Arbeitsrecht im Homeoffice

Hunderttausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten während der Coronakrise zu Hause. Achten Sie darauf, wie Sie Ihr Home-Office gestalten. Homeoffice ist kein rechtsfreier Raum: Es gilt das Arbeitsrecht. Wir beschreiben hier auch, wie Sie Ihren Arbeitsalltag auf Dauer gestalten können und was gegen „Lagerkoller“ hilft. Denn: Leben und Arbeiten zu Hause ist nicht leicht.

Das unter Mitwirkung der Sozialpartner verhandelte Homeoffice-Paket, das konkrete Rahmenbedingungen und steuerrechtliche Erleichterungen für die Arbeit zu Hause enthält, ist am 1.4.2021 in Kraft getreten.

Habe ich ein Recht auf Homeoffice?

Nein. Homeoffice ist in Österreich Vereinbarungssache. Das heißt: Sie dürfen nicht einfach eigenhändig entscheiden, von zuhause aus zu arbeiten, sondern Ihr Arbeitgeber muss dem zustimmen – auch in Zeiten von Corona. 

Habe ich ein Recht auf Homeoffice, wenn ich zur COVID19-Risikogruppe gehöre?

Die Verordnung, mit der der Anspruch auf Homeoffice bzw. allenfalls auf Freistellung zum Schutze der Gesundheit ermöglicht worden war, ist am 30.06.2021 außer Kraft getreten.

Begründet wird das seitens des zuständigen Ministeriums mit der epidemiologischen Lage und dem umfassenden Impfangebot für Personen mit Vorerkrankungen.

Hatten Sie vor dem 30.06.2021 ein COVID-19-Risikoattest und konnten so von zu Hause arbeiten, empfehlen wir, diese Maßnahme so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, bis Sie die Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen.

Ihr Arbeitgeber ist auf Grund seiner arbeitsrechtlichen Fürsorgepflicht auch dazu verpflichtet, alles ihm Zumutbare zu unternehmen, damit Ihre Gesundheit am Arbeitsplatz bestmöglich geschützt wird. War für Ihre Tätigkeit das Homeoffice bisher möglich und konnten Sie sich bis dato nicht impfen lassen, kann sich aus der Fürsorgepflicht und auf Grund der rasanten Verbreitung der hochansteckenden Virusvarianten der Anspruch ergeben, weiterhin im Homeoffice beschäftigt zu werden.

Kann mir der Arbeitgeber Homeoffice einfach anordnen?

Nein. Meldungen, dass für die Corona-Zeit eine „Homeoffice-Pflicht“ eingeführt wurde, stimmen nicht. Obwohl die Bundesregierung in allen möglichen Fällen zu Homeoffice aufruft, bleibt auch jetzt Homeoffice gesetzlich Vereinbarungssache. Das heißt: Sie „müssen“ nur dann im Homeoffice arbeiten, wenn es dazu bei Ihnen eine Betriebsvereinbarung gibt oder Sie dieser Verlegung des Arbeitsortes selbst zustimmen. Eine Vereinbarung muss nach der neuen Rechtslage (ab 1.4.2021) schriftlich erfolgen.

Darf ich meine Arbeitszeit im Homeoffice frei einteilen?

Die Arbeitszeiten im Büro und im Homeoffice unterscheiden sich grundsätzlich nicht. Denn Arbeitszeiten müssen immer irgendwo geregelt sein: Etwa in einer Betriebsvereinbarung oder individuell, z.B. im Arbeitsvertrag. Diese vereinbarte Normalarbeitszeit, unter Umständen mit Mehr- und Überstunden, gilt auch im Homeoffice.

ACHTUNG!

Sie wollen innerhalb der eigentlichen „Büroarbeitszeit“ kurz einkaufen, spazieren gehen oder sich um Ihre Kinder kümmern und würden die Stunden lieber davor oder danach einarbeiten? Achtung: Ihre bisher vereinbarte und gelebte Normalarbeitszeit gilt auch zuhause!

Aber: Wenn für Sie im Homeoffice andere, flexiblere Arbeitszeiten praktisch wären, sprechen Sie diesen Wunsch Ihrem Arbeitgeber gegenüber an. Wenn Sie sich auf eine andere Vereinbarung für Zuhause verständigen können, spricht überhaupt nichts dagegen!

Tipp

Jedenfalls gilt, wie immer im Arbeitsleben: Sie sollten Ihre Arbeitszeiten dokumentieren, z.B. mit dem AK Zeitspeicher.

