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Hohe Heizkosten trotz Niedrigenergiestandard?

Nicht immer ist ein geringer Energieverbrauch und eine gute Wärmedämmung des Hauses auch automatisch mit niedrigen Heizkosten verbunden. Denn es spielen noch andere Parameter eine Rolle.

Paradoxon 1

Zwischenzeitlich bewohnen viele Mieter neue moderne Mietwohnungen auf Niedrigenergiestandard, die mit umweltfreundlichen Methoden, z.B. Fernwärme, beheizt werden. Dennoch fürchten sie die alljährliche Heizkostenabrechnung, weil ihnen hier regelmäßig hohe Kosten verrechnet werden, die oft sogar die Summe übersteigen, die man in einer wesentlich schlechter gedämmten Wohnung, die noch mit fossilen Brennstoffen beheizt wird, bezahlen muss.

Die Verwunderung bei diesen Mietern steigt dann noch mehr, wenn sie sich die Abrechnung im Detail ansehen und feststellen, dass sie tatsächlich so wenig Energie verbraucht haben, wie es auf Grund der guten Dämmung zu erwarten war. Dennoch fallen die Heizkosten heftig aus. Das kann doch nicht sein! Oder etwa doch?

Paradoxon 2

Im ersten Schock geht man sogleich zum Nachbarn und vergleicht die Abrechnungen. Der Nachbar, der auch im Winter gerne subtropische Temperaturen in seiner Wohnung mag, hat viel mehr Energie verbraucht, zahlt aber kaum mehr an Heizkosten bzw. im Extremfall sogar weniger. Das soll eine umweltfreundliche Heizung sein, wenn sich hoher Verbrauch kaum auf die Abrechnung auswirkt und daher keinerlei Anreiz bietet, Energie zu sparen?

Des Rätsels Lösung

Was diese Mieter nicht wissen, ist der Umstand, dass das, was ihnen verrechnet wird, nur untergeordnet etwas mit tatsächlichen Heizkosten zu tun hat und ein wesentlicher Teil der Heizkostenabrechnung aus einer versteckten Mietzinskomponente besteht.

Bei vielen Formen umweltfreundlicher alternativer Heizmethoden erspart sich der Bauträger, eine zentrale Heizanlage zu errichten. Er muss für die Leitungen im Gebäude sorgen, den Rest erledigt der Energieversorger, der die gesamte benötigte Infrastruktur errichtet. Das macht er aber natürlich nicht gratis, sondern er schließt mit der Hausverwaltung langfristige Verträge ab, bei denen jährlich hohe Grundgebühren zu bezahlen sind. Das ist nichts anderes als eine Anlagenmiete, und ein wesentlicher Teil der Heizkosten der Mieter besteht folglich aus Mietkosten für die Heizanlage.

Diese Grundgebühr zählt zu den Fixkosten und wird im Wesentlichen unabhängig vom Verbrauch nach Wohnfläche verteilt. Der verschwenderische Nachbar kommt also dann zu einer niedrigeren Heizkostenabrechnung als der sparsame, wenn er schlicht die kleinere Wohnung hat. Die echten Verbrauchskosten machen vergleichsweise nur einen weniger bedeutenden Teil an den Gesamtkosten aus.

Zusätzlich gibt es noch einen zweiten Kostentreiber: Die Erstellung der Heizkostenabrechnung gehört zu den Aufgaben der Hausverwaltung. Diese hat aber keinen Zugriff zur externen Heizanlage und kann die Abrechnung folglich gar nicht machen. Der Energieversoger hingegen beschäftigt kein Personal, das Hausverwaltungsaufgaben ausführen könnte. Die Lösung in der Praxis sieht so aus, dass Subfirmen herangezogen werden, welche die Ablesungen und Abrechnungen durchführen. Diese Subfirmen bekommen dafür ein stattliches Honorar, das dann ebenfalls über die Heizkosten an die Mieter verrechnet wird.

Was kann man als Mieter dagegen tun?

Die ernüchternde Antwort darauf lautet: Fast nichts.

Die langfristigen Verträge mit dem Energieversorger sind im Regelfall während ihrer Laufzeit unkündbar. Es bringt den Mietern auch nichts, auf die Nutzung der Fernwärme zu verzichten und sich z.B. einen Schwedenofen aufzustellen. Auf diese Weise spart man nur die Verbrauchskosten, die ohnehin nur einen untergeordneten Teil der Heizkosten ausmachen. Die Fixkosten bleiben.

Das Zauberwort in diesem Zusammenhang heißt Kostenwahrheit. Wenn man sich für eine gut gedämmte Wohnung interessiert, darf man sich vom guten Energieausweis nicht blenden lassen, sondern sollte sich bereits vor Mietvertragsabschluss genau beim Vermieter erkundigen, mit welchen Fixkosten bei der Heizung zu rechnen ist. Gute Wärmedämmung alleine garantiert noch keine niedrigen Heizkosten. Nur wenn man die zu erwartenden Kosten genau kennt, kann man eine fundierte Entscheidung darüber treffen, ob die Wohnung zur Anmietung attraktiv ist, und man erspart sich dann unliebsame Überraschungen.

„Smart Meter“ – die neue Stromzählergeneration

95 Prozent aller privaten Haushalte müssen von den Strom-Netzbetreibern bis 2019 mit „intelligenten“ Stromzählern ausgestattet werden.

Heizkostenabrechnung nach tatsächlichem Verbrauch

Ab Ende 2016 sollen die Heizkosten in Gebäuden mit Hauszentralheizung nach dem tatsächlichen Energieverbrauch pro Wohnung abgerechnet werden.

Therme kaputt - wer zahlt?

Seit 2015 zahlt der Vermieter und nicht mehr der Mieter für den Austausch oder die Reparatur der Therme oder eines Boilers.

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