Corona-Krise: Was tun mit den Versicherungen?

Durch die aktuelle Situation sind viele Menschen in Kurzarbeit oder haben gar ihren Arbeitsplatz verloren – die monatlichen Fixkosten aber laufen weiter. Die Haushalts-, die KFZ-, die Lebensversicherung oder die Zukunftsvorsorge für die Pension werden plötzlich zum größeren Posten im plötzlich eingeschränkten Haushaltsbudget, die Raten sind möglicherweise aufgrund des finanziellen Drucks nicht leistbar. Viele fragen sich nun, was sie tun können oder sollen, um Geld einzusparen, das anderweitig gerade dringend notwendig geworden ist, ob man Maßnahmen treffen sollte, um Verluste vorzubeugen, bzw. wie es mit ihren Vorsorgeprodukten nach der Krise weitergehen kann. 

Erste-Hilfe-Tipps für Krisenzeiten

  • Bei vielen Versicherungsverträgen können Sie zumindest auf eine begrenzte Zeit (meist maximal 1 Jahr) eine Vertrags-Stilllegung oder in manchen Fällen eine Reduzierung aufs Notwendigste vereinbaren. Sie zahlen keine (oder eine verminderte) Prämie, es werden in dieser Zeit aber auch keine oder verminderte Versicherungsleistungen erbracht.
  • Sie sollten unbedingt den grundlegendsten Versicherungsschutz aufrechterhalten.
  • Sie könnten auch Kündigungen aussprechen. Das ist aber nur in den seltensten Fällen sofort möglich. Bei vielen Verträgen (außer bei Lebensversicherungen) haben Sie Mindestbindungen von zumindest 3 Jahren ab Vertragsschluss (oder ab der letzten wesentlichen Änderung). In solchen Fällen sind die Verträge nach Ablauf des dritten Vertragsjahres unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von einem Monat kündbar. Vorsicht: Sie zahlen im Falle der vorzeitigen Beendigung eines 10-Jahres-Vertrages einen allfällig vereinbarten Laufzeitrabatt zurück! Kalkulieren Sie das mit ein.  

Tipp

Vermeiden Sie aber unbedingt überstürzte Reaktionen wie nicht durchdachte Kündigungen von Versicherungen – diese können Sie am Ende viel Geld kosten.

Gelegenheit ergreifen

Möglicherweise ist die Krise aber eine gute Gelegenheit, einige Überlegungen anzustellen, die ohnedies sinnvoll oder überfällig wären. Nutzen Sie den Anlass für eine Analyse Ihres gesamten Vorsorge-Instrumentariums. Dazu gehören private Vorsorgeprodukte oder alternative Vorsorge (z. B. Wohnungskauf statt Miete, falls leistbar, Vorsorgevollmacht für Krisenfälle) oder (individueller) Versicherungsschutz. Kreditfragen, den Notcent für Krisensituationen, das mittel- und kurzfristige Ziel- und Zwecksparen und die Lebensplanung (z. B. gewünschte Ausbildungen, berufliche Weiterbildung/Weiterentwicklung, private „Vorhaben“ wie kreditfinanzierter Kauf von Wohnung oder Haus, Kinderwunsch o. Ä.) sollten Sie in diese Analyse mit einbeziehen.

Nach der Krise

Ist die akute Krise einmal vorbei ist, können Sie davon ausgehen, dass es auch Finanzvertriebe geben wird, die versuchen, daraus Profit zu ziehen. Seien Sie daher grundsätzlich äußerst misstrauisch, wenn Ihnen jemand rät, einen laufenden Vertrag aufzulösen/stillzulegen und gleich wieder einen neuen abzuschließen. Seien Sie auch misstrauisch, wenn Ihnen zu unbedingt notwendigen Veränderungen z. B. beim Kredit geraten wird. Bevor Sie Angebote dieser Art annehmen, nutzen Sie die Hilfe einer Konsumentenberatung oder von seriösen  BeraterInnen, um nicht einem für Sie ungünstigen Wechsel auf den Leim zu gehen. Jedes Produkt ist unterschiedlich zu handhaben. Aber auch jede persönliche Situation ist anders als die eines anderen! Es gibt daher selten Patentrezepte fürs Handeln, aber sehr wohl Richtlinien. 

Die AK Niederösterreich-Konsumentenberatung hilft Ihnen unter der Hotline 057171-23 000 gerne weiter – zwar kann Ihnen nicht erspart werden, sich eigene, ganz individuelle Gedanken zur Vorsorge machen zu müssen. Aber mit wertvollen Tipps und Anhaltspunkten und den möglicherweise entscheidenden Fragen, die Sie selbst nicht bedacht haben, können Sie die für Sie persönlich optimalen Entscheidungen treffen. 

Übersicht über die Versicherungsprodukte

Um sich im Versicherungsdschungel zurechtzufinden, sind nachfolgend Versicherungsprodukte und Tipps zu Ihren Handlungsmöglichkeiten bei den jeweiligen Produkten detailliert aufgeschlüsselt. 