Ich habe einen beruflichen Weg aus dem Homeoffice heraus - gilt das als Arbeitszeit?

Ja. Wenn Sie Homeoffice tatsächlich vereinbart haben, egal ob schriftlich oder mündlich, heißt das, dass der Dienstort fix nachhause verlegt ist. Sobald Sie dann beruflich die Wohnung verlassen müssen – sei es für einen Kundentermin, für eine Lieferung oder sogar für einen kurzen Weg ins eigentliche Büro – dann ist die Reisezeit zugleich Arbeitszeit.

Ich muss im Homeoffice nebenbei Kinder betreuen - wie soll das gehen?

Viele Eltern müssen in Zeiten von Corona Homeoffice und Kinderbetreuung mindestens an einigen Tagen pro Woche unter einen Hut bringen. Das ist, bei allen Bemühungen nach gemeinsamer Struktur, gutem Zeitmanagement und Pausen, für viele kaum zu bewältigen. AK und ÖGB haben lange für einen Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit gekämpft und ihn schließlich durchgesetzt. Zwischen 1.11.2020 und 9.7.2021 und nunmehr voraussichtlich zwischen 1.09.2021 und 31.12.2021 müssen Eltern Sonderbetreuungszeit bekommen, wenn Kindergarten oder Schule geschlossen werden und dort keine Betreuung angeboten wird oder das eigene Kind in Quarantäne muss – ohne den Arbeitgeber um Erlaubnis bitten müssen. Zusätzlich ist es weiterhin möglich, eine Sonderbetreuungszeit im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren, selbst dann, wenn Schule oder Kindergarten eine Notbetreuung anbieten und der Rechtsanspruch somit nicht greift. Als Anreiz für den Arbeitgeber, dieser Maßnahme zuzustimmen, bekommt dieser einen Kostenersatz von 100%

Dafür haben wir uns eingesetzt:

  • Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit
  • Weiterhin Vereinbarungsmöglichkeit dort, wo Rechtsanspruch nicht greift
  • Zwischen 1.11.2020 und 9.7.2021 vier Wochen und (voraussichtlich) zwischen 1.09.2021 und 31.12.2021 drei Wochen pro Elternteil
  • 100% Kostenersatz für die ArbeitgeberInnen durch den Bund

Lesetipp

Bin ich versichert, wenn ich im Homeoffice einen Unfall habe?

Ja. Für die Zeit der Corona-Krise befristet konnten Arbeiterkammer und Gewerkschaften einen umfassenden Versicherungsschutz durchsetzen. Unfälle, die sich im Homeoffice im Zusammenhang mit Ihrer Beschäftigung ereignen, gelten als Arbeitsunfälle. Sie genießen damit den gleichen Versicherungsschutz, den Sie hätten, würde sich Ihr Arbeitsunfall in Ihrem Betrieb oder auf dem Weg dorthin passieren.

Mit dem von Arbeiterkammer und Gewerkschaften verhandelten Homeoffice-Paket wurde diese Ausnahmeregelung endlich zum Dauerrecht.

Seit 1.4.2021 gelten daher Unfälle, die sich im Homeoffice im Zusammenhang mit Ihrer beruflichen Tätigkeit ereignen, ausnahmslos als Arbeitsunfälle.

Zusätzlich wurde dieser Unfallversicherungsschutz auf Wegunfälle vom Homeoffice in die Arbeitsstätte, vom Homeoffice zu einem Arzttermin oder einer Interessensvertretung (AK, Gewerkschaften) ausgeweitet. Auch dann, wenn Sie Ihre Kinder in den Kindergarten oder in die Schule bringen und dann direkt in Ihr Homeoffice zurückkehren, werden Unfälle als Arbeitsunfälle behandelt. 

Muss ich im Homeoffice meine eigenen Geräte und Büromaterialien verwenden?

Nein. Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass Sie die nötigen Arbeitsmittel für die regelmäßige „Telearbeit“ zur Verfügung haben und dass diese auch gewartet werden.

Mit dem von Arbeiterkammer und Gewerkschaften verhandelten Homeoffice-Paket wurde dieser Grundsatz nun festgeschrieben: Sollten Sie ausnahmsweise zustimmen, im Homeoffice Ihre privaten Geräte zu verwenden, steht Ihnen verpflichtend ein Kostenersatz zu, der – anders als bisher – nicht mehr zu Gunsten des Arbeitgebers ausgeschlossen oder eingeschränkt werden kann.

