergleichen Sie die Kontokonditionen genau. Seit September 2016 ist der Bankwechsel leichter – es gibt klare Spielregeln.

  • Pauschal ist nicht gleich pauschal: Auch bei Pauschalverrechnung können Extrakosten anfallen. Kontrollieren Sie, ob alle oder nur ganz bestimmte Buchungen kostenlos sind.

  • Zinsen für „Plus“ und „Minus“ verhandeln: Haben Sie Ihr Konto überzogen, versuchen Sie den Zinssatz (Sollzinsen) zu verhandeln. Persönliche Bonität, langjährige Kundenbindung und Verhandlungsgeschick sind entscheidend. Bei Habenzinsen gibt es ebenfalls Verhandlungsspielraum.

  • Das sollten Sie umgehen: Vermeiden Sie die Nichtdurchführung von Dauer- und Einziehungsaufträgen mangels Kontodeckung – das kann bis zu rund elf Euro ausmachen. Auch Barbehebungen oder Bareinzahlungen am Schalter sind sehr teuer.

  • Preise vergleichen: Mit dem AK Bankenrechner unter www.ak-bankenrechner.at finden Sie das günstigste Girokonto.

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