  • Unverzichtbare/existenziell wichtige Versicherungen (siehe Punkt 1)
  • Lebensversicherungen als private Vorsorgevarianten (siehe Punkt 2 bis 5) 
  • Betriebliche (Pensions-)Vorsorge und Varianten (siehe Punkt 6 bis 8)

1. Unverzichtbare bzw. existenziell wichtige Versicherungsverträge 

Beachten Sie: Wenn Sie an eine Stilllegung oder die Kündigung von Verträgen denken, dann können einige Versicherungsverträge für Sie finanziell existenziell sein. Überdenken Sie eine eventuelle Stilllegung jedenfalls sehr gut. Einige Beispiele für möglicherweise unverzichtbare Versicherungen:

Haushaltsversicherung (Wohnungs- oder Hausinhaltsversicherung)
Die Haushaltsversicherung deckt nicht nur Schäden an Einrichtungsgegenständen, den persönlichen Habseligkeiten, Böden und Malereien bei Wohnungen, sondern inkludiert auch die persönliche Haftpflichtversicherung. Die brauchen Sie zum Beispiel, wenn Sie irrtümlich vor dem Supermarkt jemandem mit dem Fahrrad anfahren und verletzen und derjenige Schmerzensgeld oder Schadenersatz für seine kaputten Sachen fordert. Denken Sie, falls Sie Haustiere haben, auch an die Tierhaftpflichtversicherung. 

Eigenheimversicherung (Wohngebäudeversicherung)
Diese deckt mögliche Schäden am Gebäude durch die Risiken Sturm, Feuer, Leitungswasser, Glasbruch, Einbruch ab, die auch in Corona-Zeiten entstehen können, und schließt die Gebäudehaftpflicht ein.

Unfallversicherung 
Versichert sind Folgeschäden eines Unfalls (beachten Sie die Definition eines Unfalls in den Versicherungsbedingungen). Dazu gehören Sachleistungen wie z. B. Unfalltaggeld, Geldleistungen wie Operationskostenzuschuss, und natürlich die Auszahlung einer Einmalgeldsumme, je nach Ausmaß der bleibenden Invalidität und der Höhe der versicherten Summen. Auch wenn man vermehrt daheim ist, keinen oder nur eingeschränkt Sport betreibt, möglicherweise nicht arbeitet, können Unfälle mit Dauerfolgen (z. B. erlernter Beruf kann nicht mehr ausgeübt werden, das Einkommen sinkt) passieren.

KFZ-/Motorrad-Haftpflichtversicherung
Versichert sind die von Ihnen oder dem Fahrer Ihres Kfz während der Benutzung verursachten Schäden an anderen Fahrzeugen und Sachen ebenso wie Personenschäden. Die Abmeldung und Stilllegung von Kfz ist während der Corona-Ausgangsbeschränkung eingeschränkt, da die Zulassungsstellen möglicherweise in Notbetrieb sind. Es soll aber individuelle Lösungen mit den KonsumentInnen geben, vor allem wenn es um wirtschaftliche Notsituationen und die Aufrechterhaltung der Gesundheit oder Sicherheit geht. Das gilt laut Erlass des BMK nicht nur für Unternehmen. Bevor Sie eine Stilllegung in Erwägung ziehen: Brauchen Sie das Auto wirklich nicht? Z. B. zum Einkaufen?

Kfz-Kaskoversicherung
Versichert sind selbst verursachte Unfallschäden („Vollkasko“), Diebstahl, fremde Beschädigung, Wildschaden oder Elementarschäden (z. B. durch Sturm). Überlegen Sie sich auch hier eine Stilllegung gut. Denn auch bei der gewöhnlichen Fahrt zum Einkauf kann ein Unfall jederzeit passieren.

Rechtsschutzversicherung
Versichert ist die (gerichtliche) Wahrnehmung von Interessen in Bereichen wie Vertragsrecht, Mieten und Wohnen, Kfz- und Lenker-Rechtsschutz und vieles mehr. 

Krankenversicherung
Eine private Krankenversicherung übernimmt Zusatzkosten für Wahlärzte oder andere Behandlungen, ersetzt den Aufpreis für Klassenaufenthalte im Spital oder zahlt Krankentaggeld pro Aufenthaltstag. Während laufender Behandlungen oder (chronischer) Erkrankungen ist die Stilllegung natürlich meist ein No-Go. Bewerten Sie genau, ob die Leistungen für Sie verzichtbar sind oder nicht. 

Lebensversicherungen aller Art
siehe Abschnitt Lebensversicherungen

2. Klassische Lebensversicherung (Erlebens-, Er- und Ablebens-, Renten- oder Pensionsversicherungen)

Lebensversicherungen als private (Pensions-)Vorsorgevarianten – generelle Tipps für Krisenzeiten
Bei Lebensversicherungen lässt das Versicherungsinstitut meist eine vorübergehende „Stilllegung“ über einen bestimmten Zeitraum zu. Sie zahlen in diesem Zeitraum keine Prämie, aber auch die Leistung wird eingefroren. Anders ist es bei der „Prämienfreistellung“. Dabei werden die Prämienzahlung ganz oder teilweise eingestellt, der Vertrag läuft bis zum vereinbarten Endtermin. Dabei handelt es sich um eine nicht revidierbare Maßnahme. 
Zwar ist nahezu jede Lebensversicherung kündbar, entweder zum Ende des laufenden Versicherungsjahres oder innerhalb des Versicherungsjahres mit einer Frist von 3 Monaten. Erwägen Sie eine Kündigung aber grundsätzlich nur als allerletzte Option – dabei können Sie unnötig viel Geld verlieren.
Verzichten Sie auf die Variante einer „Vorauszahlung“ oder eines „Polizzendarlehens“. 

