Frauen in Führungspositionen: Quote ein Muss!

Wie viele Frauen arbeiten in den 200 österreichischen Top-Unternehmen auch in Top-Positionen? Die AK hat diese Frage in der Studie "Frauen in Geschäftsführung und Aufsichtsrat" untersucht und festgestellt: Mager schaut's aus! Trotz heftiger öffentlicher Diskussion und vielen Versprechungen seitens der Wirtschaft hat sich an der Männerdominanz in den heimischen Führungsetagen nichts geändert. Der Frauenanteil in Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bleibt inakzeptabel niedrig. Die AK fordert die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote von 40 Prozent.

609 Geschäftsführer, 28 Geschäftsführerinnen

Bei den untersuchten Top 200 Unternehmen liegt der Anteil der weiblichen Vorstände bei mageren 4,4 Prozent und ist damit gegenüber dem Vorjahr sogar noch gesunken: Im Jahr 2011 leiten nur 28 Geschäftsführerinnen die Unternehmensgeschicke, während 609 männliche Kollegen eine Vorstandsfunktion bekleiden.

Männer bleiben im Aufsichtsrat unter sich

Nur jedes zehnte Aufsichtsratsmitglied ist eine Frau: Unter den KapitalvertreterInnen liegt die Frauenquote bei lediglich 7,5 Prozent. Im Vergleich dazu ist der Frauenanteil in den Reihen der ArbeitnehmerInnenvertretung der Top 200 Unternehmen mit 16,6 Prozent mehr als doppelt so hoch. Insgesamt liegt der Frauenanteil im Aufsichtsrat bei 10,3 %. Da die Versprechungen der Wirtschaft leer blieben, fordert die AK die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote von 40 Prozent. Viele Frauen sind bestens ausgebildet, sie wollen nicht nur arbeiten, sie wollen auch Verantwortung übernehmen. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit.

Nur drei Frauen zählen zur ATX-Vorstandsriege

Stark unterrepräsentiert sind weibliche Führungskräfte auch am Top-Börsesegment ATX: Der Frauenanteil im Vorstand liegt dort lediglich bei 3,9 Prozent, am gesamten Prime Market haben Geschäftsführerinnen überhaupt nur einen Anteil von 3,0 Prozent. Die Aufsichtsrätinnen im ATX haben eine Repräsentanz von 8,5 Prozent und liegen damit sogar unter dem Niveau der Top 200 Unternehmen. Mit 8 von 19 Personen stellen auch hier die Betriebsrätinnen einen maßgeblichen Anteil an der Vertretung von Frauen im Aufsichtsratsgremium.

Gesetzliche Frauenquote statt freiwilliger Selbstregulierung

Die enttäuschende Entwicklung bei den börsennotierten Unternehmen macht deutlich, dass freiwillige Selbstverpflichtung in Form von Kodexempfehlungen nicht ausreicht, um die Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen zu erreichen. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass Selbstregulierung versagt und nur eine gesetzliche Regelung den gewünschten Erfolg bringt. Norwegen, Spanien und seit kurzem auch Frankreich haben dies bereits erkannt und die entsprechenden Gesetze beschlossen. Auch in Deutschland schlägt die öffentliche Diskussion dazu hohe Wellen.

In Österreich sollte nun schnellstmöglich gehandelt werden, um in der Frage der Gleichstellung nicht eines von Europas Schlusslichtern zu bleiben.

  • Einführung einer gesetzliche Frauenquote von 40 Prozent bei der Besetzung von Aufsichtsratsgremien. Seit der Einführung dieser Geschlechterquote in Norwegen gibt es bereits deutliche Erfolge: Der Frauenanteil in Aufsichts- und Verwaltungsräten liegt 2010 bei 39 Prozent. Die legistische Umsetzung einer Frauenquote im Aktien- und GmbH Gesetz sollte rasch erfolgen, Übergangsfristen zur Umsetzung in den Unternehmen könnten ca. drei Jahre betragen. Zunächst sollen börsennotierte Gesellschaften, Unternehmen im öffentlichen Interesse und Unternehmen, die mehrheitlich der öffentlichen Hand gehören, erfasst werden, später dann alle großen Kapitalgesellschaften. Sanktionen bei Nichteinhaltung sollen spürbare Strafen und eine Eintragung im Firmenbuch sein.

  • Als Sofortmaßnahme fordert die AK wirksame und konkrete Regelungen im Corporate Governance Kodex, die auf eine ausgewogene Vertretung beider Geschlechter im Aufsichtsrat abzielen. Die bestehenden Bestimmungen sollten umgehend verschärft und an die Standards anderer EU-Mitgliedstaaten angepasst werden. Die betreffenden Regeln sollten gesetzlich verpflichtend sein. Die derzeitige Unterrepräsentanz von Frauen in der Führung und Kontrolle von ATX und Prime Market Unternehmen zeigt die Wirkungslosigkeit des auf Freiwilligkeit basierten Corporate Governance Kodex mehr als deutlich.

  • Darüber hinaus verlangt die AK eine zertifizierte, an eine offizielle Stelle angebundene Datenbank mit qualifizierten Frauen, die für die Tätigkeit im Aufsichtsrat zur Verfügung stehen und empfohlen werden. Bei der Bestellung von Aufsichtsrätinnen steht den Unternehmen dann ein umfassender Pool an kompetenten, hochqualifizierten Frauen zur Verfügung.
  • Drucken Weiterleiten | Mehr

Anfrage zum Artikel

*
*
*
*
*
*
*
*
*

6 + 3 =
*

Anfrage zum Artikel



Danke - Ihre Anfrage wurde weitergeleitet.