Einkommen in Niederösterreich
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Sinkende Einkommen trotz Wirtschaftswachstum.
2010 blieb für die nö. ArbeitnehmerInnen vom Lohn und Gehalt nicht mehr viel übrig. Im Gegenteil: Sie konnten sich monatlich um 18 Euro brutto weniger leisten. Das zeigt die aktuelle Einkommensanalyse der NÖ Arbeiterkammer für das Jahr 2010.
„18 Euro brutto monatlich weniger, das bedeutet für Familien, AlleinverdienerInnen und AlleinerzieherInnen eine Menge Geld und ist für viele eine enorme finanzielle Belastung“, zeigt sich AKNÖ-Präsident Hermann Haneder von der aktuellen Einkommensanalyse betroffen.
Inflation schluckte Einkommenszuwächse und bringt Reallohnverlust
2010 betrug das Brutto-Medianeinkommen der nö ArbeitnehmerInnen 1.850 Euro. Auf den ersten Blick ist es im Vergleich zum Vorjahr zu einem Bruttoeinkommenszuwachs von +16 Euro gekommen. Doch hohe Inflation und Steuern haben die Lohn- und Gehaltszuwächse aufgefressen. Netto und kaufkraftbereinigt hatten die nö. ArbeitnehmerInnen ein Minus in der Geldtasche. Das Nettorealeinkommen sank gegenüber 2009 um –15 Euro (-1,13 Prozent).
Und das, obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus positiv waren. Denn 2010 stieg das Wirtschaftswachstum um +2,3 Prozent, gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote auf 6,9 Prozent (2009: 7,2 Prozent). Steigende Arbeitsproduktivität und sinkende Lohnstückkosten führten 2010 zusätzlich zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes und der heimischen Betriebe. Auffallend: Die gute Wirtschaftslage wurde getragen von der steigenden Nachfrage nach Konsumgütern. „Trotz dieses positiven wirtschaftlichen Umfelds sank das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte im Jahr 2010 um -1,4 Prozent. Das liegt vor allem an der hohen Inflation von fast 2 Prozent, den niedrigen Lohnzuwächsen und daran, dass immer mehr Menschen Teilzeit arbeiten“, erklärt AKNÖ-Wirtschaftsexperte und Studienautor Jürgen Figerl.
Kaufkraft stärken
Für AKNÖ-Präsident Hermann Haneder besteht Handlungsbedarf: „Die Krise, sowie das letzte Jahr haben gezeigt, welche wichtige Rolle der private Konsum für die Stabilität der Wirtschaftslage hat. Deshalb muss sich die Zunahme der Löhne und Gehälter an der Inflation und am Wirtschaftswachstum orientieren. Das heißt eindeutig: Die Beschäftigten in Niederösterreich brauchen wieder ein Plus in ihrer Geldtasche.“
Armutsgefahr verhindern - Mindestlöhne erhöhen
Ein weiterer, unerfreulicher Trend der letzten Jahre zeigt sich auch bei der Entwicklung der Niedriglöhne. Hier waren laut Studie nur sehr schwache Einkommensentwicklungen für die unteren Einkommensgruppen zu verzeichnen. Deshalb ist eine Erhöhung der Mindestlöhne ein wichtiger Baustein zur Armutsvermeidung. AKNÖ-Direktor Helmut Guth: „Die Einkommensanalyse ist ein wichtiges Instrument, um auf die Armutsgefahr im Niedriglohnsektor hinzuweisen. Damit haben wir einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Belebung der Diskussion in der Hand.“
Frauen: Arbeiterinnen haben mit 24 Höchsteinkommen erreicht
2010 ist in fast allen Bundesländern ein realer Einkommensverlust zu verzeichnen. In Niederösterreich betrug das Bruttomedianeinkommen für Frauen 1.418 Euro. Auffällig ist, dass die Einkommensschere zwischen den Berufsgruppen beträchtlich bleibt. Im Laufe ihrer gesamten Erwerbskarriere haben Arbeiterinnen bereits zwischen 20 und 24 Jahren ihr höchstes Einkommen erreicht. Danach sinkt es deutlich ab. Erst später, zwischen 40 und 44 Jahren, ist eine signifikante Steigerung erkennbar. Genau umgekehrt die Situation der Angestellten. Sie verdienen zu Beginn ihres Erwerbslebens weniger als Arbeiterinnen, ab 24 dreht sich das Bild, ab da steigen ihre Einkommen an. Im Vergleich mit den Bundesländern liegt Niederösterreich bei den Fraueneinkommen an drittletzter Stelle. Ein Grund für das niedrige Einkommensniveau ist auch die hohe Anzahl der Frauen in Teilzeitbeschäftigung. 43,8 Prozent der Frauen in NÖ arbeiten Teilzeit.
Männer: Einkommen wachsen mit steigendem Alter
Das Bruttomedianeinkommen der Männer betrug in Niederösterreich im Jahr 2010 2.145 Euro (- 1,04 Prozent). Die Einkommen der Männer wachsen mit steigendem Alter. Aber auch bei den Männern zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Arbeitern (1.958 Euro) und Angestellten (2.834 Euro). Junge Arbeiter bis 24 Jahre verdienen mehr als Angestellte derselben Alterskategorie. Ab 25 verdienen Angestellte in jeder Alterskategorie mehr als die Arbeiter. Mit steigendem Lebensalter fallen die Medianeinkommen der Arbeiter immer weiter hinter jene der Angestellten zurück.