Was ist eine „klassische Lebensversicherung“?
Bei einer klassischen Lebensversicherung nimmt die Versicherung die Netto- oder Sparprämie (also die gezahlte monatliche/viertel-/halb-/jährliche „Brutto“-Prämie abzüglich der Kosten wie für Provision, Verwaltung, Versicherungssteuer, Ablebensrisikoabsicherung) und veranlagt sie in einem „Deckungsstock“. Die Zusammensetzung dieses Deckungsstocks wird zwar von der Versicherung individuell entschieden, aber es gibt dazu Vorgaben im Versicherungsaufsichtsgesetz. Ein großer Teil wird in Staatsanleihen investiert, dazu kommen Immobilien, ein kleiner Teil Aktien etc. 

Was können Sie verlieren?  
Der gesetzlich garantierte Leistungsteil, die sog. „Versicherungssumme“, steht für Sie nicht auf dem Spiel, aber die „Gewinnbeteiligung“: Wenn die Versicherung ein Veranlagungsergebnis über dem in die Versicherungssumme schon einkalkulierten, für die gesamte Laufzeit garantierten „Rechnungszins“ (auch Garantiezins) erzielen kann, dann erhalten Sie eine Beteiligung in Form der Gewinnbeteiligung – darauf gibt es aber, im Gegensatz zur Versicherungssumme, die Ihnen jedenfalls bleibt, keine Garantie. Fällt diese über Jahre hinweg sehr gering aus, dann ergibt das zwar keinen zahlenmäßigen Verlust, aber eventuell doch einen Inflationsverlust.

Änderungen wegen Corona-Krise empfohlen?
Grundsätzlich nein. Das angesparte Depot ist auch im Konkursfall „Sondervermögen“, fällt also nicht in die Konkursmasse, sondern gehört den VersicherungsnehmerInnen. 
Wenn Sie sich die Prämien derzeit (z. B. aufgrund von Arbeitslosigkeit) nicht leisten können, beantragen Sie eine „Stilllegung“, eine vorübergehende Ruhendstellung des Vertrages und der Leistungen. Sie zahlen in diesem Zeitraum keine Prämie. Normalerweise ist das bis zu einem Jahr möglich. Davon unterschieden wird die nicht revidierbare „Prämienfreistellung“. Dabei werden die Prämienzahlungen ganz oder teilweise eingestellt, der Vertrag läuft bis zum vereinbarten Endtermin. 
Eine Kündigung sollte nur als letzte Option in Betracht gezogen werden. Achtung: Bei „echten“ Renten- oder sog. Pensionsversicherungen wird schon bei Vertragsabschluss die Sterbetabelle zum Abschlusszeitpunkt fixiert, d.h. ein wichtiger Faktor für die Berechnung der monatlichen Rente. Bei Kündigung geht dieser wichtige Bestandteil verloren.
Tipp: Beachten Sie, in allen Fällen, ob Sie einen mitversicherten Ablebensschutz brauchen, z. B. zur laufenden Kreditabsicherung.

Langfristig sinnvolle Überlegungen
Vermindern irgendwelche im Vertrag inkludierten Zusatzrisikoversicherungen (Unfalltodzusatz, Arbeitslosigkeitsausfallsversicherung o.ä.) die Rendite? Sind diese sinnvoll und notwendig oder nur Kostenverursacher, weil eine getrennte und ausreichende Absicherung vernünftiger wäre?
Falls die klassische Lebensversicherung als Kreditabsicherung für einen endfälligen Kredit dient, stellen Sie sich die Frage, ob es wahrscheinlich ist, dass die Versicherungssumme bei Erleben für die Abdeckung des aufgenommenen Kredites (Variante: bei Ableben für die Versorgung Ihrer Familie) ausreicht. Wenn nicht, versuchen Sie eher zusätzlich Geld beiseitezulegen oder Kreditvorauszahlungen zu leisten als neue, kostenintensive Versicherungsverträge abzuschließen. 

3. Ablebensversicherung

Lebensversicherungen als private (Pensions-)Vorsorgevarianten – generelle Tipps für Krisenzeiten
Bei Ablebensversicherungen lässt das Versicherungsinstitut meist eine vorübergehende „Stilllegung“ über einen bestimmten Zeitraum zu. Sie zahlen in diesem Zeitraum keine Prämie, aber auch die Leistung wird eingefroren.
Zwar ist nahezu jede Ablebensversicherung kündbar, entweder zum Ende des laufenden Versicherungsjahres oder innerhalb des Versicherungsjahres mit einer Frist von 3 Monaten. Erwägen Sie eine Kündigung aber grundsätzlich nur als allerletzte Option.

Was ist eine Ablebensversicherung?
Bei einer Ablebensversicherung handelt es sich um einen reinen Risikovertrag, d.h. wenn die versicherte Person stirbt, dann erhält man eine festgelegte Versicherungssumme ausbezahlt. Diese kann – wenn vereinbart - mit der Laufzeit auch fallen. Eine Variante ist die Kreditrestschuldversicherung, die Sie bei der Bank abschließen. Es gibt Verträge mit Einmalprämie, monatlicher, vierteljährlicher oder jährlicher Prämie.

Was können Sie verlieren?  
Eigentlich nichts. Die Zahlung bei Ableben ist auch im Konkursfall gesichert!

Änderungen wegen Corona-Krise empfohlen?
Grundsätzlich nein. Eine Stilllegung oder Kündigung des Vertrages ist bei einer Ablebensversicherung nicht anzuraten. Es gibt dann keine Leistung. Vor allem im Falle der Nutzung als Kredit- oder Familienabsicherung kann eine Kündigung möglicherweise fatal sein. Ein Neuabschluss könnte an mittlerweile aufgetretenen Erkrankungen scheitern.

