AKNÖ-Haneder: Länger arbeiten, ja – auf gesünderen Arbeitsplätzen
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AKNÖ-Haneder: Länger arbeiten, ja – auf gesünderen Arbeitsplätzen
Ohne Gesundheitsprogramm für ältere ArbeitnehmerInnen wird es nicht möglich sein, das durchschnittliche Pensionsantrittsalter anzuheben. AKNÖ-Präsident Hermann Haneder: „Der Zusammenhang zwischen schweren Erkrankungen und Frühpension ist klar erwiesen. Wer die Frühpension eindämmen will, der muss die Krankheiten bekämpfen und nicht die Kranken.“
Die EU-Vorgaben, die Menschen unter den gegebenen – unzureichenden – Bedingungen, länger arbeiten zu lassen, ist für viele körperlich anstrengenden Berufe zynisch und unzureichend. Deshalb fordert die AKNÖ im Jahr des „Active Ageing“ die Anpassung der Arbeitswelt an die Bedürfnisse älterer ArbeitnehmerInnen.
Gesunde ArbeitnehmerInnen arbeiten schon jetzt bis 61/66 Jahre
„In einem gesunden Arbeitsumfeld ist ein höheres Pensionsantrittsalter kein großes Problem“, verweist AKNÖ-Gesundheitsexperte Dr. Bernhard Rupp, MBA auf das tatsächliche Antrittsalter in die Regelpension: Frauen arbeiten demnach schon heute bis 61,1 Jahre und Männer bis 66 Jahre. Bisher betrifft dies rund 29 Prozent aller Pensionsantritte. Die „Frühpension“ kehrt sich also um, wenn ArbeitnehmerInnen gesund bleiben und ihr Arbeitsplatz altersgerecht gestaltet ist. Die AKNÖ steckt sich zum Ziel, durch massive gesundheitsfördernde Maßnahmen wesentlich mehr Menschen am Arbeitsplatz zu halten. „In vielen Fällen wird sich der Arbeitsplatz an den Menschen und nicht der Mensch an den Arbeitsplatz anpassen müssen“, so Dr. Rupp.
AKNÖ ist mit „Workfit“-Projekt Vorreiter bei Vermeidung von „Frühpensionen“
Seit 2006 ist die AKNÖ Vorreiter, wenn es darum geht, gesundheitlich gefährdete ArbeitnehmerInnen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Bei dem Pilotprojekt „Workfit“ im Industrieviertel hatte sich gezeigt, dass vor allem psychische Betreuung eine große Rolle spielt. Dieses Gesundheitsprogramm war Vorbild für das Arbeit- und Gesundheitgesetz, das seit einem Jahr in Kraft ist. „Viele ArbeitnehmerInnen verharren auf einem für sie ungeeigneten Arbeitsplatz. Die Folge sind häufige Krankenstände und das Abdriften in dauernde Invalidität“, sagte AKNÖ-Präsident Hermann Haneder.
Anreize für Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen schaffen, statt Kranke zu bestrafen
Die AKNÖ spricht sich strikt gegen „Bestrafungsaktionen für Kranke“ aus und kann sich im Gegenzug ein Anreizsystem sowohl für ArbeitgeberInnen als auch für ArbeitnehmerInnen vorstellen, wenn Pensionsanträge später gestellt werden, als sie gesetzlich vorgesehen sind.
„Mit einem Bonusbetrag, der sich für jeden Monat erhöht, um den die Pension später angetreten wird, kann man viel mehr erreichen. Die Arbeitgeber müssen mit ins Boot geholt werden“, so Doris Rauscher-Kalod.
Erste Invaliditätspension kam aufs Konto als Antragstellerin bereits tot war
Ein aktueller Fall aus St. Pölten zeigt die wahre Problematik auf: Eine schwer kranke Arbeitnehmerin erhielt die erste Pensionszahlung, als sie bereits verstorben war. „Wer angesichts dieser Fälle von Flucht in die Frühpension spricht, kennt die Arbeitswelt nicht und bekämpft die Kranken statt die Krankheit“, appelliert AKNÖ-Präsident Haneder an die Bundesregierung, mehr für die berufliche und medizinische Rehabilitation zu tun.
AKNÖ-Enquete im Herbst 2012: „Die Arbeitswelt anpassen - Gute Arbeit als Ziel“
Strategien der Anpassung der Arbeitswelt (Stichwort: „Gute Arbeit“) an die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen (älterere ArbeitnehmerInnen) werden bei einer Enquete im Herbst ebenso behandelt wie die Frage des „Altwerdens an der Peripherie“ und „Soziale Netze nach dem Beruf“. Die Enquete wird in Kooperation mit der FH-St. Pölten geplant.
Der Präsident der Niederösterreichischen Arbeiterkammer, Hermann Haneder, fordert daher:- ArbeitnehmerInnen in besonders belastenden Berufen sollen so früh wie möglich gesundheitsfördernde Maßnahmen angeboten werden
- Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten: Ständige Aus- und Weiterbildung, damit ältere ArbeitnehmerInnen in ihrem Beruf nicht zurückfallen
- Altersgerechte Arbeitszeit: mehr Selbstbestimmung bei Arbeitszeit- oder Schichteinteilung.
- Auszeiten: Möglichkeit für „vollzeitnahe Teilzeit“ oder vorübergehende Auszeiten, ohne erworbene Ansprüche zu verlieren.
- Krankenstände senken: Niederösterreich hat laut Fehlzeitenreport des WIFO mit 14,5 Krankenstandtagen die höchsten Krankenstände aller Bundesländer. Daher sind die Arbeitsplätze auf mögliche Gesundheitsgefährdungen zu überprüfen.
- Prämiensystem: Wer beschäftigt bleibt, statt eine vorzeitige Alterspension in Anspruch zu nehmen, könnte eine Prämie erhalten, die mit der Zahl dieses Aufschubs ansteigt. Diese Prämie könnte auch im selben Ausmaß dem Dienstgeber solcher Dienstnehmer zustehen. Die Kosten dafür könnten den Pensionsversicherungen aus Mitteln des allgemeinen Steueraufkommens ersetzt werden.
- Bonus-Malus-System: Um Ältere zu beschäftigen, könnte auch ein Bonus-Malus-System dienen, wie es noch bis vor einigen Jahren bestanden hat.
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