Halten Sie in der schriftlichen Homeoffice-Vereinbarung schon zu Beginn fest, wie viel der vom Arbeitgeber geleistete Kostenersatz (pro Homeoffice-Tag) betragen wird. Unabhängig davon, wie hoch der Kostenersatz ausfällt, sind davon bis zu 3 Euro pro Homeoffice-Tag (und höchstens 300 Euro pro Jahr) steuer- und beitragsfrei. Sie erhalten den Betrag daher in voller Höhe ausbezahlt. Das wurde im Rahmen des von Arbeiterkammer und Gewerkschaften verhandelten Homeoffice-Pakets beschlossen.

Wer muss Homeoffice-Kosten für Internet, Handy, Strom etc. bezahlen?

Kosten, die bei Ihnen durch das Homeoffice zusätzlich anfallen (z.B. Telefon- und Internetkosten, nicht aber Einrichtungsgegenstände), muss Ihnen Ihr Arbeitgeber ersetzen. Treffen Sie im Vorfeld unbedingt eine Vereinbarung darüber, indem Sie sich etwa auf einen pauschalen Aufwandsersatz einigen. Wenn Sie in Ihrem Betrieb einen Betriebsrat haben, kann dieser für die gesamte Belegschaft mit dem Arbeitgeber eine Betriebsvereinbarung abschließen und diese wichtigen Rahmenbedingungen festlegen. 

Halten Sie in der schriftlichen Homeoffice-Vereinbarung schon zu Beginn fest, wie viel der vom Arbeitgeber geleistete Kostenersatz (pro Homeoffice-Tag) betragen wird. Unabhängig davon, wie hoch der Kostenersatz ausfällt, sind davon Zahlungen des Arbeitgebers für digitale Arbeitsmittel bis zu 3 Euro pro Homeoffice-Tag (und höchstens 300 Euro pro Jahr) steuer- und beitragsfrei. Sie erhalten den Betrag daher in voller Höhe ausbezahlt. Das wurde im Rahmen des von Arbeiterkammer und Gewerkschaften verhandelten Homeoffice-Pakets beschlossen.

Geht es nur um kleine Anschaffungen, etwa für Papier, Stifte oder einen USB-Stick, dann wird es reichen, wenn Sie die Rechnungen aufheben und später Ihrem Arbeitgeber übermitteln. Geht es um größere Ausgaben, sollten Sie jedenfalls im Vorfeld mit Ihrem Arbeitgeber Rücksprache halten, denn eigentlich muss die Firma dafür sorgen, dass Sie die technische Ausstattung haben, die Sie brauchen.

Ich habe zuhause keine geeigneten Büromöbel, um zu arbeiten. Muss sie der Arbeitgeber zur Verfügung stellen?

Nein. Für ihre Arbeitsumgebung im Homeoffice sind Sie grundsätzlich selbst verantwortlich. Ihr Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, Ihnen z.B. geeignete Tische oder Sitzgelegenheiten zur Verfügung zu stellen. Tut er es trotzdem, dann muss er darauf schauen, dass sie alle erforderlichen ergonomischen Anforderungen erfüllen.

Mit dem von Arbeiterkammer und Gewerkschaften verhandelten Homeoffice-Paket wurde nun allerdings die Pflicht des Arbeitgebers festgeschrieben, Sie zur ergonomischen Gestaltung des Arbeitsplatzes bzw. bei Fragen zu Sicherheit und Gesundheitsschutz zu unterweisen. Die Sozialpartner haben dazu gemeinsam mit ExpertInnen des Arbeitsinspektorats Informationsmaterial und ein Muster für die – nunmehr auch im Homeoffice verpflichtende – Arbeitsplatzevaluierung entwickelt.

Das Homeoffice-Paket schafft zudem die Möglichkeit, Aufwendungen für die Anschaffung ergonomischer Möbel für den Homeoffice-Arbeitsplatz im Rahmen der ArbeitnehmerInnenveranlagung („Steuerausgleich“) im Ausmaß von EUR 300,- pro Jahr von der Steuer abzusetzen. Ein Teil dieses Absetzbetrages kann auch rückwirkend für das Jahr 2020 im „Steuerausgleich“ geltend gemacht werden. Das ist wichtig, nachdem sich besonders viele ArbeitnehmerInnen gleich zu Beginn der Coronakrise einen Homeoffice-Arbeitsplatz einrichten mussten. Heben Sie sich daher unbedingt sämtliche Rechnungen und Belege auf! 

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Telefon: +43 5 7171 22000

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