4. Fonds- oder indexgebundene Lebensversicherung

Lebensversicherungen als private (Pensions-)Vorsorgevarianten – generelle Tipps für Krisenzeiten
Bei Lebensversicherungen lässt das Versicherungsinstitut meist eine vorübergehende „Stilllegung“ über einen bestimmten Zeitraum zu. Sie zahlen in diesem Zeitraum keine Prämie, aber auch die Leistung wird eingefroren. Anders ist es bei der „Prämienfreistellung“. Dabei werden die Prämienzahlung ganz oder teilweise eingestellt, der Vertrag läuft bis zum vereinbarten Endtermin. - Dabei handelt es sich um eine nicht revidierbare Maßnahme.
Zwar ist nahezu jede Lebensversicherung kündbar, entweder zum Ende des laufenden Versicherungsjahres oder innerhalb des Versicherungsjahres mit einer Frist von 3 Monaten. Erwägen Sie eine Kündigung aber grundsätzlich nur als allerletzte Option – dabei können Sie unnötig viel Geld verlieren.
Verzichten Sie auf die Variante einer „Vorauszahlung“. 

Was ist eine „fondsgebundene/indexgebundene Lebensversicherung“?
Bei einer fondsgebundenen/indexgebundenen Lebensversicherung nimmt die Versicherung die Netto- oder Sparprämie (also die gezahlte monatliche/viertel-/halb-/jährliche „Brutto“-Prämie abzüglich der Kosten wie für Provision, Verwaltung, Versicherungssteuer, Ablebensrisikoabsicherung) und veranlagt Sie in Fonds. Das können je nach gewählter „Risikoklasse“ (wie z. B. „konservativ“, „dynamisch“ oder „wachstumsorientiert/risikoreich“) Immobilienfonds, Anleihenfonds, gemischte Fonds, Aktienfonds, Indexfonds oder auch vom Versicherungsunternehmen selbst aufgelegte (eventuell nicht börsennotierte) Fondszusammenstellungen sein.

Was können Sie verlieren?  
Das angesparte Depot ist auch im Konkursfall „Sondervermögen“, fällt also nicht in die Konkursmasse, sondern gehört den VersicherungsnehmerInnen. Aber Achtung: Je nach gewählter Veranlagung und allfälliger Absicherung bzw. klassischem Teil tragen Sie das volle (oder teilweise) Veranlagungsrisiko. Das bedeutet insbesondere in Krisenzeiten einen zumindest vorübergehenden, möglicherweise auch über Jahre nicht aufzuholenden Wertverlust Ihres Depots. 

Änderungen wegen Corona-Krise empfohlen?
Verfallen Sie keinesfalls in Panik. Jetzt überstürzt auszusteigen, d.h. den Vertrag zu kündigen, bedeutet, die Wertverluste realisieren sich in barem Geld, Sie verlieren bares Geld. 
Beachten Sie: Auch ein Umsteigen auf ein weniger riskantes Portfolio würde bedeuten, dass Sie Wertverluste des Fonds „realisieren“. 
Tipp: Wenn Sie sich die Prämien derzeit (z. B. aufgrund von Arbeitslosigkeit) nicht leisten können, beantragen Sie eine vorübergehende „Stilllegung“. Der Vertrag wird vorübergehend ruhend gestellt. Sie zahlen in diesem Zeitraum auch keine Prämie. Normalerweise geht das bis zu einem Jahr.

Langfristig sinnvolle Überlegungen
Reicht die verbleibende Vertragslaufzeit aus, Verluste wieder „einzuholen“?
Sind die Kosten so hoch, dass auch in guten Börsenzeiten Verluste oder Wertverlust durch Inflation gegeben sind?
Sollte ich mich „breiter“ aufstellen? Unterschiedliche Produkte, aber auch Alternativen, wie z. B. die Wohnung zu kaufen statt zu mieten oder das Sammeln von Kunstgegenständen, könnten angedacht werden.
Vermindern irgendwelche im Vertrag inkludierten Zusatzrisikoversicherungen (Unfalltodzusatz, Arbeitslosigkeitsausfallsversicherung o. Ä.) die Rendite? Sind diese sinnvoll und notwendig oder nur Kostenverursacher, weil eine getrennte und ausreichende Absicherung bereits besteht oder vernünftiger wäre?
Falls die fondsgebundene Lebensversicherung als Kreditabsicherung für einen endfälligen Kredit dient, stellen Sie sich die Frage, ob es wahrscheinlich ist, dass die Versicherungssumme bei Erleben für die Abdeckung des aufgenommenen Kredites ausreicht. Wenn nicht, versuchen Sie eher zusätzlich Geld beiseitezulegen oder Kreditvorauszahlungen zu leisten als neue, kostenintensive Versicherungsverträge abzuschließen. 

5. Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge mit staatlicher Prämie (PZV)

Lebensversicherungen als private (Pensions-)Vorsorgevarianten – generelle Tipps für Krisenzeiten
Bei Lebensversicherungen lässt das Versicherungsinstitut meist eine vorübergehende „Stilllegung“ über einen bestimmten Zeitraum zu. Sie zahlen in diesem Zeitraum keine Prämie, aber auch die Leistung wird eingefroren. Anders ist es bei der „Prämienfreistellung“. Dabei werden die Prämienzahlung ganz oder teilweise eingestellt, der Vertrag läuft bis zum vereinbarten Endtermin. Dabei handelt es sich um eine nicht revidierbare Maßnahme.
Im Gegensatz zu allen anderen Lebensversicherung ist die Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge erst nach 10 Jahren kündbar! Das resultiert aus der steuerrechtlich vorgeschriebenen Mindestbindefrist. Danach ist die Kündigung möglich wie sonst bei Lebensversicherungen: entweder zum Ende des laufenden Versicherungsjahres oder innerhalb des Versicherungsjahres mit einer Frist von 3 Monaten. Erwägen Sie eine Kündigung aber grundsätzlich nur als allerletzte Option – dabei können Sie unnötig viel Geld verlieren.

Was ist eine „Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge“?
Die Prämienbegünstige Zukunftsvorsorge ist ein privater Pensionsvorsorgevertrag (in Form einer Lebensversicherung), der mit einer Kapital- und Prämiengarantie ausgestattet ist. Sie erhalten eine laufende staatliche Förderung („Prämie“ = Steuergutschrift). Am Ende der Laufzeit gibt es die Möglichkeit des Bezugs einer lebenslangen Rentenzahlung oder einer Einmalauszahlung (Achtung: Abschläge).

Was können Sie verlieren?  
Es besteht grundsätzlich eine Kapital- und Prämiengarantie. Das angesparte Depot ist auch im Konkursfall „Sondervermögen“, fällt also nicht in die Konkursmasse, sondern gehört den VersicherungsnehmerInnen. Beachten Sie: Die Garantie besteht meist nur zum Ende der Laufzeit und/oder bei „widmungsgemäßer Verwendung“ (= Bezug der monatlichen Rente). Die Garantie schützt aber nicht vor Inflationsabwertung. Daher ist das Ergebnis der Veranlagung trotzdem entscheidend für die Höhe der Pension oder die Auszahlung am Laufzeitende. Man trägt somit für den Teil über die Garantie hinaus (oder bei vorzeitiger Beendigung oder Kapitalauszahlung ohne extra zugesicherte Garantie auch für solche Fälle) das Veranlagungsrisiko. Das bedeutet insbesondere in Krisenzeiten - einen je nach konkreter Veranlagung - zumindest vorübergehenden, möglicherweise auch über Jahre nicht aufzuholenden Wertverlust Ihres Depots. 

Änderungen wegen Corona-Krise empfohlen?
Verfallen Sie keinesfalls in Panik. Jetzt überstürzt auszusteigen, d.h. den Vertrag zu kündigen, bedeutet, die Wertverluste realisieren sich in barem Geld, Sie verlieren bares Geld. Die aktuellen Verträge werden in einem sogenannten Lebenszeitmodell geführt. Das bedeutet, das Risiko, die Volatilität (Schwankungsbreite) der Veranlagung wird entsprechend der Restvertragslaufzeit ohnedies reduziert. Trotzdem kann das Aufholen des jetzigen Wertverlust Geduld erfordern. 
Vor einer Mindestlaufzeit von 10 Jahren dürfen Sie übrigens auch gar nicht kündigen, nur allenfalls prämienfrei stellen (= keine Prämie mehr bezahlen bis Vertragsende). Bei Prämienfreistellung oder bei Kündigung fällt die Kapitalgarantie weg. Und nicht nur das: Kündigen Sie, müssen Sie die halbe staatliche Prämie rückerstatten und es kommt zu einer Nachversteuerung. Daher genau überlegen!
Wenn Sie sich die Prämien derzeit (z. B. aufgrund von Arbeitslosigkeit) nicht leisten können, versuchen Sie, ob die Versicherung angesichts der derzeitigen Situation eventuell eine vorübergehende „Stilllegung“ bzw. Stundung der Beiträge ermöglicht.

Langfristig sinnvolle Überlegungen
Könnte der Vertrag nach den jetzigen Verlusten „ausgestoppt“ werden? Das würde bedeuten, dass die eingehenden Prämien nur noch zur Abdeckung der Kapitalgarantie verwendet werden und keine Rendite mehr möglich ist. In diesem Fall sollten Sie bewerten, ob die Kapitalgarantie wichtig ist für Sie und Sie im Vertrag drinbleiben möchten oder möglicherweise eine andere Option offensteht.

6. Zukunftssicherung (Gehaltsumwandlung, Gehaltsverwendung)

Betriebliche Vorsorge – was ist das?
Betriebliche Vorsorge bedeutet generell, dass der Arbeitgeber für Sie Vorsorgebeiträge leistet und eine steuerliche Begünstigung für sich und für Sie als ArbeitnehmerIn nutzen kann. Der wesentliche Unterschied zur privaten (Pensions-)Vorsorge – neben der steuerrechtlichen Förderung - ist, dass das für ganze Gruppen von ArbeitnehmerInnen vereinbart wird und dass die Vertragskosten dadurch oft niedriger ausfallen als bei Einzelverträgen. Auch Sie selbst können teilweise Beiträge leisten.