Das Männereinkommen in NÖ liegt im Bundesländervergleich, so wie bei den Frauen, an drittletzter Stelle. Am besten verdienten die Männer in Vorarlberg, am schlechtesten im Burgenland.
Einkommensunterschiede: Frauen verdienen um ein Drittel weniger
Das mittlere Einkommen der Frauen in NÖ betrug 2010 1.418 Euro, das sind zwar nominell um 20 Euro mehr als im Vergleich zu 2009, doch das Medianeinkommen der Frauen ist 2010 noch immer um ca. ein Drittel geringer als das der Männer. Auch wenn das Ergebnis durch den höheren Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen verzerrt ist, ist aus dem Vergleich der neunten Dezile (d. h. 10 % verdienen mehr, 90 % verdienen weniger) der Einkommenspyramide ersichtlich, dass die Einkommen der Frauen nur 72,5 % der Männereinkommen betragen.
Im Bundesländervergleich liegt NÖ an 5. Stelle
2010 konnte Niederösterreich seinen 5. Platz im Mittelfeld behaupten, die Bundesländer Burgenland, Tirol und Kärnten liegen noch immer im Bundesländervergleich auf den letzten Plätzen. Im Vergleich zum Vorjahr ist in allen Bundesländern ein realer Einkommensverlust zu verzeichnen. Am höchsten sind die Einkommen in Vorarlberg, Wien und Oberösterreich.
Bezirksvergleich: Einkommensrückgang in fast allen Bezirken
2010 war das Mostviertel einkommensstärkste, das Weinviertel die einkommensschwächste Region. Auch zwischen den Bezirken mit hohen und niedrigen Einkommen (1. und 9. Dezil) sind die Werte sehr unterschiedlich: von 2,97 in Lilienfeld bis 5,53 in Horn.
Frauen verdienten, abhängig vom politischen Bezirk, zwischen 43,6 % (Amstetten) und 22 % (Wien-Umgebung) weniger als ihre männlichen Kollegen.
- Generelle Zunahme der realen Löhne und Gehälter: Die Krise sowie das letzte Jahr haben gezeigt, welch wichtige Rolle der private Konsum in Österreich für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage hat. Die Zunahme der Löhne und Gehälter sollte sich an Inflation und Produktivitätszuwachs orientieren. Nur so ist eine gerechte Aufteilung des Einkommens zwischen Unternehmer, Kapitalbesitzer und Arbeitnehmer zu bewerkstelligen.
- Erhöhung der Mindestlöhne: Eine relativ schwache, reale Einkommensentwicklung war in den letzten Jahren vor allem in den unteren Einkommensgruppen zu verzeichnen. Deshalb wäre vor allem hier eine Erhöhung der Mindestlöhne ein wichtiger Baustein zur Armutsverminderung.
- Weitere steuerliche Entlastung unterer Einkommensschichten: Senkung des Eingangssteuersatzes bei der Einkommenssteuer, Erhöhung des Negativsteuerbetrags sowie Absetzbeträge statt Freibeträge im Einkommenssteuerrecht, damit untere Einkommensempfänger in den Genuss von Steuerentlastungen kommen.
- Verminderung der Teilzeitquote: Der ständig steigende Anteil an Teilzeitbeschäftigten, vor allem bei Frauen, ist nicht nur freiwilliger Natur. Meist entsteht die Entscheidung für Teilzeitarbeit aus der schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familienbetreuungspflichten. Laut Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria für das Jahr 2010 wollten lediglich 20 % der teilzeitbeschäftigten Erwerbstätigen keine Vollzeitbeschäftigung. 31,5 % mussten wegen Betreuung von Kindern bzw. pflegebedürftigen Erwachsenen einer Teilzeitarbeit nachgehen. 11 % haben schlicht und einfach keine Vollzeitstelle gefunden.
- Verbesserung der sozialen Absicherung: z.B. Erhöhung der Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld.
- Verbesserte Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit Beruf – Familie: Eine wichtige Voraussetzung zur Schließung der Einkommensschere zwischen Frauen und Männern ist eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das heißt: Verstärkte Investitionen in soziale Infrastruktur - mehr flächendeckende und den Erfordernissen der sich andauernd verändernden Arbeitswelt entsprechende Kinderbetreuungseinrichtungen (vor allem Kinderkrippen), mehr Ganztagsschulen.
- Verstärkte Initiative für Frauen in klassischen Männerberufen: Ein weiterer Punkt zur Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ist die Auswahl des Berufs. Klassische Frauenberufe sind im Durchschnitt sehr viel schlechter bezahlt als klassische Männerberufe.
- Bildungsoffensive für schlecht qualifizierte ArbeitnehmerInnen: Vor allem schlechter qualifizierte ArbeitnehmerInnen leiden unter niedrigen Löhnen und schlechten Jobaussichten. Durch eine Bildungsoffensive, gerade für diese Gruppe, könnte die Einkommensschere verkleinert werden. Damit könnte einerseits die individuelle Arbeitslosigkeitsgefahr vermindert werden, andererseits könnte gleichzeitig mit dem steigenden Facharbeiterbedarf das Angebot erhöht werden. Bei diesen Facharbeiterberufen sind die Löhne im Durchschnitt höher als bei unqualifizierten Berufen.
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