Basen gegen Übersäuerung?

Konsumenten sind häufig mit zwei konträren Ansätzen konfrontiert: Die einen behaupten Fastfood und ungesunde Lebensweise können zur Übersäuerung führen. Dagegen sollen Basen-Produkte helfen. Die anderen halten Nahrungsergänzungen nicht für notwendig. Zudem wäre der Nutzen zweifelhaft. Das sorgt für Verunsicherung.

Azidose und Blut-pH-Wert

Eine Azidose liegt vor, wenn der pH-Wert des Blutes unter den normalen Bereich absinkt. Vorübergehend tritt das bei intensiver körperlicher Belastung auf. Klinisch relevant ist eine Azidose aber nur bei schweren Erkrankungen, wie z.B. Niereninsuffizienz, Diabetischem Koma oder schwerem Asthma und wird dabei ausschließlich vom Arzt behandelt.

Beim gesunden Menschen wird der pH-Wert des Blutes jedoch durch ein effizientes Puffersystem, die Nieren und vor allem auch über die Atmung immer im Normalbereich von 7,35 – 7,45 gehalten. Ein ständiger saurer Blut-pH-Wert würde zu deutlichen Störungen v.a. im Stoffwechsel und in der Erregbarkeit von Zellen führen.

Der pH-Wert des Bindegewebes

Der Begriff der "Übersäuerung" wird hingegen vorwiegend im Zusammenhang mit dem pH-Wert des Bindegewebes verwendet. Stark vereinfacht ausgedrückt, geht man davon aus, dass durch einen schlechten Lebensstil, insbesondere eine einseitige Ernährung, die Puffersysteme des Blutes und des Bindegewebes überlastet werden und Säuren im Bindegewebe zwischengelagert werden. So lange, bis wieder ausreichend Basen zur Verfügung stehen, um die überschüssigen Säuren abzutransportieren.

Übersäuerung schwer messbar

„Eine Übersäuerung des Bindegewebes, also ein Abfall des pH-Wertes, könnte nur mit sehr aufwändigen Methoden gemessen werden“, so ao. Univ.-Prof. Dr. Cem Ekmekcioglu von der Medizinischen Universität Wien. Das sei im Alltag nicht durchführbar. Oft wird behauptet, der pH-Wert des Harns gäbe direkt Auskunft über den pH-Wert des Bindegewebes. Doch das stimme so nicht; auch dann nicht, wenn es eine 24-Stunden-Harn-Messung wäre. 

Daher, so der medizinische Standpunkt, kann in der Praxis niemand sicher sein, ob tatsächlich eine Übersäuerung des Bindegewebes beim Gesunden vorliegt. Als Konsument ist man somit mehr oder weniger auf Vermutungen angewiesen.

Was enthalten Basen-Produkte?

Basen-Produkte enthalten basische Mineralsalze von Magnesium (z.B. Magnesiumcitrat) und Kalzium (z.B. Kalziumcitrat), weiters oft Kalium, Zink und manchmal auch andere Substanzen wie Selen, etc. 

Den basischen Anteil stellen dabei die natürlichen Basen, wie z.B. das basenbildende Citrat oder Carbonate dar. Citrate haben den Vorteil, dass sie die Magensäure schonen, also nicht neutralisieren.

Der zweite Anteil der Verbindungen besteht aus Mineralstoffen, wie Magnesium oder Kalzium. Für deren Aufnahme in den Organismus ist es eher egal, in welcher Form sie vorliegen – ob als Citrat, als Hydrogenphosphat oder als Carbonate. 

Wichtig

Einen ausreichenden Nachweis, dass Basen-Produkte bei einer angeblichen Übersäuerung des Bindegewebes beim Gesunden helfen, gibt es noch nicht. 

Basen-Supplementierung

„Ein gesunder Mensch braucht keine basische Nahrungsergänzung“, sagt Prof. Ekmekcioglu. „Sogar dann, wenn es bei intensiver körperlicher Belastung zu einer vorübergehenden Übersäuerung kommt, erfolgt binnen kurzer Zeit eine Normalisierung. D.h. nicht einmal Sportler benötigen eine Supplementierung mit Basen.“

Mögliche Nebenwirkungen

„Wenn Basen aus Basen-Produkten bereits im Magen mit der Magensäure reagieren und sie neutralisieren, können Verdauungsstörungen die Folge sein“, so Prof. Ekmekcioglu. Daher sollten sie nicht zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Außer die Mineralstoffe liegen in Verbindungen vor, die die Magensäure wahrscheinlich nicht beeinflussen, wie z.B. Citrate. Bei Erkrankungen, die mit einer Alkalisierung des Körpers einhergehen, wie chronisches Erbrechen bei z.B. Essstörungen wird von Basen-Produkten eher abgeraten.

Was ist die Alternative?

Es klingt zwar wenig sensationell – aber eine ausgewogene Ernährung ist der beste Schutz vor Übersäuerung. Wenn Sie meinen, dass Ihr Organismus übersäuert sei, dann gönnen Sie ihm einfach eine Extra-Portion Obst und Gemüse.

Aus Lebensmitteln können nämlich Säuren und Basen entstehen; je nachdem, ob im Stoffwechsel eher Säuren (H+ - Ionen), die über die Nieren eliminiert werden, oder Basen (OH- -Ionen) gebildet werden.

Zu den säurebildenden Lebensmitteln zählen vor allem Fleisch und Fleischprodukte und Getreide. Basenbildende Lebensmittel sind dagegen die meisten Obst- und Gemüsesorten.

TIPP

Es sollte daher auf eine gesunde Ernährung mit täglich ca. 4-5 Portionen Obst und Gemüse geachtet werden. Als Portion gilt dabei „eine Handvoll“. Eine Portion davon kann auch als Saft getrunken werden.


Ernährungspyramide

Hier geht es zur AK-Broschüre: "Nachhaltigkeit mit Messer und Gabel". Darin finden Sie die Ernährungspyramide (Seite 10) mit Angaben, in welcher Menge die einzelnen Lebensmittelgruppen auf dem täglichen Speiseplan stehen sollten. Denn z.B. Getreideprodukte bilden zwar im Körper Säuren, sind aber für eine ausgewogene Ernährung sehr wichtig - insbesondere Vollkornprodukte. Der Körper benötigt beides: Säuren wie Basen - aber v.a. die in den Lebensmitteln  enthaltenen Nährstoffe.