Was ist die „Zukunftssicherung“?
Ihr Arbeitgeber kann bis zu € 300,- im Jahr bzw. € 25,- pro Monat steuerfrei für Sie in eine Versicherungs- und Vorsorgeeinrichtung einzahlen. Es können Krankheit. Invalidität, Alter oder Tod abgesichert werden. Das sind reine Risikoversicherungen (Kranken-, Unfall-, Ablebensrisikoversicherung) oder auch Rentenversicherungen (diese muss bis zum gesetzlichen Pensionsalter laufen) und Er- und Ablebensversicherungen (Mindestlaufzeit 15 Jahre + Ablebenssumme entspricht mindestens Erlebenssumme).
Es gibt 2 Varianten: „Gehaltsverwendung“ (freiwillige Zusatzleistung) und „Gehaltsumwandlung“ (Teil des Einkommens wird dafür hergenommen). Der Arbeitgeber erspart sich die Lohnnebenkosten und die Prämienzahlungen gelten als Betriebsausgaben. Der Arbeitnehmer erspart sich die Lohnsteuer auf die Beiträge, die Sozialversicherungsbeiträge bei einer freiwilligen Gehaltsverwendungs-Lösung. Die Leistung ist steuerfrei bei einmaliger Auszahlung (Lebensversicherung) und auch die Rentenzahlungen sind steuerfrei (bis die Rentenzahlungen das ersparte Kapital übersteigen).

Was können Sie verlieren?
Bei reinen Risikoversicherungen ist die Zahlung im Schadensfall gewährleistet. Bei Er-Lebensversicherungsvarianten gilt das Deckungskapital als Sondervermögen der VersicherungsnehmerInnen. Gläubiger können auf dieses nicht zugreifen. Das schützt jedoch nicht vor Inflationsentwertung. Beachten Sie: Bei einer Lebensversicherung wird schon bei Vertragsbeginn ein garantierter Rechnungs- bzw. Garantiezins auf das Sparkapital (= Zahlprämie abzüglich Versicherungssteuer, Verwaltungskosten, Vermittlungskosten, Kosten für Ablebensrisiko) in die garantierte Versicherungssumme mit einkalkuliert. Darüber hinaus ist das Ergebnis der Veranlagung trotzdem entscheidend für die Höhe der Pension oder die Auszahlung am Laufzeitende. Denn eine Gewinnbeteiligung erhält man nur bei einem guten Veranlagungsergebnis, also einem über der bereits einkalkulierten Mindestverzinsung.

Änderungen wegen Corona-Krise empfohlen?
Wenn weiter eingezahlt wird, muss man sich weder um die grundsätzliche Leistung noch um das Sparkapital Sorgen machen. Die vorübergehende Aussetzung oder Anpassung der Beiträge könnte aus betrieblichen Gründen argumentiert werden. Wichtig ist: Was steht in der Betriebsvereinbarung, den Einzelverträgen? Was wird jetzt vereinbart? Das gilt auch im Falle von Kurzarbeit. Von der AMS-Beihilfe zur Kurzarbeit wird nichts an die Zukunftssicherung abgeführt. Derzeit gibt es dazu auch keine gesetzliche „Corona-Lösung“. Nach Corona sollten die Beiträge aber in vollem Umfang wiederaufgenommen werden. Und es gibt sogar eine Nachzahlverpflichtung, wenn es dem Unternehmen wieder besser geht.
Achtung: Bei reinen Risikoversicherungen bedeutet Aussetzen der Prämie auch Aussetzen der Versicherungsleistung(en). Der Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet natürlich auch das Ende der Zahlungsverpflichtung des Arbeitgebers. Sie haben dann die Möglichkeit, den Vertrag individuell weiterzuführen oder auf ein anderes gefördertes Vorsorgeprodukt zu übertragen. Kündigen Sie den Vertrag, erhalten Sie den sogenannten Rückkaufswert ausbezahlt. Achtung auf eine mögliche Lohnsteuernachzahlungspflicht. 

Langfristig sinnvolle Überlegungen
Wenn Sie aufgrund eines Arbeitsplatzverlustes auch die Zahlungen für die Zukunftssicherung verlieren, sollten Sie überlegen, ob Sie selbst Risikoversicherungen für Unfall, Tod, Krankheit abschließen sollten/müssen. Oder diese vielleicht sogar weiterführen können (Vorteil: keine erneute Risikoprüfung). Sie sollten auch überlegen, ob Sie Lebensversicherungsverträge weiterführen/übernehmen wollen oder können.

7. Pensionskassen (PK)

Betriebliche Vorsorge – was ist das?
Betriebliche Vorsorge bedeutet generell, dass der Arbeitgeber für Sie Vorsorgebeiträge leistet und eine steuerliche Begünstigung für sich und für Sie als ArbeitnehmerIn nutzen kann. Der wesentliche Unterschied zur privaten (Pensions-)Vorsorge – neben der steuerrechtlichen Förderung - ist, dass das für ganze Gruppen von ArbeitnehmerInnen vereinbart wird und dass die Vertragskosten dadurch oft niedriger ausfallen als bei Einzelverträgen. Auch Sie selbst können teilweise Beiträge leisten.

Was ist eine „Pensionskasse“?
Eine Pensionskasse ist eine Form der betrieblichen Zusatzpension im Sinne des Betriebspensionsgesetzes und des Pensionskassengesetzes Der Arbeitgeber leistet aufgrund eines Kollektivvertrages, einer Betriebs- oder Einzelvereinbarung eine monatliche Zahlung in die Pensionskasse. Es gelten diverse Steuerbegünstigungen für Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn. ArbeitnehmerInnen können auch eigene Beiträge leisten.
Die Pensionskasse veranlagt das einbezahlte Pensionskapital in großen Gruppen für die ZusatzpensionistInnen am Kapitalmarkt (Börse). Man nennt diese Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (VRG). Aus diesen werden auch die (monatlichen) Pensionsleistungen bis zum Lebensende erbracht. Wenn vereinbart, bestehen auch Zusatzleistungen wie Hinterbliebenen- oder Invaliditätsvorsorge.
Bei den häufigsten, rein beitragsbezogenen Vertragsvarianten ist nur das Veranlagungsergebnis dieser VRG relevant für die Zusatzpensionshöhe. Bei leistungsbezogenen (oder Mischvarianten zwischen den genannten) wird ein gewisser Prozentsatz des Aktiveinkommens vom Arbeitgeber vertraglich garantiert. Ein nicht ausreichendes Veranlagungsergebnis führt dann allenfalls zu einer Zuschusszahlung des Arbeitgebers. (sog. „Nachschusspflicht“). Ausnahmsweise besteht bei Ausscheiden aus der Pensionskasse (Kündigung Arbeitsplatz, Pension) die Möglichkeit der Pensionsabfindung. Aber nur dann, wenn der Grenzbetrag des „Unverfallbarkeitsbetrages“ (= individuelles, persönliches Guthaben in der VRG = Veranlagungs- und Risikogemeinschaft) von derzeit € 12.600,- (Wert 2020) nicht überschritten ist. Achtung auf die steuerlichen Konsequenzen.

Was können Sie verlieren?
Wichtig ist die Differenzierung zwischen Anwartschaftsberechtigten (Person, für die die Pensionskasse Pensionskapital verwaltet, die aber noch keine Zusatzpension bezieht) und aktuellen Pensionsbeziehern.
Für Anwartschaftsberechtigte: Bei beitragsbezogenen Verträgen wird sich durch die Corona-Krise vermutlich Ihr Guthaben vermindern. Das ist aber in der Anwartschaftsphase nicht unmittelbar beunruhigend. Wertschwankungen können während der Ansparphase schon einmal vorkommen. Wichtig ist, dass diese Wertverluste über mittlere und längere Frist wieder aufgeholt werden können und eine allfällige Mindestertragsgarantie erfüllt werden kann.
Für Pensionsbezieher: Sofern Sie in keiner Sicherheits-VRG (nähere Informationen unter „Langfristig sinnvolle Überlegungen“) sind und/oder eine reine beitragsbezogene Vereinbarung haben, kann ein Teil der Veranlagungsverluste möglicherweise durch die „Schwankungsreserve“ ausgeglichen werden. Aber darüber hinaus schlägt eine Negativrendite auf die Höhe der Pension durch. Diese wird gekürzt.

Änderungen wegen Corona-Krise empfohlen?
Für Anwartschaftsberechtigte: Die vorübergehende Aussetzung oder Anpassung der Beiträge könnte aus betrieblichen Gründen argumentiert werden. Wichtig ist: Was steht in der Betriebsvereinbarung, den Einzelverträgen?! Was wird jetzt vereinbart? Das gilt auch im Falle von Kurzarbeit. Von der AMS-Beihilfe zur Kurzarbeit wird nichts an die Pensionskasse abgeführt. Derzeit gibt es dazu auch keine gesetzliche „Corona-Lösung“. Nach Corona sollten die Beiträge aber in vollem Umfang wiederaufgenommen werden. Und es gibt sogar eine Nachzahlverpflichtung, wenn es dem Unternehmen wieder besser geht. 
Wenn Sie Ihren Arbeitsplatz aufgrund der Corona Krise verlieren, dann werden für Sie auch keine Beiträge mehr geleistet. Sie haben aber mit der Überlegung, ob Sie sich abfinden lassen (Achtung: Abfindungsgrenze Unverfallbarkeitsbetrag von € 12.600) wollen, noch Zeit. Möglicherweise werden Sie wieder beschäftigt.
Für Pensionsbezieher: Es gibt gegen Pensionskürzungen leider keine individuelle oder gesetzliche Maßnahmen.

Langfristig sinnvolle Überlegungen
Für Arbeitgeber/Betriebsräte: Änderungen am Pensionskassenvertrag können vorgenommen werden. Sollte eine Pensionskasse ständige schlechtere Ergebnisse bringen als andere, dann könnte man auch zu einer anderen wechseln.
Für Anwartschaftsberechtigte: Wenn Sie aufgrund der Wertschwankungen u. a. auch durch die Corona-Krise vorsichtig geworden sind: Ab dem Alter von 55 Jahren (bis zum Pensionsantritt) könnten Sie in eine sogenannte „Sicherheits-VRG“ (VRG = Veranlagungs- und Risikogemeinschaft) wechseln. Hier kann die Pensionshöhe steigen oder auch sinken, aber nie unter die Höhe der Antrittspension. Wenn Sie aufgrund eines Arbeitsplatzverlustes auch die Zahlungen für die Pensionskasse verlieren, sollten Sie überlegen, ob Sie sich von dieser (sofern Ihr Guthaben nicht über dem Unverfallbarkeitsbetrag von in 2020 € 12.600,- liegt) innerhalb von 6 Monaten abfertigen lassen oder drinnen bleiben. Oder das Guthaben in eine andere Pensionskasse oder Betriebliche Kollektivversicherung überführen, sollte Ihr nächster Arbeitgeber ebenfalls eine solche Lösung anbieten.
Für Pensionsbezieher: keine Veränderungsmöglichkeiten. 

Tipp: Beachten Sie auch den „Zwilling“ der Pensionskasse in der betrieblichen Vorsorge, die „Betriebliche Kollektivversicherung“ bzw. die wesentlichen Unterschiede (siehe Punkt 8). 

8. Betriebliche Kollektivversicherung (BKV)

Betriebliche Vorsorge – was ist das?
Betriebliche Vorsorge bedeutet generell, dass der Arbeitgeber für Sie Vorsorgebeiträge leistet und eine steuerliche Begünstigung für sich und für Sie als ArbeitnehmerIn nutzen kann. Der wesentliche Unterschied zur privaten (Pensions-)Vorsorge – neben der steuerrechtlichen Förderung - ist, dass das für ganze Gruppen von ArbeitnehmerInnen vereinbart wird und dass die Vertragskosten dadurch oft niedriger ausfallen als bei Einzelverträgen. Auch Sie selbst können teilweise Beiträge leisten.

Was ist eine „Betriebliche Kollektivversicherung“?
Eine Betriebliche Kollektivversicherung ist eine Form der betrieblichen Zusatzpension im Sinne des Betriebspensionsgesetzes (BPG) und des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG). Der Arbeitgeber leistet aufgrund eines Kollektivvertrages, einer Betriebs- oder Einzelvereinbarung eine monatliche Zahlung in die Betriebliche Kollektivversicherung. Es gelten diverse Steuerbegünstigungen für Arbeitgeber und ArbeitnehmerIn. ArbeitnehmerInnen können auch eigene Beiträge leisten. 
Die BKV wird in Form der klassischen Lebensversicherung betrieben. Das bedeutet, die Sparbeiträge (Bruttobeitrag abzüglich Kosten wie Versicherungssteuer 2,5%, Verwaltungs- und Vertriebskosten, Risikokosten) werden von der Versicherung veranlagt. Im Unterschied zur Pensionskasse garantiert die BKV aber eine fixe Mindestverzinsung (Rechnungs- oder Garantiezins + garantierte Sterbetabelle) bzw. eine lebenslang garantierte Rente (vgl. „Versicherungssumme“ bei klassischer Lebensversicherung). Bei gutem Veranlagungserfolg erhöht sich die Rente durch die sogenannte Gewinnbeteiligung. Zusatzvereinbarungen gibt es für Hinterbliebenenversorgung (Witwen/r-, Waisenpension) oder Invaliditätsvorsorge.
Ausnahmsweise besteht bei Ausscheiden aus der BKV (Kündigung Arbeitsplatz, Pension) die Möglichkeit der Pensionsabfindung. Aber nur dann, wenn der Grenzbetrag des „Unverfallbarkeitsbetrages“ (= individuelles, persönliches Guthaben in der VRG) von derzeit € 12.600,- (Wert 2020) nicht überschritten ist. Achtung die steuerlichen Konsequenzen.

Was können Sie verlieren?
Pensionsbezieher und Noch-nicht-Pensionsbezieher: „nur“ die Höhe der Gewinnbeteiligung. Der Vertrag beinhaltet aber eine gesetzlich garantierte Rentenleistung. Sollten Sie gekündigt werden, entfallen die Beiträge Ihres Arbeitgebers. Ob Kollektivvertrag oder eine Betriebs-, Einzelvereinbarung die Beitragspflicht des Arbeitgebers unterbricht, sollten Sie im Einzelfall prüfen.

Änderungen wegen Corona-Krise empfohlen?
Nein für aktuelle Pensionsbezieher. Sie brauchen sich derzeit keine Sorgen machen, können aber auch keine Maßnahme treffen bzw. Änderungen vornehmen.
Für Versicherte, die oder deren Arbeitgeber noch laufend Beiträge leisten: Eine vorübergehende Aussetzung oder Anpassung der Beiträge könnte aus betrieblichen Gründen argumentiert werden. Wichtig ist: Was steht in der Betriebsvereinbarung, den Einzelverträgen?! Was wird jetzt vereinbart? Das gilt auch im Falle von Kurzarbeit. Von der AMS-Beihilfe zur Kurzarbeit wird nichts an die BKV abgeführt. Derzeit gibt es dazu auch keine gesetzliche „Corona-Lösung“. Nach Corona sollten die Beiträge aber in vollem Umfang wiederaufgenommen werden. Und es gibt sogar eine Nachzahlverpflichtung, wenn es dem Unternehmen wieder besser geht. 
Wurden Sie gekündigt, werden die Beiträge natürlich eingestellt. Sie müssen sich entscheiden, ob Sie sich abfertigen lassen (Achtung: Wertgrenze für Abfindung Unverfallbarkeitsbetrag von maximal € 12,600,-) oder den Vertrag prämienfrei oder mit eigenen Beiträgen weiterführen.

Langfristig sinnvolle Überlegungen
Sollten Sie nach einer Kündigung mittelfristig wieder einen neuen Arbeitgeber haben, klären Sie ab, ob eine Übertragung aus der BKV des ehemaligen Arbeitgebers in eine Betriebliche Kollektivversicherung oder Pensionskasse des neuen Arbeitgebers sinnvoll ist.

Tipp: Beachten Sie auch den „Zwilling“ der Betrieblichen Kollektivversicherung in der betrieblichen Vorsorge, die „Pensionskasse“ bzw. die wesentlichen Unterschiede (siehe Punkt 7). 

Kontakt

Kontakt

Konsumentenschutz

Mo - Fr: 8 - 16 Uhr 

Telefon: +43 5 7171 23000

E-Mail